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Wachstumshormone gegen das Altern

20.02.2007  13:40 Uhr
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Wachstumshormone gegen das Altern

Von Wolfgang Kämmerer

 

Wachstumshormone (human Growth Hormone, hGH) gelten als potenzielle Anti-Aging-Mittel und werden als solche oft Off-label eingesetzt. Eine respektive Studie sammelte Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit dieser umstrittenen »Verjüngungsmethode«.

 

Seit einer Publikation aus dem Jahr 1990, in der berichtet wurde, dass ein kurz dauernder Einsatz von rekombinantem humanen Wachstumshormon die altersbedingten Veränderungen der Körperzusammensetzung bei ansonsten gesunden älteren Männern rückgängig machen könne, nahm der Einsatz von hGH als Anti-aging-Therapie rapide zu. Schätzungen zufolge erhalten weltweit etwa 100.000 Menschen die Hormone ohne Rezept.

 

Hintergrund einer hGH-Einnahme ist, dass einige Anzeichen und Symptome eines Mangels wie zunehmende Adipositas und abnehmende fettfreie Körpermasse den Veränderungen ähneln, die durch das Altern entstehen. So wird postuliert, dass eine hGH-Substitutionstherapie diese altersbedingten Veränderungen abmildern kann. Allerdings ist diese Hypothese stark umstritten. Ein respektive Studie sollte nun neue Daten generieren.

 

Basis des Reviews bildete eine Recherche in den zwei großen medizinischen Datenbanken Medline und Embase. Die Forscher suchten nach randomisierten kontrollierten Studien, in denen entweder eine hGH-Therapie einer Kontrollgruppe ohne hGH beziehungsweise eine hGH-Therapie plus einem geänderten Lebensstil (Bewegung mit oder ohne Diät) einer alleinigen Veränderung des Lebensstils gegenübergestellt wurde. Die Probanden mussten mindestens 50 Jahre alt sein und einen BMI von kleiner als 35 aufweisen. Die Behandlung mit hGH musste mindestens zwei Wochen erfolgt sein. Studien mit einer indizierten hGH-Therapie zur Behandlung eines hGH-Mangels wurden ausgeschlossen.

 

Ergebnisse: Insgesamt erfüllten 31 Studien mit 18 unterschiedlichen Studienpopulationen die Einschlusskriterien. 220 Probanden beendeten die jeweilige hGH-Therapie. Das Durchschnittsalter betrug 69 Jahre und der mittlere BMI 28. Die tägliche Dosis von hGH (im Mittel 14 µg pro kg Körpergewicht) und die Behandlungsdauer (durchschnittlich 27 Wochen) variierten. Probanden unter einer hGH-Therapie zeigten gegenüber denjenigen ohne hGH-Therapie eine Reduktion der Fettmasse um  2,1 kg und eine Zunahme der fettfreien Masse um 2,1 kg (p < 0,001), ohne dass sich das Körpergewicht wesentlich änderte (im Schnitt 0,1 kg, p = 0,87). Weiterhin wurde eine Reduktion des Gesamtcholesterols (minus 0,29 mmol/l, p = 0,006) beobachtet, die jedoch nach Angleichung an die geänderte Körperzusammensetzung keine statistische Signifikanz aufwies. Weitere Lipidwerte sowie die Knochendichte blieben unverändert.

 

Unter einer hGH-Therapie traten signifikant häufiger Weichteilödeme, Gelenkschmerzen, Karpaltunnelsyndrome (Schmerzen durch Einengung eines Nervs am Handgelenk) und bei Männern Vergrößerungen der Brustwarzen (Gynäkomastie) auf. Des Weiteren wurde häufiger ein Diabetes neu diagnostiziert und die Patienten wiesen Störungen des Nüchternblutzuckers auf.

 

Fazit: Es liegen bislang nur wenig randomisierte kontrollierte Studien zur Anti-aging-Therapie mit Wachstumshormonen bei gesunden älteren Erwachsenen vor und sie weisen eine geringe Teilnehmerzahl auf. Die vorhandenen Ergebnisse lassen auf eine Korrelation zwischen der hGH-Therapie und geringgradigen Veränderungen der Körperzusammensetzung schließen, was jedoch mit einer erhöhten Rate an Nebenwirkungen erkauft wird. Aufgrund dieser Ergebnisse können Wachstumshormone nicht als Anti-aging-Therapie empfohlen werden.

 

Quelle: Liu, H. et al., Ann Intern Med 146 (2007)104-115

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