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Stada-Übernahme

Der Deal ist perfekt

07.02.2018
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Von Cornelia Dölger, Frankfurt am Main / Die Aktionäre der Stada AG gewähren den Investoren Bain und Cinven Zugriff auf die Unternehmensfinanzen. Nun können die beiden Großeigner die 5,3 Milliarden Euro teure Übernahme finanzieren.

Nach hitziger Diskussion stimmten die Anteilseigner vergangene Woche in Frankfurt für den sogenannten Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag, auf den sich Stada und die neuen Besitzer zuvor verständigt hatten. Dass die Investoren die für den Vertrag nötige Hürde von 75 Prozent der Stimmrechte überhaupt nehmen würden, schien im Congress-Center der Messe Frankfurt zwischenzeitlich fraglich, denn die Aktionäre gingen mit Stada hart ins Gericht. Besonders die häufigen Chefwechsel und die internen Querelen bei dem MDax-Konzern wurden kritisiert. »Ein Aufsichtsrat folgt auf den nächsten«, hieß es etwa von einem aufgebrachten Kleinaktionär.

 

Tatsächlich war das Unternehmen zuletzt vor allem durch einen personellen Schlingerkurs aufgefallen. Auf den langjährigen Konzernchef Hartmut Retzlaff folgte 2016 Matthias Wiedenfels, dann Engelbert Tjeenk Willink und schließlich der vormalige Ratiopharm- und Actavis-Chef Claudio Albrecht. Und nun steht erneut ein Personalwechsel in der Konzernspitze an: Zum 1. September werde Albrecht seinen Platz räumen, teilte Stada mit. Nachfolger wird Peter Goldschmidt, der bislang zuständig ist für das USA-Geschäft der Novartis-Tochter Sandoz. Goldschmidts Vertrag läuft bis August 2021.

 

Neben dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag wurde in Frankfurt gebilligt, dass Aktionäre, die das Angebot nicht annehmen, eine jährliche Ausgleichszahlung von 3,82 Euro je Anteil erhalten. Stada-Papiere notierten jüngst bei 87 Euro, weshalb einigen Aktionären das Angebot von 74,40 Euro zu niedrig erschien. »Da ist noch viel Luft nach oben. Die Stada-Aktie wird noch dreistellig werden«, prognostizierte ein kritischer Kleinaktionär. Das aktuelle Angebot sei »nichts als Betrug«.

 

An der Börse war spekuliert worden, der US-Investor Paul Singer mit seinem Hedgefonds Elliott könnte für seine Zustimmung zu dem Vertrag Nachforderungen stellen. Singer hielt zuletzt rund 15 Prozent der Stada-Anteile und hatte Bain und Cinven schon eine Mindestabfindung abgerungen. Nun stellte er sich offenbar nicht quer.

 

Der scheidende Vorstandschef Albrech­t hatte auf der Hauptversammlung vehement um Zustimmung für den Vertrag geworben. Nur mit einem solchen Regelwerk sei es Stada möglich, die Aktivitäten künftig zu steuern und zu koordinieren, sagte er. Zudem vereinfache der Vertrag den Austausch von Know-how und geschäftlichen Informationen und biete steuerliche Vorteile für die Unternehmensgruppe. /

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