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Influenza

Impfung nützt und schützt

08.04.2008  17:22 Uhr

Pharmacon Davos 2008

Influenza: Impfung nützt und schützt

 

Pro Jahr sterben in Deutschland zwischen 5000 und 10.000 Menschen an den Folgen der Grippe. Das müsste nicht sein, denn es gibt wirksame und gut verträgliche Impfstoffe, die jedes Jahr neu an die zirkulierenden Viren angepasst werden. Von einer hohen Durchimpfungsrate, vor allem in den Risikogruppen, ist man hierzulande aber noch weit entfernt.

 

»Den besten Schutz vor Influenza bietet die Impfung«, sagte Professor Dr. Thomas Weinke, Potsdam. 90 Prozent der grippe-bedingten Todesfälle betreffen Menschen im Rentenalter. Die Über-60-Jährigen zählen damit ebenso wie chronisch Kranke sowie medizinisches Fachpersonal zu den wichtigsten Zielgruppen der Schutzimpfung. Die Realität sieht leider anders aus: Die Impfrate bei der Generation 60+ liegt bei etwa 50 Prozent und unter den im Gesundheitswesen Tätigen ist sogar nur jeder Vierte geimpft. Der optimale Zeitpunkt für die Impfung sind die Monate September bis November. Im Falle einer drohenden Grippewelle ist eine Impfung aber auch noch zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll. Bis sich der Impfschutz voll ausgebildet hat, dauert es etwa zwei Wochen, danach hält er für etwa sechs Monate an. »Die Effektivität der Impfung ist hoch«, sagte Weinke. Gesunde Menschen unter 60 Jahre seien bis zu 90 Prozent, Über-60-Jährige bis zu 50 Prozent vor der Erkrankung geschützt.

 

Die Ansteckung mit den Influenzaviren erfolgt durch die ausgeschiedenen Sekrete einer infizierten Person. Diese werden zum Beispiel beim Husten und Niesen aus den Atemwegen freigesetzt. »Influenzaviren können bis zu zwei Wochen auch auf Geldscheinen überleben«, informierte Weinke über eine weitere Ansteckungsquelle.

 

Die Infektion ist im Gegensatz zu einem grippalen Effekt in der Regel durch einen plötzlichen Krankheitsbeginn gekennzeichnet. Charakteristische Symptome sind hohes Fieber (> 38 Grad Celsius), Schüttelfrost, Muskel- und Gliederschmerzen, Husten und Halsschmerzen sowie Heiserkeit. Während sich Patienten mit einer banalen Erkältung meistens schnell erholen, fühlen sich Grippepatienten ein bis zwei Wochen unwohl. Daran schließt sich oft noch eine genauso lange Erholungsphase an.

 

Die konventionellen Influenza-Impfstoffe werden in embryonierten Hühnereiern hergestellt. Allein in Deutschland werden mehr als 30 Millionen Eier benötigt, um den jährlichen Impfstoffbedarf decken zu können. Da Hühner bei einer Vogelgrippe-Pandemie besonders gefährdet wären, könnte der Nachschub an frischen Eiern für die Impfstoffproduktion abreißen. Ein Ausweg aus diesem Dilemma könnten dann Zellkultur-Impfstoffe darstellen. Der erste Zellkultur-Impfstoff ist im vergangenen Jahr für Deutschland zugelassen worden. »Der Impfstoff ist weder effektiver noch verträglicher als die konventionellen Impfstoffe. Gerade in einer Pandemiesituation ist aber eine schnellere und effizientere Impfstoffproduktion möglich«, erklärte Weinke. »Auch Patienten mit Hühnereiweiß-Allergie können sich mit diesem Impfstoff vor Grippe schützen«, fügte der Mediziner einen weiteren Vorteil hinzu.

 

Für die spezifische Therapie der Influenza stehen zwei Substanzklassen zur Verfügung, die innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden zum Einsatz kommen müssen. Der M2-Membranprotein-Blocker  Amantadin verhindert das Eindringen des Virus in den Zellkern. Die Substanz ist aber nur gegen Influenza-A-Viren wirksam und führt sehr schnell zu Resistenzentwicklung, sodass sie heute keine große Rolle mehr spielt. Anders die gegen Influenza-A- und Influenza-B-Viren wirksamen Neuraminidasehemmer Oseltamivir und Zanamivir: Sie verhindern, dass die neugebildeten Viren die befallenen Zellen wieder verlassen können. Zanamivir ist bei Kindern ab fünf Jahren, Oseltamivir bereits ab einem Jahr zugelassen. Resistenzen treten seltener auf als bei Amantadin. Allerdings, so Weinke, ist ein Teil der Influenza-A-Viren der diesjährigen Grippewelle gegen Oseltamivir bereits resistent. Dies meldet das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) nach einer Analyse von 755 Virusisolaten aus 19 europäischen Ländern. Jede fünfte Probe war resistent gegen den Neuraminidase-Hemmer.

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