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Doppelt wirksame Tuberkulose-Vakzine

01.02.2011
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PZ / Dänische Forscher haben einen neuen Impfstoff gegen Tuberkulose (Tb) entwickelt, der sowohl gegen eine schwere Erstinfektion schützt, als auch bei bereits Infizierten wirkt. In Tierversuchen konnte die Impfung eine Reaktivierung des Erregers nach einer Infektion verhindern. Dies berichten Forscher um Peter Andersen vom Statens Serum Institut in Kopenhagen im Fachjournal »Nature Medicine« (doi: 10.1038/nm.2285).

Die derzeit einzige verfügbare Tb-Vakzine, die bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts eingesetzte BCG-Vakzine, hat einen entscheidenden Nachteil: Sie schützt vor einer schweren Erkrankung bei einer Erstinfektion, sie kann aber weder die Infektion selbst, noch einen Ausbruch der Erkrankung zu einem späteren Zeitpunkt verhindern. Bei etwa 90 Prozent der Infizierten setzt sich der Tb-Erreger Mycobakterium tuberculosis im Körper fest und verbleibt dort unbemerkt. Bei etwa 10 Prozent dieser latent Infizierten wird der Erreger nach Jahren oder Jahrzehnten reaktiviert und verursacht eine akute Lungenerkrankung. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mit dem Erreger infiziert.

 

Um bei latenten Infektionen eine Reaktivierung zu verhindern, haben Andersen und sein Team eine spezielle Vakzine entwickelt, die mehrere Antigene enthält: Dies ist neben zwei Antigenen, die der Erreger in der frühen Phase der Infektion produziert, das Protein Rv2660c, das in der Latenzphase gebildet wird. Eine Impfung mit diesem Impfstoff konnte in mehreren Mausmodellen eine Erkrankung bei Erstinfektion verhindern. Zudem schützte sie vor einer Reaktivierung in der latenten Phase. Ob die Ergebnisse auf Menschen zu übertragen sind, ist noch unklar. Die Forscher werden in Kürze mit eine Phase-1-Studie beginnen, um dies zu testen. /

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