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Wechseljahresbeschwerden

Hormone gegen Hitzewallungen

15.02.2011
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Die Therapie von peri- und postmenopausalen Beschwerden mit Hormonen wird seit Längerem intensiv und kontrovers diskutiert. Viele Patientinnen sind verunsichert, da die Datenlage nur zu häufig interessensorientiert interpretiert und vermittelt wird.

»Viele Frauen suchen professionellen Rat in der Apotheke, wenn sie von sogenannten Wechseljahresbeschwerden gequält werden«, sagte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Hitzewallungen, Nervosität und Reizbarkeit sind Zeichen des Hormondefizits, das durch die sinkende Estrogenproduktion zustande kommt. Aber auch Gedächtnis- und Schlafstörungen, Depressionen, Harnwegs- und Gelenkbeschwerden, sexuelle Probleme, Herzklopfen, Müdigkeit, Obstipation, Gewichtszunahme, Schwindel und Blutdruckkrisen können den Betroffenen zu schaffen machen.

Aufgabe des Apothekers sei es, diesen Frauen fundierte Informationen über Nutzen und Risiken einer Hormontherapie (HT) zu geben. Unbedingtes »Muss« für die pharmazeutische Beratungspraxis sei dabei die Kenntnis der Leitlinie »Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause« der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). In der Risiko-Nutzen-Abwägung und gemeinsamen Entscheidungsfindung von Arzt und Patientin müssten Präferenzen, Bedürfnisse, Sorgen und Ängste der Frauen stets Berücksichtigung finden. Schubert-Zsilavecz forderte einen differenzierten Umgang mit dem oftmals emotional beladenen Thema.

 

Ob Estradiol oral, transdermal, intranasal oder konjugierte equine Estrogene: Die Behandlung des »klimakterischen Syndroms« kann prinzipiell mit verschiedenen Estrogenen erfolgen. Bei Frauen mit Uterus, so Schubert-Zsilavecz, muss zusätzlich stets ein Gestagen verabreicht werden, um eine Estrogen-bedingte Endometriumproliferation mit der Gefahr eines Endometriumkarzinoms zu vermeiden. Estrogen-Gestagen-Kombinationspräparate (EPT) sind für die sequenziell kombinierte HT (scHT) vor allem in der Peri- und frühen Postmenopause sowie für die kontinuierlich kombinierte HT (ccHT) in der Postmenopause entwickelt worden. Bei hysterektomierten Frauen ist eine Estrogenmonotherapie (ET) angezeigt.

 

Als einzige sichere Indikationen für die HT gelten Hitzewallungen und vaginale Trockenheit. Die Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität oder gar der »jugendlichen Optik« werde als ausreichender Grund für eine orale HT nicht akzeptiert und sei zudem nicht belegt.

 

Anders bei der Osteoporose: Die orale HT reduziert signifikant die Inzidenz von Frakturen. Daher kann sie bei Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen anderer Osteoporose-Therapieoptionen, zum Beispiel Calcium und Vitamin D, Bisphosphonaten oder SERM, erwogen werden. Hier bedarf es jedoch einer sorgfältigen Risiko-Nutzen-Abwägung. Schubert-Zsilavecz sprach von einer »besonders hohen Beratungsrelevanz«.

 

Der Referent betonte, dass eine orale HT nicht zur Primär- oder Sekundärprävention der koronaren Herzkrankheit indiziert ist, zumal sie das Risiko für zerebrale ischämische Ereignisse und Schlaganfall erhöht. Eine orale HT steigert zudem die Gefahr venöser Thrombosen und Lungenembolien. Auch finden sich Hinweise auf eine erhöhte Häufigkeit von Erkrankungen des Gallenblasengangs und von Gallensteinen (Cholecystolithiasis). Ebenfalls nicht geeignet sei die orale HT zur Prävention rezidivierender Harnwegsinfekte.

 

Die orale HT hat keine positive Wirkung auf die Kognition älterer postmenopausaler Frauen. Sie zeigt auch keinen Nutzen hinsichtlich der Verhütung von Demenz-Symptomen, so Schubert-Zsilavecz mit Verweis auf die »Konsens«-Entscheidungen der an der Erschaffung der Leitlinie beteiligten Experten. Die kombinierte Estrogen-Gestagen-Therapie erhöht das Brustkrebsrisiko. Vor allem hier, so Schubert-Zsilavecz, ist Vorsicht geboten. Eine Brustkrebserkrankung gilt als absolute Kontraindikation, warnte der Referent. Dagegen senkt die orale Kombinations-HT das Risiko für kolorektale Karzinome signifikant. Dies lange aber nicht für eine Einstufung als Indikation aus. Im Falle einer symptomatischen Vaginalatrophie könne die lokale vaginale Estrogentherapie Linderung bringen. Generell sei beim Einsatz der HT Zurückhaltung angezeigt.

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