Pharmazeutische Zeitung online
Interview

Die vorhandenen Möglichkeiten nutzen

26.01.2010
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Von Hartmut Morck / Das vergangene Jahr war für die Apotheken bis zum Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Mai von Unsicherheit geprägt. Erst danach konnte wieder geplant werden. Die PZ sprach mit Dr. Detlef Graessner, geschäftsführender Gesellschafter der Pharmatechnik, um zu erfahren, welche Hilfsmittel den Apotheken zur Verfügung stehen.

PZ: Herr Dr. Graessner, das Jahr 2009 hat den Apothekerinnen und Apothekern vom Europäischen Gerichtshof eine Entscheidung beschert, die zumindest mittelfristig den inhabergeführten Apotheken Planungssicherheit gegeben hat. Wie hat sich das Urteil auf die Geschäftsentwicklung in Ihrem Haus ausgewirkt?

Graessner: Wir haben das Thema mit großer Spannung verfolgt und sind sehr froh über die Entscheidung des EuGH. Mit der Entscheidung ist bei den Apothekern auch der Optimismus zurückgekehrt: Es wurde wieder investiert – in die Einrichtung der Apotheke, aber auch in die Beratungsqualität. Das haben wir zum Beispiel durch höhere Umsätze bei den Kommissionierautomaten gemerkt. Viele Apotheken hatten in der Zeit vor dem Urteil in Filialen investiert oder Kooperationen gegründet; auch unterstützt durch die Industrie. Das hat natürlich auch Pharmatechnik bei der Filialsoftware gemerkt. Die Nachfrage hier ist spürbar gestiegen. Allerdings erwarten wir hier auch wieder eine kleine Bereinigung, denn nicht jede Filiale war aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Für mich gilt aber jetzt mehr denn je: Die inhabergeführte Apotheke hat aus meiner Sicht eine tolle Zukunft. Es gibt in Deutschland kaum eine Branche, in der eine so positive Zukunft zu erwarten ist. Kritisch möchte ich anmerken, dass einige Apotheker mehr für ihren Betrieb tun könnten. Sie könnten dazu einfach Teile des großen Angebots nutzen, welches wir ihnen als Software- und Beratungshaus anbieten.

 

PZ: Wie sehen Sie die zukünftigen He­rausforderungen für Ihr Haus als inzwischen einziges familiengeführtes Softwareunternehmen in Deutschland, und was bedeutet das für Ihr Engagement?

 

Graessner: Wir verstehen uns als natürlicher Partner für den Apotheker. Wir sind seit 30 Jahren am Markt. Ich spreche immer noch täglich mit Apothekern und jeder Mitarbeiter in meinem Unternehmen ist auf den Dienstleistungsgedanken eingeschworen. Wir sehen die Herausforderung darin, unserem Kunden stets ein maßgeschneidertes Produkt anbieten zu können, das ihm tagtäglich weiterhilft. Wir entwickeln laufend neue Programme und Dienstleistungen für die unabhängige, selbstständige Apotheke, haben aber auch speziell für Filialkonstellationen vieles in der Pipeline, damit diejenigen, die Filialen haben, diese auch so leiten können, dass sie ein positives Ergebnis erreichen. Bei den Kooperationen erleben wir derzeit Veränderungen, die auch noch nicht abgeschlossen sind: Die Industrie ist nicht mehr in der Lage, Einkaufsvorteile und Werbezuschüsse in bisherigem Umfang zu bezahlen. Die von Pharmatechnik gegründete Kooperation Pharma-Union hat sich deshalb zum Dienstleister weiterentwickelt. Das heißt, wir tun jetzt viel mehr für den Betrieb der Apotheke selbst. Aus meiner Sicht werden viele Kooperationen diese Konsequenz in den nächsten Jahren ziehen müssen.

 

PZ: Wenn Sie von mehr Dienstleistungen sprechen, heißt das doch nichts anderes als dass es nicht mehr ausreicht, als Softwarehaus nur Warenbewirtschaftungsprogramme anzubieten. Wie sieht Ihr Angebot aus, um die Apotheken bei ihren Dienstleistungen zu unterstützen?

 

Graessner: Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Wir haben vor einigen Jahren schon Aktionsmanagementsysteme eingeführt. Das heißt, wir bieten unseren Apotheken an, mit diesen Programmen Aktionen in den Apotheken für die Kunden durchzuführen sowie die Spontanberatung zu ergänzen. Dafür gibt es inzwischen schon fast 60 Module, die jeden Monat thematisch erweitert und aktualisiert werden – von der Cholesterinmessung bis hin zum Diabetikerberatungsprogramm; also alles, was in der Apotheke zur Gesundheitsvorsorge und Therapieoptimierung durchführbar ist und zur Kundenbindung beiträgt. Die Software ist sehr gut ausgefeilt und nimmt den Apotheker vom ersten bis zum letzten Schritt an die Hand. Zum Beispiel können automatisch Prospekte, Werbe- und Dekomaterialien angefordert werden. Es gibt vorgefertigte Einladungsschreiben, Themenflyer, Schulungsmaterialien und sogar Vorschläge, wie etwa Radiowerbung gestaltet werden könnte. Darüber hinaus stützt die Software die Auswahl des geeigneten Warensortimentes sowie die Bestellmengen- und Preiskalkulation. Eine produkt- oder kundenbezogene Erfolgskontrolle ist ebenfalls möglich.

 

PZ: Wie sieht es denn bei den Rabattverträgen aus. Die Kolleginnen und Kollegen beschweren sich ja mit Recht massiv über den Arbeitsaufwand, der mit der Umsetzung der Rabattverträge verbunden ist. Können Sie den Apotheken für diesen Bereich auch elektronische Hilfsmöglichkeiten anbieten?

Graessner: Die Unterstützung der Apotheken beim Thema Rabattverträge haben wir uns einiges kosten lassen. Ein ganzer Reigen von Funktionen ist entstanden, um dem Apothekenpersonal die Unterstützung und Beratung der Patienten in Zeiten der Rabattverträge so komfortabel wie möglich zu machen und andererseits die Risiken für die Apotheke zu begrenzen. Darüber hinaus haben wir einen Rezeptscanner im Angebot, der die Rezepte durch ein neuartiges Verfahren sehr schnell einlesen und sehr viel zuverlässiger erkennen kann als vergleichbare Lösungen. Neben den verordneten Produkten erfasst die Software nach dem Scannen vor allem die Krankenkasse und die Patientendaten. Dadurch kann sofort festgestellt werden, ob Rabattverträge bestehen und auch welches Medikament der Patient gegebenenfalls beim letzten Besuch bereits erhalten hat. Ist die EDV mit einem Kommissionierautomaten gekoppelt, so landet das richtige Medikament sehr schnell am POS. Aber als innovatives Softwarehaus reicht uns das noch nicht und wir denken immer schon ein paar Schritte weiter: So prüfen wir gerade, ob es möglich ist, nicht nur die Dispensierdaten online beim Abrechenzentrum prüfen zu lassen, wie dies mit FiveRX erfolgt, sondern auch die automatisch erkannten Verordnungsinformationen in eine solche Vorabprüfung mit einzubeziehen, um zu klären, ob die geplante Abgabe in Ordnung ist oder eventuell eine Retaxierung droht. Und nachdem mehrere Abrechenzentren sich in der Softwarebranche engagiert haben, ist es sicher nachvollziehbar, dass wir uns als Softwarehaus auch Gedanken über einen Einstieg in diese Thematik machen. Uns geht es dabei immer um die beste Gesamtlösung für unsere Apothekenkunden. Deshalb werden wir im ersten Schritt eine Ausschreibung für die Rezeptabrechnung bei 500 Apotheken machen. Alle Rechenzentren sind eingeladen, sich daran zu beteiligen. Ich könnte mir vorstellen, dass jeder einzelnen Apotheke daraus deutliche Vorteile erwachsen würden.

 

PZ: Herr Dr. Graessner, Sie legen sehr viel Wert auf die Feststellung, das einzige private, also inhabergeführte Softwarehaus in Deutschland zu sein. Rund um Sie herum kommt es zu Fusionen. Wollen Sie eventuell durch Übernahmen auch weiter wachsen?

 

Graessner: Nein! Wir wollen und werden durch eigene Stärke und Leistung wachsen. Wir bleiben bei unseren beiden Produktlinien XT und IXOS und bauen diese weiter aus. Ich bin davon überzeugt, dass die Konzentration auf dem Softwaremarkt für Apotheken weiter voranschreitet. Wir werden aus diesem Prozess gestärkt hervorgehen und vielen Apothekern, die bislang Kunden bei kleineren Softwarehäusern waren, die neue Welt von Pharmatechnik zeigen.

 

PZ: Abschließende Frage: Was erwarten Sie von der Zukunft, von der neuen Regierung und dem neuen Gesundheitsminister? Wie sieht die Zukunft der Apotheken aus Ihrer Sicht aus?

 

Graessner: Ich bin davon überzeugt, dass unter der neuen Regierung eine Stärkung des Mittelstandes stattfinden wird und dass Förderprogramme für den Mittelstand neu aufgelegt werden. Davon können auch die inhabergeführten Apotheken profitieren, wenn sie es denn nutzen. Für die aktiven und selbstständigen Apotheken sehe ich nach dem EuGH-Urteil eine sehr gute Zukunft. Zurücklehnen dürfen sich die Apotheker aber nicht. Sie müssen ihre Rolle aktiv wahrnehmen und auch etwas mehr »unternehmen«. Wir unterstützen sie dabei gerne. /

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