Pharmazeutische Zeitung online
Münchner Sozialprojekt

Medikamente für Bedürftige günstiger

17.01.2012  17:05 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler, München / In 22 Münchner Apo­theken können bedürftige Menschen ab sofort nicht- ver­schreibungspflichtige Arzneimittel günstiger einkaufen. Dafür benötigen sie ein grünes Rezept vom Arzt und den München-Pass, der sie als bedürftig ausweist.

»Kranke Menschen müssen Zugang zu den Arzneimitteln haben, die sie brauchen. Das Projekt Medikamentenhilfe München leistet hier einen entscheidenden Beitrag«, sagte Joachim Lorenz vom Referat für Umwelt und Gesundheit (RGU) der Stadt München bei einer Pressekonferenz. Viele Bedürftige könnten sich rezeptfreie Arzneimittel, die in der Regel von den Krankenkassen nicht bezahlt werden, nicht leisten.

Den München-Pass können Bürger beantragen, die beispielsweise auf Arbeitslosengeld angewiesen sind oder von der Grund­sicherung leben. Laut Lorenz sind etwa 95 000 Menschen in München anspruchsberechtigt; wie viele den Pass haben, ist nicht bekannt.

 

Freiwilliges Engagement

 

Das Arzneimittelprojekt, das von der ökumenischen Krisenberatungsstelle »Münchner Insel« angestoßen wurde, wird getragen vom RGU, der Bayerischen Landesapothekerkammer (BLAK), der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, der Wohnungslosenhilfe München und derzeit 22 Apotheken. »Die Teilnahme an der Medikamentenhilfe ist ein freiwilliges Engagement dieser Apotheken«, betonte BLAK-Präsident Thomas Benkert. Sie gewähren den Berechtigten eine Vergünstigung von in der Regel mindestens 20 Prozent des Apothekenverkaufspreises. Die Höhe des Rabatts, den die Apotheken selbst tragen, sei nicht vorgeschrieben.

 

»Wir Apotheker übernehmen damit soziale Verantwortung für unser Umfeld«, sagte Benkert, der sich mit seiner Apotheke in der Münchner Innenstadt am Projekt beteiligt. Da die Patienten ein grünes Rezept vom Arzt vorlegen müssen, ist gesichert, dass sie nur wirklich benötigte Selbstmedikationsarzneimittel vergünstigt einkaufen können.

 

Das auf ein Jahr angelegte Projekt soll intern evaluiert werden. Benkert wagte keine Prognose, wie häufig die Berechtigten das neue Angebot nutzen werden. Weitere Apotheken können sich am Projekt beteiligen. Ein Faltblatt, das unter anderem in den Sozialbürgerhäusern ausliegt, informiert die Bürger über das Projekt. Das Faltblatt sowie eine aktuelle Liste der teilnehmenden Apotheken gibt es auch unter www.muenchen.de/medikamentenhilfe. / 

Mehr von Avoxa