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Apothekenfinanzierung

Konzepte für die Selbstständigkeit

21.02.2012
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Apobank / Sich mit einer eigenen Apotheke selbstständig zu machen, erfordert viele Investitionen. Schließlich gilt es, die Kosten für Warenlagerung, Geschäftsausstattung, Modernisierungs-, Umbau- oder Baumaßnahmen zu begleichen. Die Finanzierung dieser Kosten sollte nicht dem Zufall überlassen werden.

Auch wenn man aufgrund der Änderungen durch das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) als selbstständiger Apotheker heute großen wirtschaftlichen Herausforderungen begegnen muss, unter Finanzierungsgesichtspunkten stehen die Zeichen für eine Existenzgründung derzeit gut. Die Sollzinsen bewegen sich immer noch auf einem niedrigen Niveau. Das erleichtert die Finanzierung. Aber um später trotz guter Ideen und Ambitionen nicht finanziell zu scheitern, sollte die Finanzierung gut geplant und nicht dem Zufall überlassen werden. Auch die Wahl der passenden Finanzierungsform spielt eine wichtige Rolle. Hierbei stehen Existenzgründern grundsätzlich folgende Möglichkeiten offen:

 

Investitionskredite

 

Für Existenzgründer eignen sich unter anderem Zinszahlungsdarlehen (endfällige Darlehen). Hierbei wird die Darlehensschuld zum Laufzeitende in kompletter Höhe zurückgezahlt. Die Belastung während der Laufzeit beschränkt sich auf die Zahlung der Sollzinsen. »Als Tilgungsersatz werden die Ansprüche aus Kapitallebensversicherungen, privaten Rentenversicherungen, Bausparverträgen oder Investmentfonds abgetreten«, erklärt Frank Sparholz, Bereichsleiter Produktmanagement bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank). Diese werden separat bespart und am Ende der Laufzeit zur Rückführung des Darlehens verwendet. Für den Darlehensnehmer ergeben sich hieraus wirtschaftliche Vorteile:

 

Bei Apothekendarlehen beziehungsweise Darlehen für vermietete Immobilien sind die Sollzinsen steuerlich als Betriebsausgaben beziehungsweise Werbungskosten abzugsfähig. Da diese aufgrund der unveränderten Darlehensvaluta im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen höher sind, entstehen Steuervorteile.

 

Werden die ersparten Tilgungen in eine Anlage (zum Beispiel in einen Investmentfonds) investiert, deren erwartete Rendite über dem Sollzinssatz des Darlehens liegt, kann dies ebenfalls vorteilhaft sein. Hieraus können sich wirtschaftliche Vorteile für den Darlehensnehmer ergeben. Die Kon­struktion des Zinszahlungsdarlehens bewirkt, dass die Summe der Zahlungen in das Tilgungsinstrument niedriger sein kann als die zu tilgende Kreditsumme. Dies resultiert aus den über die gesamte Laufzeit erzielten möglichen Wertsteigerungen des Fondsvermögens.

Weitere Finanzierungsarten sind Tilgungs- und Annuitätendarlehen. Bei Ersteren bleibt die Tilgung über die gesamte Darlehenszeit konstant – mit der Folge, dass der finanzielle Freiraum im Laufe der Zeit steigt, da der auf die Restlaufzeit berechnete Sollzinsanteil im Zeitverlauf sinkt. Wer eine konstante Ratenzahlung anstrebe, für den eigne sich ein Annuitätendarlehen, so Apobank-Experte Sparholz. Dies sei in der Regel aber vor allem im privaten Bereich, wie beispielsweise bei der Baufinanzierung, der Fall. Neben den Finanzmitteln der finanzierenden Bank ist es empfehlenswert, auch von öffentlichen Förderprogrammkrediten – wie sie zum Beispiel von der Kreditanstalt für Wiederaufbau angeboten werden – Gebrauch zu machen.

 

Betriebsmittelkredit

 

Der Betriebsmittelkredit ist ein Kontokorrentkredit und dient zur Vorfinanzierung der laufenden Kosten in der Anlaufphase der Apotheke. Nur der tatsächlich in Anspruch genommene Betrag – also die Ausnutzung des Kreditlimits – muss verzinst werden. »Zwar liegen die hierfür veranschlagten Sollzinsen häufig höher als die langfristiger Kredite«, so Sparholz. »Jedoch ist der Betriebsmittelkredit wegen seiner hohen Flexibilität oft wirtschaftlicher.« Er sollte daher ergänzend zu einem Investitionskredit eingeplant werden.

 

Die finanzielle und wirtschaftliche Planung ist ein zentraler, aber auch komplexer Bestandteil der erfolgreichen Apothekenführung. Es empfiehlt sich daher, finanzielle Fragen rund um die Existenzgründung sorgfältig zu planen. /

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