Pharmazeutische Zeitung online
Ausländische Abschlüsse

HV-Tisch international

22.01.2014  12:01 Uhr

Von Anna Hohle / Apothekenbesitzer klagen über Bewerber­mangel und Probleme bei der Suche nach einem Nachfolger. Viele sehen sich deshalb auch nach Pharmazeuten aus dem Ausland um. Keine schlechte Idee, denn die Anerkennung ausländischer Abschlüsse wird hierzulande immer leichter.

Im neunten Semester traf Inés Zapater eine Entscheidung. Die junge Spanierin hatte ihr Pharmaziestudium an der Universität in Salamanca fast abgeschlossen, nur ein halbjähriges Praktikum fehlte noch. Doch Zapater entschied sich nicht für einen Platz in Spanien, sondern bewarb sich bei einer Krankenhausapotheke in Köln. »Ich hatte bereits etwas Deutsch gelernt und habe das als Chance gesehen«, erzählt sie heute. Sie wagte den Sprung ins kalte Wasser und zog an den Rhein.

 

Ein guter Entschluss, wie die 23-Jährige heute sagt. Denn nicht nur hatte sie in Köln nette und geduldige Kollegen, die ihr bei der Eingewöhnung halfen. Sie fand nach dem Praktikum auch schnell eine feste Stelle in einer Kölner Apotheke. Davor stand allerdings die Anerkennung der Approbation durch deutsche Behörden. Zapater musste dafür einen ganzen Stapel Zeugnisse und persönliche Dokumente übersetzen lassen und eine Deutsch­prüfung zu pharmazeutischen Begriffen ablegen. Viel Arbeit, aber für die junge Apothekerin hat es sich gelohnt: Ihre jetzigen Arbeitsbedingungen seien mit denen in Spanien nicht zu vergleichen, erzählt sie. »Hier kann man ohne Probleme eine gute Stelle finden und die Gehälter sind höher. Der deutsche Arbeitsmarkt bietet einfach bessere Chancen, nicht nur für junge Leute.«

 

Zapaters Berufsweg ist nicht die einzige Erfolgsgeschichte dieser Art. Seit im April 2012 das von der Bundes­regierung beschlossene Anerkennungsgesetz in Kraft getreten ist, können Pharmazeuten mit ausländischen Berufsabschlüssen deutlich leichter eine Approbation in Deutschland erlangen als zuvor. Die Regierung hatte das Gesetz unter anderem beschlossen, um dem Fachkräftemangel in den Heil- und Pflegeberufen entgegenzuwirken.

 

Bis 2012 konnten die Mitarbeiter der zuständigen deutschen Behörden selbst entscheiden, ob sie einem ausländischen Pharmazeuten eine Approbation oder lediglich eine vorübergehende Berufserlaubnis ausstellen. Oftmals entschieden sie sich für die Erlaubnis, da sie an bestimmte Auflagen geknüpft werden konnte und ihnen Zeit ließ, eine mögliche Approbation genauer zu prüfen.

 

Das Anerkennungsgesetz legte dann jedoch fest, dass grundsätzlich jeder ausländische Pharmazeut eine Approbation in Deutschland beantragen kann. EU-Bürgern lediglich Berufserlaubnisse zu erteilen, wurde im Gesetz sogar ausdrücklich untersagt. Mit der Folge, dass sich nun deutlich mehr Pharmazeuten aus dem Ausland um eine deutsche Approbation bemühen.

 

Insbesondere in den südlichen Bundesländern ist seit der Änderung ein deutlicher Anstieg der Anträge zu erkennen. Wurden etwa in Baden-Württemberg 2008 noch 35 Berufserlaubnisse und neun Approbationen an Pharmazeuten mit nicht deutschem Abschluss vergeben, waren es 2012 bereits 46 Approbationen, aber nur noch 18 Berufserlaubnisse. Ähnlich sieht die Entwicklung in Bayern aus, auch hier stiegen die Antragszahlen seit 2012 deutlich an. Die ostdeutschen Bundesländer scheinen dagegen weniger attraktiv für ausländische Apotheker zu sein: Die Bewerberzahlen bewegen sich dort seit Jahren fast immer im einstelligen Bereich.

 

Europäer im Vorteil

 

Der Weg zur deutschen Approbation ist für ausländische Pharmazeuten also grundsätzlich leichter geworden. Wie unkompliziert er sich gestaltet, hängt jedoch nach wie vor stark davon ab, in welchem Teil der Welt die Bewerber ihren Abschluss erworben haben. Europäer sind hier klar im Vorteil.

Apotheker aus dem europäischen Wirtschaftsraum (EWR) müssen lediglich eine fünfjährige pharmazeutische Ausbildung an einer Universität, ein sechsmonatiges Praktikum in Apotheke oder Krankenhaus sowie deutsche Sprachkenntnisse nachweisen. Der Stichtag für diese Form der Anerkennung ist in der Bundesapotheker­ordnung für jedes Land gesondert festgelegt. Für Spanien ist es der 1. Oktober 1987. Da Inés Zapater ihr Studium lange nach diesem Datum aufgenommen hatte, bekam sie die deutsche Approbation recht zügig.

 

Und auch ältere Pharmazeuten aus dem EWR haben gute Chancen, ihren Abschluss schnell anerkennen zu lassen. Wer seine Ausbildung vor dem festgesetzten Stichtag begonnen hat, benötigt lediglich eine Bescheinigung darüber, dass er während der letzten fünf Jahre mindestens drei Jahre lang ununterbrochen eine pharmazeutische Tätigkeit ausgeübt hat.

 

Prüfungen und Praktika

 

Für Pharmazeuten aus Nicht-EU-Staaten, sogenannten Drittländern, ist der Weg zur deutschen Approbation mitunter etwas steiniger. Sie müssen nicht nur belegen, dass sie in den vergangenen fünf Jahren drei Jahre lang pharmazeutisch tätig waren. Zusätzlich müssen sie die Gleichwertigkeit ihres Abschlusses nachweisen und dafür je nach Einzelfall bestimmte Auflagen erfüllen, etwa fachliche Prüfungen ablegen oder Praktika absolvieren.

 

Dasselbe gilt für Personen, die zwar im europäischen Wirtschaftsraum ausgebildet wurden, ihren Abschluss jedoch zu einer Zeit erworben haben, als der jeweilige Staat nicht der EU, sondern einem anderen Hoheitsgebiet angehörte. Das betrifft etwa die baltischen Staaten, die vormals zur Sowjetunion gehörten oder Tschechien, ehemals Teil der Tschechoslowakei. Auch diese Bewerber müssen zunächst die Gleichwertigkeit ihres Abschlusses nachweisen und gegebenenfalls eine Zusatzausbildung absolvieren.

 

Den komplizierten Weg der Anerkennung hat auch Pouye Imani durchlaufen. Die heute 43-jährige Apothekerin hatte ihren Abschluss 1997 an der Freien Universität Teheran im Iran erworben. Als ihr Mann ein Promotions-Stipendium an der Universität Göttingen bekam, zog das Paar nach Deutschland. Für Apothekerin Imani gestaltete sich der Berufsstart in Deutschland jedoch schwieriger als erwartet. Was nicht an der Apothekerkammer Niedersachsen lag, wie sie betont. »Dort hat man mich sehr gut beraten.« Imani legte eine Fachprüfung ab und absolvierte ein einjähriges Praktikum in einer Apotheke.

 

Zusätzlich benötigte die Apothekerin jedoch eine sogenannte Aufenthalts­erlaubnis zu Arbeitszwecken durch das Land Niedersachsen. Das Dokument zu beschaffen, dauerte insgesamt zwei Jahre – auch, weil Imani sämtliche Informationen mühsam selbst recherchieren musste und hier Unterstützung durch die Behörden ihres Wohnortes vermisste. Erst nach einer Änderung ihres Visumstatus erhielt die Pharmazeutin die Erlaubnis und fand anschließend rasch eine Arbeit über den Stellenmarkt der niedersächsischen Apothekerkammer. Seit 2008 arbeitet Imani nun in einer Göttinger Apotheke und fühlt sich dort nach eigener Aussage »sehr wohl«.

 

Obwohl die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen grundsätzlich leichter wird, müssen insbesondere Pharmazeuten aus Drittstaaten also nach wie vor einige Hürden auf dem Weg zur deutschen Approbation meistern. Für EU-Bürger dagegen soll es künftig sogar noch einfacher werden, ihre Berufsabschlüsse in anderen Mitgliedsstaaten anerkennen zu lassen: Am 15. November 2013 stimmte der Rat der Europäischen Union einer Änderung der sogenannten Berufsqualifikationsrichtlinie zu, durch die Bewerber künftig unter anderem bereits bei der Behörde ihres Heimatlandes die Anerkennung im Zielland beantragen können. Noch steht allerdings nicht fest, ob auch Apotheker in den Genuss dieses zügigen Verfahrens kommen werden.

 

In jedem Fall sieht die aktualisierte Richtlinie aber vor, dass Apotheker, die ihren Beruf seit mindestens drei Jahren rechtmäßig in einem EU-Staat ausüben, in diesem Land auch eigene Apotheken gründen dürfen. Bislang durften ausländische Apotheker in Deutschland überhaupt keine Apotheken gründen und auch nur jene übernehmen, die seit mindestens drei Jahren bestehen. Deutschland hat nun zwei Jahre Zeit, die eigenen Gesetze diesem neuen EU-Recht anzupassen.

 

Mehr Beratungsangebote

 

Und auch für Bewerber aus Drittstaaten gibt es Hoffnung. Zumindest können sie von einer wachsenden Zahl von Beratungsangeboten profitieren, die Hilfe im Dickicht des Aufenthaltsrechts bieten und Antragsteller notfalls auch bei Behördengängen begleiten. Seit 2011 gibt es etwa das Förderprogramm Integration durch Qualifizierung. Auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge berät zu arbeits- und aufenthaltsrechtlichen Fragen.

 

Bei der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände begrüßt man Initiativen, die die Anerkennung ausländischer Pharmazieabschlüsse erleichtern. Schließlich liegt eine bessere und schnellere Anerkennung dieser Abschlüsse auch im Interesse der Apothekerschaft. »Gerade in ländlichen Regionen werden oft händeringend gut ausgebildete Apotheker gesucht«, sagt Berit Winter, die bei der ABDA das Referat Fortbildung betreut. Hier hätten auch ausländische Bewerber gute Chancen auf einen Arbeitsplatz.

 

Notwendig seien aber stets eine optimale Qualifikation der Bewerber sowie gute Sprachkenntnisse auch von Fachbegriffen. Denn ganz egal, wo der Apotheker studiert hat: »Für die Patienten ist eine gute und verständliche Beratung unerlässlich.« /

Mehr von Avoxa