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Striptease

11.02.2015
Datenschutz bei der PZ

Private Krankenversicherungen wollen ihre Kunden belohnen, wenn die sich besonders gesundheitsbewusst verhalten (Prämien für Gesunde: Regierung sieht kein Problem). Wer regelmäßig joggt, schwimmt oder fahrradfährt, bekommt eine Prämie. Das hört sich gut an, ist es aber nicht. Wer von den Vergünstigungen der privaten Versicherer profitieren will, der muss dies natürlich belegen. Apple sei Dank haben sich mittlerweile viele Gesundheitsbewusste daran gewöhnt, Dauer und Frequenz ihrer Leibesertüchtigung nicht nur zu dokumentieren, sondern auch noch digital zu kommunizieren. Die Hemmschwelle, solche Daten preiszugeben, sinkt. Jeder Freizeitsportler kann über eine App direkt bei Facebook posten, wie schnell und weit er gerade gelaufen ist. Laktatwerte, Herzfrequenz und Kalorienverbrauch lassen sich auch in die sozialen Netzwerke einspeisen. Ist das nicht toll?

 

Natürlich wird niemand zum physiologischen Striptease gezwungen. Jeder bleibt Herr über seine Daten. Und schließlich wird eine Krankenversicherung doch kein Schindluder mit diesen Daten treiben?

 

Das ist auch sicher nicht deren Intention. Dennoch ist es gut, hier sehr vorsichtig zu sein. Die Kontrolle gesundheitsbewussten Verhaltens der Kunden ist ein erheblicher Eingriff in deren Privatleben. Keine Frage, es gibt gute Gründe, sich richtig zu ernähren und regelmäßig Sport zu treiben. Eine Pflicht ist es aber nicht und darf es auch nicht werden. Das droht aber, wenn bestimmte Verhaltensweisen belohnt werden. In der Konsequenz werden nämlich diejenigen bestraft, die nicht in den Genuss der Vergünstigungen kommen, weil sie nicht bereit sind, ihre sportlichen Aktivitäten dem Versicherer zu melden.

 

Für die Bundesregierung ist dies kein Problem. Die Versicherten gingen bestimmt sehr verantwortungsbewusst mit ihren Daten um, sagt Staatssekretärin Ingrid Fischbach. Schön, wenn dem so wäre. Dann wären Facebook und andere soziale Medien, die von der Arglosigkeit ihrer Nutzer ­leben, vermutlich von Insolvenz bedroht. Sind sie aber nicht. Der Einstieg in die freiwillige telematische Kontrolle der Versicherten ist schwer zu stoppen. Immerhin: Die Kunden dürfen selbst entscheiden, ob sie das neue Angebot nutzen wollen. Sie sollten es sich gut überlegen. Ist die Büchse der Pandora einmal offen, geht sie nicht mehr zu.

 

Daniel Rücker 

Chefredakteur

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