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Hepatitis C

Neue Therapiemöglichkeiten erwartet

01.02.2011
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Von Maria Pues / Vor zwanzig Jahren hieß sie Hepatitis-non-A-non-B. Inzwischen weiß man mehr über die Infektionskrankheit Hepatitis C. Die Therapiemöglichkeiten sind entwicklungsfähig. Diese Entwicklung macht aber Fortschritte.

Die Leber ist das größte Organ im menschlichen Organismus, und sie arbeitet im Stillen. Selbst wenn es ihr nicht gut geht, spürt man sie in den meisten Fällen nicht. Das gilt auch, wenn Hepatitis-C-Viren (HCV) eine Entzündung der Leber verursacht haben. Viele akute Infektionen verlaufen vergleichsweise symptomlos, oder es zeigen sich unspezifische Symptome, die die Patienten oft fälschlicherweise als Grippe interpretieren. Auch der typische Ikterus, der sich bei vielen Lebererkrankungen zeigt, tritt bei einer Hepatitis C häufig nicht auf.

Mindestens die Hälfte bis etwa 85 Prozent der Patienten entwickelt eine chronische Hepatitis. Definitionsgemäß spricht man davon, wenn der Befund länger als sechs Monate besteht. Auch hier zeigen sich häufig eher unspezifische Symptome. Die Patienten klagen meist über eine Leistungsminderung, über Müdigkeit, fehlenden Appetit und wiederkehrende Durchfälle. Die Leber zeigt sich druckschmerzempfindlich, auch Gelenkschmerzen können auftreten. Je nach immunologischer Aktivität kann es zudem zu starken – auch leberfernen – Beschwerden kommen, zum Beispiel Entzündungen der Nieren oder der Schilddrüse. Besonders heimtückisch: Bis zu 30 Prozent der Betroffenen entwickeln nach 20 bis 30 Jahren eine Leberzirrhose. In deren Verlauf entwickeln ein bis drei Prozent der Patienten ein primäres Leberzellkarzinom (HCC). Umkehrt leiden 60 Prozent der HCC-Patienten auch an einer HCV.

 

Entdeckt wird eine Hepatitis C zuweilen durch Zufall, zum Beispiel bei Untersuchungen, um der Ursache erhöhter Leber- oder anderer auffälliger Blutwerte auf die Spur zu kommen. Einen ersten Hinweis kann die Anwesenheit von Antikörpern geben. Allerdings sind sie erst nach rund drei bis sechs Monaten nachweisbar und sagen nichts über eine aktuelle Infektion aus. Der Nachweis ist auch positiv, wenn der Patient irgendwann einmal eine HCV-Infektion durchgemacht hat. Und er kann auch negativ sein: zum Beispiel bei immunkompromittierten Patienten sowie bei HIV- und Dialysepatienten. Daher muss im Anschluss ein Erregernachweis durchgeführt werden. Dafür ist eine Vermehrung der Virus-RNA per Polymerasekettenreaktion erforderlich. Viruslast und Genotyp des Erregers spielen außerdem eine Rolle für die Therapie.

 

Therapie der Gegenwart

 

Für die Behandlung der akuten Hepatitis C steht derzeit pegyliertes Interferon-α zur Verfügung (Pegasys®, PegIntron®), das als einmal wöchentlich subkutan applizierte Monotherapie über 24 Wochen gegeben wird. Zur Behandlung einer chronischen Hepatitis C wird es ebenfalls wöchentlich, jedoch in Kombination mit täglicher Gabe des Nukleosidanalogons Ribavirin (Copegus®, Rebetol®) je nach Genotyp des Erregers über 24 Wochen (Genotyp 2 und 3) oder über 48 Wochen (Genotyp 1, 4, 5 und 6) gegeben. Von den Patienten verlangt die Therapie große Disziplin. Der Erfolg hängt in hohem Maße von der regelmäßigen Anwendung der Arzneimittel ab, die zudem mit einigen Nebenwirkungen verbunden ist.

Einfluss einer genetischen Variation auf Krankheitsverlauf und Therapieansprechen

Genotyp rs12979860
Chromosom 19
spontane HCV-Clearance dauerhaftes Ansprechen einer antiviralen Therapie
C/C 51,8 - 53,0% circa 55 - 80%
C/T 27,8 - 33,0% circa 20 - 40%
T/T 20,8 - 31,4% circa 20 - 35%

Nicht nur der Genotyp des Virus, sondern auch eine genetische Variation beim Patienten erlaubt Voraussagen hinsichtlich des Krankheitsverlaufs und des Ansprechens auf eine Behandlung mit Peg-Interferon-α. Dabei handelt es sich um einen T/C-Dimorphismus in der Nähe einer Genregion, die für das humane Interleukin 28B codiert. Dabei zeigte sich, dass HCV-Patienten mit dem IL28B-CC-Genotyp eine doppelt so hohe spontane Ausheilung aufwiesen wie Patienten mit dem TT-Genotyp (Tabelle). Sie zeigten zudem ein doppelt so hohes dauerhaftes Ansprechen auf eine antivirale Therapie als Träger der TT-Variante.

 

Therapie der Zukunft

 

Experten erwarten im Verlauf dieses Jahres verschiedene Innovationen. Dies lässt vor allem jene Patienten hoffen, die bislang durch die therapeutischen Möglichkeiten nur geringe Heilungschancen ausrechnen konnten: Infizierte mit HCV-Viren der Genotypen 1 und 4 sowie Träger der T/T-Variante. So haben FDA und EMA einem beschleunigten Zulassungsverfahren des Proteaseinhibitors Boceprevir (MSD) zugestimmt. Dieser soll in Kombination mit einer Standardtherapie bei Patienten mit kompensierter Lebererkrankung zum Einsatz kommen, die mit HCV-Genotyp 1 infiziert sind. Der Einsatz soll sowohl bei therapienaiven Patienten als auch bei bereits vorangegangenem erfolglosem Therapieversuch möglich sein. Telaprevir heißt ein Proteaseinhibitor des Mitbewerbers Gilead. Gegenstand weiterer Forschung ist ferner ein RNA-Fragment auf dem Virus-Genom namens NS5A. Dieses wird mit der viralen Resistenzentwicklung in Zusammenhang gebracht. Könnte man es ausschalten, würde dies die Wirksamkeit bereits vorhandener Therapien erhöhen. / 

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