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Gesundheitscoaching per Telefon

Heilende Anrufe

28.01.2014
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Von Yuki Schubert, Berlin / Der Telefonanruf von einem Gesundheitstrainer ist für chronisch Kranke eine Stütze, um ihr Leben gesünder zu gestalten. Darüber hinaus werden vor allem Krankenhauskosten gespart. Zu diesem Ergebnis kommen zwei voneinander unabhängige Studien der Freien Universität Berlin und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Die Techniker Krankenkasse (TK) hatte die beiden wissenschaftlichen Einrichtungen beauftragt, das von ihr initiierte Projekt Gesundheitscoaching auf Effektivität zu testen. Hinter dem Projekt stecke die Idee, Patienten zu helfen, mit ihrer Krankheit besser umzugehen und damit die Arbeit der Ärzte zu ergänzen, sagte der TK-Vorstandsvor­sitzende Jens Baas vergangene Woche in Berlin.

Dafür habe die Kasse seit 2008 gezielt Diabetiker, Herzkranke und Blut­hochdruck-Patienten kontaktiert, denen aufgrund ihrer Erkrankung ein Klinik­aufenthalt drohte. Rund 35 000 Versicherten haben sich laut Baas am Coaching-Projekt über mehrere Monate hinweg beteiligt. Dabei riefen Gesundheitstrainer alle zwei Wochen bei den Patienten an und sprachen mit ihnen in der Regel eine halbe Stunde lang über die Themen Bewegung, Ernährung, Ein­nahme von Medikamenten sowie Selbstmanagement. Die Patienten hätten dabei gemeinsam mit den Coaches individuelle Ziele vereinbart, sagte Baas.

 

Die beiden Studien stellten die Coachingteilnehmer einer Kontrollgruppe gegenüber. Dabei prüfte die Berliner Studie, wie die Patienten selbst ihren Gesundheitszustand einschätzten. Vorwiegend Männer im Alter von 66 Jahren nahmen teil, die im Mittel 5 Monate Coaching durchliefen.

 

Das Ergebnis sei durchweg positiv, wobei vor allem Patienten mit koro­naren Herzkrankheiten mehr Zufriedenheit mit ihrem Gesundheitszustand zeigten als Patienten ohne Coaching, sagte Studienleiterin Babette Renneberg, Professorin für klinische Psychologie und Psychotherapie. Allerdings hätten sich die Ergebnisse von Coaching- und Kontrollgruppe einige Zeit nach dem Ende des Telefontrainings angeglichen. Unklar sei daher noch, wie sichergestellt werden könne, dass das Coaching nachhaltig wirkt.

 

Weniger Kosten

 

Mit der Frage der Kostenersparnis beschäftigte sich das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Professor Hans-Helmut König, Direktor des Instituts für Medizinische Soziologie, Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie, errechnete Einsparungen für die Kasse von 90 Euro pro Patient durch das Coaching. Das Projekt müsse allerdings noch länger laufen, um größere Effekte zu sehen. »Deshalb ist eine weitere Evalutation nach zwei Jahren geplant«, sagte König.

 

Für ihr Projekt hat die TK nach eigenen Angaben 16 Trainer engagiert, die sich pro Jahr um gut 5000 Patienten kümmern. Rund 1 Million Euro gibt die Kasse dafür im Jahr aus. /

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