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Rheumatoide Arthritis

Nicht heilbar, aber behandelbar

28.01.2015  10:15 Uhr

Etwa 1,5 Millionen Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen leben in Deutschland, gut ein Drittel davon leidet an rheumatoider Arthritis. Sie ist zwar nicht heilbar, lässt sich aber in Remission bringen. Zum Einsatz kommen Medikamente aus unterschiedlichen Substanzgruppen und die Palette an Präparaten wird schon bald weiter wachsen.

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist nicht allein eine Erkrankung der Gelenke, sondern des gesamten Körpers. Darauf verwies Professor Dr. Ulf Müller-Ladner aus Bad Nauheim. Unbehandelt sei die Erkrankung mit einer deutlichen Minderung der Lebenserwartung – vergleichbar mit einem schweren Diabetes mellitus – verbunden. Der Mediziner informierte, dass mit der Behandlung einer RA zum Beispiel auch das Herz-Kreislauf-Risiko der Patienten gesenkt werden kann. Aber nicht nur das: Mithilfe von Medikamenten lasse sich die RA in Remission bringen. Sogar der vollständige Verzicht auf Medikamente sei nach einigen Therapiejahren unter Umständen möglich.

 

Erreichbar sei das aber nur, wenn die Erkrankung schnell diagnostiziert und behandelt wird. Wichtig seien auch das Festlegen von Therapiezielen, der frühe Einsatz der unterschiedlichen Therapieoptionen und eine kontinuierliche (lebenslange) Überwachung. Müller-Ladner betonte ferner den Nutzen eines Rauchverzichts. Nichtraucher mit RA benötigten im Normalfall weniger Medikamente und litten seltener unter Nebenwirkungen der Therapie.

 

Biologika bald als Monotherapie?

 

Bei vielen RA-Patienten wird ein Glucocorticoid in niedriger Dosierung eingesetzt. Zu den intrazellulär angreifenden Substanzen zählen Methotrexat (MTX) und Leflunomid. »Überaktive Zellen sollen in ihrer Funktion gehemmt und damit die Entzündung gedrosselt werden«, erklärte Müller-Ladner. Während MTX den Folsäure-Stoffwechsel von Immunzellen hemmt, greift Leflunomid in deren Pyrimidin-Stoffwechsel ein und blockiert so die Zellproliferation. Rituximab und Abatacept dagegen haben einen zellulären Angriffspunkt. Rituximab ist ein gegen B-Zellen gerichteter Anti-CD20-Antikörper und wirkt damit direkt zellhemmend, das Fusionsprotein Abatacept unterbricht dagegen ein kostimulatorisches Signal.

 

Die größte Gruppe der auf extrazellulärer Ebene wirkenden Arzneistoffe sind die TNF-α-Hemmer Infliximab, Adalimumab, Golimumab, Etanercept und Certolizumab Pegol. TNF-α treibt Entzündungsprozesse voran und ist bei RA-Patienten überexprimiert. »In ihrer Wirkung sind die zum Einsatz kommenden TNF-α-Hemmer alle mehr oder weniger gleich«, so Müller-Ladner. Bisher werden sie in der Regel mit anderen Medikamenten kombiniert. Der Mediziner zeigte sich erfreut, dass mittlerweile auch verstärkt über eine Biologika-Monotherapie gesprochen werde und es Bestrebungen gebe, für diese eine Zulassung zu erhalten.

 

Müller-Ladner ging auch auf mögliche Risiken von Biologika ein. Mittlerweile habe man langjährige Erfahrungen mit dem Einsatz dieser Substanzen in der Rheumatologie gesammelt und könne sie guten Gewissens einsetzen. Nur in extrem seltenen Fällen komme es bei der Anwendung von TNF-α-Hemmern zur Entwicklung eines Lymphoms. Da­rauf und auf mögliche Hautveränderungen sollten Ärzte bei ihren Patienten besonders achten. Komplette Entwarnung könne für die mögliche Entstehung solider Tumoren gegeben werden.

 

Biosimilars in Sicht

 

Die Palette an Therapiemöglichkeiten bei RA wird noch weiter wachsen: So werde in vier bis sechs Wochen erstmals ein Biosimilar für den Einsatz in der Rheumatologie auf den deutschen Markt kommen. Es handle sich um ein Infliximab-Biosimilar in Konkurrenz zum Originalpräparat Remicade® von MSD. Die Infliximab-Biosimilars Remsima® von Celltrion Healthcare und Inflectra® von Hospira haben bereits 2013 eine EU-Zulassung erhalten, sind allerdings in Deutschland noch nicht auf dem Markt. Müller-Ladner geht davon aus, dass über kurz oder lang auch andere Biosimilars, etwa von Adalimumab oder Etanercept, in den Handel kommen werden.

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