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Spitzweg

Zappenduster ist es

24.01.2012
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Von Ulrike Abel-Wanek / Die weltweit größte Sammlung von Bildern und Zeichnungen Carl Spitzwegs befindet sich im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt. Hier werden zurzeit Exponate aus dem Spätwerk des Künstlers gezeigt: »Nächtliche Sternstunden«

Spitzweg malte rund 100 Nachtbilder, die besten stammen aus seinem Spätwerk ab etwa 1870. Auffällig ist hier ein leuchtendes charakteristisches Blau. Als ausgebildeter Apotheker mit chemisch-technischer Erfahrung konnte er seine Farben selber mischen. Der 1808 geborene Spitzweg begann 1825 zunächst eine Ausbildung in der Königlich-Bayrischen-Hofapotheke in München und schloss 1832 ein Studium der Pharmazie, Botanik und Chemie an der Münchner Universität ab. 1833 machte er jedoch bereits Schluss mit der Apotheker-Laufbahn und widmete sich nur noch der Malerei. Er reiste nach Venedig, Florenz, Rom und Neapel und schon 1833/34 findet man ihn im Kreis Münchner Malerfreunde. Autodidaktisch und unabhängig von der Akademie nahm er seine Ausbildung als Maler selbst in die Hand, wobei er mit den Malerkollegen Eduard Schleich d. Älteren und Bernhard Stange lebenslange Freundschaft schloss. Um 1835 entstehen erste Gemälde. Mit Schleich unternahm Spitzweg über Jahrzehnte zahlreiche Kunstreisen, die ihn nach Oberitalien, nach Wien und Prag, 1851 nach Paris und zur Weltausstellung nach London führten.

Spitzwegs kleinformatige Bilder zeigen das biedermeierliche Kleinbürgertum, kauzige Sonderlinge und Menschen mit ihren Liebhabereien. Berühmte Beispiele sind der »Bücherwurm« und der »Kaktusfreund« – beide Werke gehören zur Sammlung Georg Schäfer. Das Derbe und Gemeine der Menschen findet sich auf Spitzwegs Bildern nicht. So lässt er auch auf seinen Nachtbildern die klassischen metaphorischen Motive von Nachtdarstellungen beiseite: Dramatik, Gefahr und Angst, gewalttätige mythologische Szenen oder die Schreck einflößende Verbindung von Nacht und Tod sind seine Sache nicht. Die Nacht steht für den großen Künstler des kleinen Winkels vielmehr für »stilles Leben« und ist ein Raum der Ruhe. Ständchensänger ziehen durch leere Gassen und die Menschen bleiben am Abend hinter erleuchteten Fenstern im sicheren Haus. Auch den Gaslaternen, und damit den hell erleuchteten Straßen, die ab 1814 in Europa Einzug gehalten hatten, konnte Spitzweg als Motiv nichts abgewinnen. Vielmehr zeigen seine Bilder häufig nur eine einzige, winzige Lichtquelle. Zappenduster ist es hier.

 

Der Kontrast von Spitzwegs Nachtbildern zum »Heute« könnte größer kaum sein. Kein »Höher, Weiter, Schneller«, keine Zeit- und Schlaflosigkeit durch Internet und 24-Stunden-Schichten. Unter dem Motto: »Endlich schlafen« unternimmt die Präsentation deshalb auch eine Exkursion in die Welt des Schlafs und seinen Grundbedingungen. So führt der Rundgang durch die Ausstellung über typische Spitzwegsche Motive wie Nachtwächterszenen, verschwiegene Rendezvous, Theaterszenen, märchenhafte Hexenritte und Mondscheinbilder zu der profanen rituellen und institutionalisierten Seite der Ruhe: zu Schlaflabors in Deutschland und zum heutigen Schlafverhalten.

 

In der Ausstellung stehen die ausgewählten Nachtstücke von Spitzweg Bildern anderen Künstlern aus der Sammlung Georg Schäfer gegenüber. Werke seines Vorbilds Eduard Schleich d. Ä., von Ideenbringern wie Moritz von Schwind oder Begleitern wie Bernhard Stange und Adolf Lier finden sich hier ebenso wie »Starstücke« der Deutschen Romantik von Caspar David Friedrich.

 

Seit 1863 lebte Spitzweg in seiner letzten Münchner Wohnung, Heumarkt 3, unterm Dach, bis zu seinem Tod. In seinen letzten Jahren sparte er das Thema der Nacht aus. Seine eigene Krankheit ab 1883 und seinen Tod durch Folgen eines Schlaganfalls im Jahr 1885 prophezeite er nicht motivisch in seiner Kunst. Sein letztes Bild ist somit kein Nachtbild. Er widmete sich dem Thema Klapperstorch. /

Nächtliche Sternstunden: Carl Spitzweg und Künstler der Sammlung

Museum Georg Schäfer

Brückenstraße 20

97421 Schweinfurt

Di bis So: 10-17 Uhr, Do: 10-21 Uhr

noch bis 19. Februar 2012

www.museumgeorgschaefer.de

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