Pharmazeutische Zeitung online
Unternehmenssteuerreform

Bilanz wird komplizierter

15.01.2008
Datenschutz bei der PZ

Unternehmenssteuerreform

Bilanz wird komplizierter

Von Markus Händeler

 

2008 ändert sich einiges bei der Ermittlung des steuerlichen Apothekengewinns. Wegen zahlreicher Sonderregelungen kann die Bilanz allein nicht mehr zur Besteuerung herangezogen werden.

 

Bei der Gewerbesteuer bleibt es nach der Unternehmenssteuerreform für den Apotheker im Ergebnis im Wesentlichen bei der Neutralität der Belastung (Anrechnung der gezahlten Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer). Bei der Einkommensteuer verschlechtern sich die Abschreibemöglichkeiten für Investitionen in die Apotheke.

 

Zahlreiche steuerliche Vorschriften führen dazu, dass der Gewinn aus der Bilanz nicht mehr zur Besteuerung herangezogen werden kann. Denn der Gesetzgeber hat viele Vorschriften in das Einkommensteuergesetz aufgenommen, die »außerbilanziell« zu berücksichtigen sind. Damit rückt die immer wieder beschworene Vereinfachung weiter in die Ferne. Und es entstehen für den Apotheker zusätzliche Beratungskosten.

 

Jeder Kaufmann, damit auch der Apotheker, ist gesetzlich verpflichtet, eine Bilanz zum Ende seines Wirtschaftsjahres aufzustellen. Hierin muss er alle Vermögenswerte und alle Schulden ausweisen. Jede Position ist zu bewerten, das heißt mit einem Euro-Betrag anzusetzen. Aus dem Saldo ergibt sich dann das Eigenkapital, damit auch der Gewinn. Dieser ist dann in der Steuererklärung anzugeben und der Einkommensteuer zu unterwerfen. So weit, so gut. Nun hat der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren allerdings immer mehr Vorschriften geschaffen, die, so der technische Begriff, »außerbilanziell« zu berücksichtigen sind. Das heißt, der Gewinn aus der Bilanz wird korrigiert, bevor er der Steuer unterworfen wird.

 

Warum macht der Gesetzgeber diese Klimmzüge und verändert den tatsächlich erzielten Gewinn für Zwecke der Steuern?

 

Regeln sollen Konjunktur ankurbeln

 

Das Einkommensteuerrecht wurde und wird immer auch zur Steuerung der Konjunktur genutzt. Daher schafft der Gesetzgeber Regelungen, die nach seiner Überzeugung dienlich sind, in wirtschaftlichen Schwächephasen die Konjunktur anzukurbeln. Bei einer konjunkturellen Überhitzung werden dann steuerliche Förderungen eingeschränkt oder abgeschafft. Diese Intention ist jedoch unabhängig vom Zweck der Bilanz. Denn die Bilanz soll einem außenstehenden Dritten einen ordentlichen Überblick über die Finanzlage der Apotheke geben. An erster Stelle ist hier der Apothekeninhaber selbst zu nennen, der wissen muss, wie er wirtschaftlich dasteht. Ferner haben die Gläubiger ein berechtigtes Interesse an der Bilanz, also die Bank, wenn Schulden aufgenommen wurden, oder der Großhandel, wenn Darlehen oder größere Valuten gewährt worden sind.

 

Aus diesem Grund muss der Steuerberater zunächst einmal die Bilanz zum entsprechenden Stichtag aufstellen und dann zusätzlich die vielen steuerlichen Sonderregelungen außerhalb der Bilanz zu- und abrechnen. Erst dann steht der Gewinn fest, der der Einkommensteuer zu unterwerfen ist.

 

Die Liste der Korrekturen ist mit der kommenden Unternehmensteuerreform deutlich verlängert worden. Folgende Aufwendungen, die in der Bilanz berücksichtigt worden sind, dürfen den Gewinn für Zwecke der Steuern nicht mindern:

 

Geschenke an Personen, die nicht Arbeitnehmer des Apothekers sind, wenn der Wert der Geschenke im Jahr 35 Euro übersteigt;

Bewirtungen von Personen aus geschäftlichem Anlass, soweit sie 70 Prozent der Aufwendungen übersteigen (30 Prozent sind also nicht abzugsfähig);

Verpflegungsaufwendungen für den Inhaber der Apotheke auf dienstlichen Reisen, soweit bestimmte Pauschbeträge überschritten werden (Abwesenheit 8 bis 14 Stunden = 6 Euro, Abwesenheit 14 bis 24 Stunden = 12 Euro, ganztägige Abwesenheit = 24 Euro);

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer, es sei denn das Arbeitszimmer ist der Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit (bei einem Apotheker nicht vorstellbar);

betrieblich bedingte Geldbußen, Ordnungs- und Verwarngeld (zum Beispiel bei einer Botenfahrt geblitzt worden);

Aufwendungen für die Fahrten zwischen Wohnung und Apotheke (Wege zur Arbeit) bis zum 20. Entfernungskilometer. Die nicht abzugsfähigen Kosten sind pauschal zu ermitteln (0,03 Prozent x Entfernungskilometer x Listenpreis für das Auto x 12 Monate). Der Rest bleibt abzugsfähig;

Parteispenden;

Gewerbesteuer einschließlich eventueller Verspätungs- und Säumniszuschläge sowie Zinsen.

 

Im Gegenzug dürfen folgende Erträge, die in der Bilanz berücksichtigt worden sind, den Gewinn für Zwecke der Steuern nicht erhöhen:

 

40 Prozent der Erträge aus Dividenden sowie dem Gewinn aus der Veräußerung von Wertpapieren, die ihm Betrieb gehalten werden.

Der Investitionsabzugsbetrag (bisherige Ansparabschreibung) ist ebenfalls außerhalb der Bilanz geltend zu machen. Kommt es dann innerhalb der vorgesehen Fristen zu der tatsächlichen Anschaffung des geplanten Wirtschaftsgutes, dann muss in der Bilanz der tatsächliche Kaufpreis ausgewiesen und abgeschrieben werden. Außerhalb der Bilanz sind die notwendigen Korrekturen für Zwecke der Steuern vorzunehmen.

 

Kompliziert wird es künftig auch bei der Anschaffung von sogenannten geringwertigen Wirtschaftsgütern. Zunächst wird die Grenze von 410 Euro auf 150 Euro herabgesetzt. Betragen also die Anschaffungskosten ohne Umsatzsteuer ab 2008 bis 150  Euro, können sie unabhängig von der Nutzungsdauer sofort abgezogen werden. Betragen die Anschaffungskosten zwischen 150 und 1000 Euro, dann sind sie in einen jährlichen Sammelposten einzustellen. Dieser Sammelposten ist dann über fünf Jahre gleichmäßig steuermindernd zu verteilen, sogar unabhängig davon, ob das Wirtschaftsgut überhaupt so lange im Betrieb verbleibt.

 

Paradoxe Gesetzeslage

 

Der Sammelposten ist nach derzeitiger Meinung auch außerhalb der Bilanz zu führen. In der Bilanz dagegen sind die einzelnen Wirtschaftsgüter, wie auch bisher, auszuweisen und abzuschreiben.

 

Tipp: Soweit Wirtschafsgüter annähernd 1000 Euro kosten und eine Nutzungsdauer von weniger als fünf Jahren haben (zum Beispiel ein PC für 999 Euro), sollte besser ein Netto-Preis von etwas über 1000 Euro angestrebt werden. Dann können die Kosten über drei Jahre steuermindernd verteilt werden. Paradoxe Gesetzeslage!

 

Fazit: Die Erstellung der Korrekturliste ist aufwändig, weil die einzelnen Positionen dem Grunde und der Höhe nach geprüft und ermittelt werden müssen. Außerdem müssen manche Wertansätze auch in den folgenden Jahren fortgeschrieben werden, was die Liste weiter verlängert. Für die zusätzliche Tätigkeit wird der Steuerberater ein Honorar verlangen, so wie es die Gebührenverordnung vorsieht. Das hat der Gesetzgeber bei allem Lob für seine Reformen bisher verschwiegen.

Faltblatt schafft Durchblick

Die Treuhand Hannover hat ein Faltblatt zu den wichtigsten Reformpunkten mit nötigen Handlungsoptionen entwickelt. Ein kostenloses Exemplar können Sie per E-Mail unter steuertipp(at)treuhand-hannover.de anfordern.

Mehr von Avoxa