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Teilzeit

Gut für Mitarbeiter und Apotheken

22.01.2008  15:07 Uhr

Teilzeit

Gut für Mitarbeiter und Apotheken

Von Annette Immel-Sehr

 

In der öffentlichen Apotheke arbeiten viele Mitarbeiter in Teilzeit. Ein Grund ist die hohe Frauenquote in den pharmazeutischen Berufen.

 

Für Brigitte Wolf, pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin (PKA) in der Markus-Apotheke im Oberhessischen, endet der Dienst schon um halb zwölf. Dafür beginnt sie früh: Schon eine Stunde bevor die Apotheke öffnet, fängt sie an die Hauptlieferung abzuarbeiten, die der Großhändler in den frühen Morgenstunden gebracht hat. Dann bleibt noch etwas Zeit, Verfalldaten zu kontrollieren oder Direktbestellungen zu erledigen. Den Rest macht ihre Kollegin. Bis ihre beiden Kinder aus der Schule kommen, hat Frau Wolf das Mittagessen gekocht. Der Nachmittag ist dann für Kinder und Haushalt reserviert. Dank ihrer Teilzeitarbeitsstelle gelingt es Brigitte Wolf, Familie und Beruf miteinander zu verbinden.

 

Fast die Hälfte arbeitet Teilzeit

 

Teilzeitarbeitsverhältnisse spielen in der öffentlichen Apotheke ein große Rolle, sagt Dr. Ursula Sellerberg, stellvertretende Pressesprecherin der ABDA ­ Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände. Im Jahr 2006 lag der Anteil bei 46 Prozent. Das wundert nicht, denn Teilzeitarbeitskräfte sind für die Bedürfnisse eines Apothekenbetriebs geradezu ideal. So kann man flexibel auf den Arbeitsanfall reagieren, der typischerweise über die Woche sehr unterschiedlich ist. Der Vorteil: Dringende Arbeiten lassen sich sofort erledigen, Leerzeiten vermeiden. Im nichtpharmazeutischen Bereich können sich die Arbeitszeiten beispielsweise am Bestell- und Lieferrhythmus orientieren. Im Handverkauf lässt sich mit Teilzeitkräften sicherstellen, dass in kundenstarken Zeiten ausreichend Kapazität vorhanden ist. Das ist wichtig, denn zum einen akzeptieren Kunden heute keine langen Wartezeiten mehr, zum anderen darf der eigene pharmazeutische Anspruch auf adäquate Beratung nicht einer Unterbesetzung zum Opfer fallen.

 

Viele Chefs sehen Teilzeitarbeit auch deswegen als Vorteil, weil sie auf diese Weise tüchtige Mitarbeiter für den Betrieb halten können, die beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten wollen oder mehr Zeit für ihre Familie brauchen. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) belegt, dass die Wirtschaft Teilzeitarbeit insgesamt positiv beurteilt.

 

Über alle Branchen und Betriebsgrößen hinweg wird Teilzeit im Hinblick auf die »weichen« Bestimmungsfaktoren der Arbeitszufriedenheit sehr positiv eingeschätzt. So stärkt sie aus Sicht der Betriebe die Motivation der Mitarbeiter, die Bindung an das Unternehmen und ist gut für das Betriebsklima. Auch auf die Produktivität der Mitarbeiter sowie die Fehlzeiten wirkt sich Teilzeitarbeit gegenüber der Vollzeitbeschäftigung vorteilhaft aus.

 

Vormittags oder nachmittags?

 

In der Praxis ist es manchmal ein Problem, dass vor allem die berufstätigen Mütter bevorzugt am Vormittag arbeiten wollen, viele Apotheken aber gerade am späten Nachmittag die höchste Kundenfrequenz haben.

 

Hier empfiehlt sich ein offenes Gespräch mit der Mitarbeiterin, bei der man ihr anhand konkreter Kundenzahlen den über den Tag ungleichen Arbeitsanfall fassbar macht. Keine motivierte Mitarbeiterin wird sich diesem Problem verschließen und so lässt sich meist, auch unter Einbeziehung der Vollzeitkräfte, eine Lösung finden, mit der alle Seiten leben können. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Erfordernisse des Apothekenbetriebs nicht diffus bleiben, sondern klar kommuniziert werden.

 

Um Frustrationen oder Eifersüchteleien zu verhindern, müssen Zuständigkeiten und Aufgaben innerhalb des Teams klar geregelt sein. Es darf weder passieren, dass sich Teilzeitkräfte als unbedeutende und schlecht informierte Hilfskräfte fühlen, noch dass sich Vollzeitkräfte dauernd ärgern, weil die anderen die unangenehmen Arbeiten grundsätzlich nicht bis Dienstschluss geschafft haben. Hier ist es die Aufgabe des Chefs oder der Chefin, die Arbeiten und Zuständigkeiten gerecht und klar zu verteilen.

 

Den Informationsfluss kann man mit einer fixen Arbeitsübergabe sicherstellen. Dabei wird der beispielsweise am Nachmittag dazukommende Mitarbeiter bei Arbeitsbeginn kurz über die Vorfälle des Vormittags und die besonderen Aufgaben des Nachmittags informiert.

 

Auch auf den Kunden macht es übrigens einen professionellen Eindruck, wenn er die am Vormittag angekündigte Leistung oder Information am Nachmittag verlässlich erhält, ohne dass er noch einmal alles von vorne erklären muss. »Für ein friedvolles Arbeitsverhältnis sollte man die Lage der Arbeitszeiten im Arbeitsvertrag festschreiben«, empfiehlt Iris Borrmann, Juristin bei der Apothekengewerkschaft Adexa. »Also zum Beispiel: Freitag 15 bis 18.30 Uhr und Samstag 8.30 bis 14 Uhr. Für die Arbeitnehmerin, die aus familiären Gründen nur in dieser Zeit arbeiten kann, ist das ein Stück Sicherheit. Aber das heißt natürlich nicht, dass man von der vertraglichen Festschreibung nicht auch einmal abweichen kann, wenn in der Apotheke Not am Mann ist.«

 

Teilzeit ist nicht per se teurer

 

Auch für die Berechnung der ausgefallenen Arbeitszeit an Feiertagen oder wegen Urlaub und Krankheit kann es hilfreich sein, eine klare, nachlesbare Vereinbarung getroffen zu haben.

 

Auch wenn man dieses Vorurteil immer wieder hört, es stimmt nicht: Teilzeitarbeit ist für den Betrieb nicht automatisch teurer! Denn die Gehälter berechnen sich anhand der geleisteten Arbeitszeit und sind daher relativ genauso hoch wie bei einer Vollzeitkraft. Was zu Buche schlägt, ist höchstens die unterschiedliche Berufserfahrung.

 

Von daher kann der Stundenlohn einer Teilzeitkraft sowohl höher als auch niedriger sein als der ihrer Vollzeit tätigen Kollegin. Da sich die für die Sozialversicherung entstehenden Kosten prozentual am Brutto-Gehalt orientieren, sind Teilzeitkräfte auch hier nicht per se teurer für den Betrieb. Es sind nur wenige Kosten, die unabhängig vom Gehalt tatsächlich von der Zahl der Mitarbeiter abhängen, beispielsweise die Kosten für die Lohn- und Gehaltsabrechnungen und bestimmte Zusatzleistungen wie Fahrgeld. Insgesamt spielen diese Faktoren aber für den Betrieb eine untergeordnete Rolle.

 

Klare Zuständigkeiten sind wichtig

 

Apotheken können auf Teilzeitkräfte oft nicht verzichten, um den über die Woche stark wechselnden Arbeitsanfall gut zu bewältigen. Entscheidend für den Erfolg sind ein gut durchdachtes Konzept, klare Zuständigkeiten und ein guter Informationsfluss. Dann profitieren Mitarbeiter und Apotheke gleichermaßen.

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