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Registrierungsaktion

Studenten suchen Stammzellspender

08.02.2016  14:05 Uhr

Von Christina Müller / Alle 16 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Nur etwa ein Drittel der Betroffenen findet einen Stammzellspender innerhalb der eigenen Familie, der Großteil ist auf Fremde angewiesen. Pharmaziestudenten in Berlin haben ein paar neue Freiwillige dazugewinnen können.

Obwohl bereits rund 6 Millionen Menschen weltweit als Stammzellspender registriert sind, sucht etwa jeder fünfte Blutkrebspatient vergeblich nach einem geeigneten Pendant. Denn mit genetischen Zwillingen verhält es sich wie mit Nadeln im Heuhaufen – sie sind schwer zu finden. Die Fachschaft Pharmazie der Freien Universität Berlin startete daher eine Registrierungsak- tion für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS).

 

Unter dem Motto »Kennst du das, wenn alles von einem Ergebnis abhängt? Viele Blutkrebspatienten auch« informierten die Studierenden über Blutkrebs und riefen ihre Kommilitonen, Dozenten und alle anderen Inte-ressierten auf, sich für die Datei regis-trieren zu lassen. Das Verfahren ist denkbar einfach: Etwa eine Minute lang wird die Innenseite der Wange mit einem Wattestäbchen abgeschabt. Anschließend wertet ein Labor die Gewebemerkmale aus und stellt die Ergebnisse anonym für den weltweiten Patientensuchlauf zur Verfügung.

 

Damit ein Freiwilliger als Spender für einen Erkrankten infrage kommt, müssen die Humanen Leukozytenantigene (HLA) von Spender und Empfänger weitestgehend übereinstimmen. HLA-Merkmale sind Strukturen auf der Oberfläche der Zellen, anhand derer das Immunsystem zwischen körper- eigenem und körperfremdem Gewebe unterscheidet.

 

Billionen von Varianten

 

Die Gene der fünf wichtigsten HLA-Merkmale liegen alle auf demselben Chromosom und werden daher haploid an die Nachkommen weitergegeben. Jeder Mensch erbt von Mutter und Vater jeweils einen HLA-Haplotypen. Demnach muss ein optimaler Spender in zehn HLA-Werten mit dem Empfänger übereinstimmen. Da jedoch von jedem dieser Merkmale bis zu 100 verschiedene Allele bekannt sind, ergeben sich theoretisch Billionen von Kombinationsmöglichkeiten. Die Blutgruppen sind dagegen laut DKMS unerheblich: Mit der Stammzellspende übernimmt der Empfänger die Blutgruppe des Spenders.

 

Bei der Aktion der Fachschaft ließen sich 65 Menschen neu registrieren. Statistisch werden drei von ihnen in den nächsten zehn Jahren tatsächlich als Stammzellspender für einen Blutkrebspatienten infrage kommen. Das entspricht einer Quote von 5 Prozent. Die Studierenden planen bereits weitere Aktionen – dann in größerem Rahmen, um noch mehr Menschen erreichen zu können.

 

Grundsätzlich kann sich jeder im Alter zwischen 17 und 55 Jahren für die Spenderdatei anmelden. Ausgenommen sind jedoch vor allem chronisch kranke Menschen. Zu den Ausschlusskriterien zählen etwa Krebs- und Sucht-erkrankungen, schwere Stoffwechselstörungen, systemische Autoimmun-erkrankungen, ein Körpergewicht von weniger als 50 kg sowie starkes Übergewicht ab einem Body-Mass-Index von 40.

 

Auch wer an Diabetes, Rheuma, schweren Herz-, Lungen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet, darf sich nicht als Spender registrieren lassen. Gemäß der aktuellen Deutschen Standards für die nicht verwandte Blutstammzellspende des Zentralen Knochenmarkspenderregisters Deutschland gelten Homosexuelle seit Dezember 2014 nicht mehr als Risikogruppe und können daher uneingeschränkt am Verfahren teilnehmen. /

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