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Typ-2-Diabetes

Argumente für Start mit Metformin

22.01.2013  17:51 Uhr

Von Sven Siebenand / Typ-2-Diabetiker erleiden unter Metformin deutlich seltener einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als unter Therapie mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Pressemit­teilung hin. Die Fachgesellschaft bezieht sich auf eine Arbeit aus den USA, die in »Annals of Internal Medicine« (2012; 157(9), Seiten 601-610) publiziert wurde.

 

Das Team um Marie Griffin vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville/Tennessee hatte dafür die Krankenakte von insgesamt mehr als 250 000 US-Veteranen ausgewertet. Bei allen Patienten war ein Typ-2- Diabetes neu diagnostiziert worden. Alle waren zunächst mit Metformin oder einem Sulfonylharnstoff behandelt worden.

Die Auswertung zeigte: Unter der Therapie mit den Sulfonylharnstoffen Glibenclamid und Glipizid ereigneten sich 21 Prozent mehr Todesfälle oder Krankenhausbehandlungen wegen Herzinfarkt oder Schlaganfall als unter Metformin. »Das erhöhte Risiko war für beide Sulfonylharnstoffe nachweisbar, sodass es sich eher um ein Risiko handeln dürfte, das die Wirkstoffklasse insgesamt und nicht einzelne Wirkstoffe betrifft«, erklärt der Pressesprecher der DDG, Professor Dr. Andreas Fritsche aus Tübingen.

 

Die Ursache für die erhöhte Rate von Herzkreislauferkrankungen ist nicht bekannt. Sie könnte mit den Begleitwirkungen der Sulfonylharnstoffe zusammenhängen. So kommt es unter ihrer Therapie häufig zu gefährlichen Unterzuckerungen, was bei Patienten unter der Therapie mit Metformin ausgeschlossen ist. Auch die Auswirkungen auf das Körpergewicht, die Blutfette und den Blutdruck sind bei Metformin günstiger. Aus Sicht der DDG untermauern die Studienergebnisse die Empfehlung, die Therapie des Typ-2-Diabetes nach Möglichkeit immer mit Metformin zu beginnen. Da einige Patienten Metformin nicht vertragen oder aufgrund einer eingeschränkten Nierenfunktion nicht einnehmen dürfen, funktioniert das aber nicht in allen Fällen. »Hier ist eine Therapie mit anderen oralen Antidiabetika oder Insulin sinnvoll, um Spätfolgen des Diabetes an Nerven und Augen zu verhindern«, so Fritsche. /

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