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Gesetzliche Krankenversicherung

Kassen verstärken Prävention

26.01.2010
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Von Martina Janning, Berlin / Die Krankenkassen haben ihre Angebote zur Vorbeugung und Gesundheitsförderung im Jahr 2008 ausgebaut und engagierten sich vor allem in Kindergärten und Schulen, zeigt ein aktueller Bericht. Für die Zukunft wünschen sich die Kassen mehr politische Unterstützung in Sachen Prävention.

Jeder achte gesetzlich Versicherte hat 2008 von den Kassenangeboten zur Prävention und Gesundheitsförderung profitiert. Insgesamt gaben die Kassen knapp 340 Millionen Euro für Primärprävention aus. Das waren 40 Millionen Euro mehr als im Jahr 2007. Hinzu kamen die Aufwendungen der Kassen für Sekundär- und Tertiärprävention, wie etwa Untersuchungen zur Früherkennung und Vorsoge, ambulante Rehabilitation und Patientenschulungen sowie für medizinische Primärprävention. Zur Letzteren zählen Schutzimpfungen, die im Berichtsjahr 2008 mit rund 1,8 Millionen Euro zu Buche schlugen.

 

Richtwert übertroffen

 

Die Wiedereinführung der nicht-medizinischen Primärprävention in die GKV sei eine Erfolgsgeschichte, urteilte Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund, der den Präventionsbericht im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes erstellte. Mit durchschnittlich 4,83 Euro je Versichertem sei der gesetzlich vorgesehene Richtwert von 2,78 Euro deutlich übertroffen worden, sagte Pick.

Die Angebote der Kassen deckten die gesetzlich vorgesehenen Bereiche Ernährung, Bewegung, Stressmanagement und Suchtmittelkonsum ab und bedienten drei Felder: Die individuelle Prävention mit Kursen und Seminaren für Versicherte, Aktivitäten im jeweiligen Lebensumfeld des Versicherten und die betriebliche Gesundheitsförderung. »Insbesondere Versicherte in schwierigen Lebenslagen haben ein deutlich erhöhtes Krankheitsrisiko, nutzen aber von sich aus seltener Gesundheitsförderungsangebote.

 

Bewegungsangebote für Frauen

 

Deshalb legen die Krankenkassen einen Schwerpunkt auf Gesundheitsförderung im unmittelbaren sozialen Umfeld der Betroffenen«, erklärte Pick. Die Kassen hätten daher die auf das Lebensumfeld der Versicherten ausgerichteten Angebote weiter ausgebaut und im Jahr 2008 mehr als 22 000 Einrichtungen erreicht, 8000 mehr als im Vorjahr. Die Aktivitäten konzentrierten sich vor allem auf Kindertagesstätten und Schulen. Rund die Hälfte der Projekte hatte den Schwerpunkt Bewegung, es folgte Ernährung.

 

Ein Plus verzeichnen die Kassen auch bei individuellen Präventionsangeboten. 2008 zählten sie 2,1 Millionen Kursteilnehmer, das waren 0,2 Millionen mehr als im Jahr 2007. Besonders beliebt waren Bewegungsangebote, vor allem bei Frauen. Sie stellten gut drei Viertel der Kursteilnehmer. Anders bei der betrieblichen Gesundheitsförderung. Mit 64 Prozent erreichten diese überwiegend Männer. Die Gesundheitsförderung im Betrieb legte gegenüber dem Vorjahr ebenfalls zu und erreichte laut Report knapp 4800 Betriebe. Rund 820 000 Beschäftigte nutzten die Angebote, ein Zuwachs um 30 Prozent.

 

Pick bescheinigte den Aktivitäten in den Lebensumfeldern eine deutliche Steigerung der Qualität und machte dafür verstärkte Aktivitäten, konkrete Projektziele und eine Überprüfung der Ergebnisse verantwortlich. Er plädierte dafür, die Prävention in diesem Bereich weiter auszubauen.

 

Von der schwarz-gelben Regierung wünschen sich die Krankenkassen, dass diese die Prävention wie bereits angekündigt weiter stärkt. »Prävention darf weder als Verschiebebahnhof noch als primär medizinische Domäne verstanden werden«, sagte der Vorstand des GKV-Spitzenverbandes Karl-Dieter Voß. Er betonte, dass Prävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei und als Element von Sozial-, Arbeits- und Wirtschaftspolitik sowie von Familien- und Bildungspolitik gesehen werden müsse. /

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