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Pharmazeuten auf Station

Alle Seiten profitieren

15.01.2007  14:58 Uhr

Pharmazeuten auf Station

Alle Seiten profitieren

Von Michael Boehm, Hubertus Neuber und Dirk Kestner

 

Die enge Kooperation zwischen Klinischem Pharmazeuten und Arzt führt neben einem Wissensgewinn auf beiden Seiten zu einer erhöhten Therapiesicherheit und Wirtschaftlichkeit. Dies zeigte ein »Arbeitsversuch« am Bundeswehrkrankenhaus Leipzig.

 

Im Rahmen der Ausbildung von Pharmaziepraktikanten und Studenten der Pharmazie im Examenssemester (Universität Leipzig) wurde im Bundeswehrkrankenhaus Leipzig eine konstruktiv erweiterte Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker erprobt. Ziel dieses Arbeitsversuches war es, zum einen neue Einsatzmöglichkeiten für Klinische Pharmazeuten in der Ambulanzsprechstunde und im täglichen Stationsablauf zu erkunden. Zum anderen sollte die Zusammenarbeit zwischen pharmazeutischer und ärztlicher Tätigkeit durch besseres Verstehen der jeweiligen Arbeitsfelder optimierend durch den Einsatz eines »Pharmazeutischen Konsils« als standardisiertes, patientenbezogenes pharmazeutisches Leistungsangebot untersucht werden. Dabei sollten Patient, Therapiesicherheit und verbesserte Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen.

 

Ein Schwerpunkt lag auf der Arzneimittelberatung des leitenden Arztes. Diese wurde in Zusammenarbeit mit dem Apothekenleiter von den der Station zugeteilten Pharmaziepraktikanten beziehungsweise -studenten vorgenommen. So überprüften sie zum Beispiel polypragmatisch wirkende »Therapieschemata« auf Sinnigkeit, beleuchteten substanzspezifische Interaktionen und wiesen auf unökonomische Verordnungspraktiken hin. Des Weiteren analysierten sie die »pharmakologische Vorgeschichte« von schwierig zu therapierenden, häufig chronisch Kranken, um sinnvolle von absehbar ineffizienten Alternativoptionen abzugrenzen. Zudem zeigten sie dem Arzt nicht geläufige, da spezifisch pharmazeutisch-pharmakologische und somit im klinischen Versorgungsalltag gefährlich oft »unter den Tisch fallende« Substanzdeterminanten auf, um eine höhere Behandlungssicherheit für alle Beteiligten zu erreichen. Indem sie aufwendige substanzspezifische Arzneimittelrecherchen übernahmen, entlasteten sie den Arzt und stellten ihm mehr Zeit für seine Patienten zur Verfügung. Ergänzend zum ärztlichen Gespräch fand eine direkte pharmazeutische Beratung des Patienten statt, um die Patientenzufriedenheit und -sicherheit zu erhöhen.

 

Schritt in die richtige Richtung

 

Des Weiteren arbeiteten ein Jahr lang zwei Pharmaziepraktikantinnen, in den stationären Alltag als »volle akademische Arbeitskräfte« integriert, ganztags mit auf Station. In diesem Zeitraum konnten durch das pharmazeutische Management unnötige beziehungsweise überflüssige Bestellungen vermieden werden. Zudem führten reduzierte Lagerhaltungskosten und bedarfsorientierte Bestellungen zu signifikanten Kosteneinsparungen.

 

Für den Stationsarzt und das Pflegepersonal erwies sich die ständige Präsenz der Pharmazeuten als vorteilhaft, da sie frühzeitig in sämtliche ärztliche Entscheidungen eingebunden wurden. Sie nahmen regelmäßig an allen Visiten einschließlich Patientenneuvorstellungen teil und kannten die Patienten sowohl aus medizinischer als auch menschlicher Sicht.

 

Die »konsiliarisch« angebotenen pharmazeutischen Leistungen sind seitens der Ärzte auch deswegen gerne in Anspruch genommen worden, da die professionelle pharmazeutische Therapieunterstützung, im direkten Umgang mit den Patienten neben Kosteneinsparungen zu einer deutlichen Entlastung des gesamten Stationspersonals geführt hat. Auch die Patienten nahmen das pharmazeutische Leistungsangebot gerne an.

 

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die gemeinsame Patientenbetreuung durch klinische Pharmazeuten und Ärzte im stationären Bereich als sehr sinn- und wertvoll betrachtet und als Schritt in die richtige Richtung gesehen werden muss.

Bewertung aus ärztlicher und pharmazeutischer Sicht

Arzt

»Das Projekt »Klinische Pharmazie/Pharmazeutisches Personal auf Station« kann aus ärztlicher Sicht nur begrüßt und unterstützt werden. Eine zielgerichtete Ausweitung und nach Möglichkeit feste Institutionalisierung wäre auch im Sinne einer Kostenreduktion dringend wünschenswert!«

 

Apotheker

»Die pharmazeutische Therapieunterstützung des behandelnden Arztes führt zu einer verbesserten, qualitätsorientierten und pharmakoökonomischen Versorgung. Insofern ist es dringend erforderlich, dass dem »Klinischen Pharmazeuten« seitens des Gesetzgebers und der Krankenkassen mehr Kompetenzen und Möglichkeiten zur qualifizierten Leistungserbringung am Patienten eingeräumt werden«.

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