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US-Leitlinie

Erdnussbutter für Kinder mit Allergie-Risiko

10.01.2017
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Die frühe Gabe von erdnusshaltiger Nahrung bei Säuglingen kann der LEAP-Studie zufolge das Risiko einer späteren Erdnuss­allergie senken. Nun gibt das US-amerikanische National Institute of Allergy and Infectious Diseases in einer aktualisierten Leitlinie zu Lebensmittelallergien erstmals entsprechende Handlungsempfehlungen für Ärzte (»Annals of Allergy, Asthma & Immunology«, DOI: 10.1016/j.anai.2016.10.004).

 

Demnach sollte Kindern, die starke Riskofaktoren für solche Allergien wie etwa schwere Dermatitis oder eine Hühnerei-Allergie aufweisen, in ärztlicher Begleitung bereits ab dem vierten Monat erdnusshaltige Nahrung gefüttert werden. Allerdings sollten vorher der IgE-Antikörpertiter bestimmt und ein Skin-Prick-Test durchgeführt werden, um das Risiko des Säuglings für Reaktionen auf die erdnusshaltige Nahrung abzuschätzen. Werden bestimmte Grenzwerte überschritten, sollten die Säuglinge vom Spezialisten weiterbetreut werden.

 

Auch bei Kindern mit mittlerem oder geringem Risiko für eine spätere Erdnussallergie gilt eine erdnusshaltige Beikost als sicher und in gewissem Maße protektiv. Die US-Experten schlagen unter anderem vor, Erdnussbutter oder Erdnussmehl mit Fruchtpüree zu mischen. Ganze Erdnüsse sollten Eltern wegen der Verschluckungsgefahr allerdings niemals füttern. Dabei sollten Erdnussprodukte bei Kindern mit mittlerem Allergie-Risiko ab dem sechsten Lebensmonat und bei Kindern mit niedrigem Risiko »entsprechend den kulturellen und familiären Gewohnheiten« eingeführt werden.

 

Die Zahl der Erdnussallergien war in der Vergangenheit bei Kindern in den USA deutlich angestiegen, heißt es in der Leitlinie. Während 1999 etwa 0,4 Prozent der Kinder betroffen waren, stieg der Anteil bis 2010 auf 2 Prozent. Bisher lauteten die Empfehlungen, dass Kinder mit besonderem Allergie-Risiko das Allergen möglichst lange meiden sollten. So sollten Kinder mit einem Risiko für eine Erdnussallergie erst ab einem Alter von drei Jahren Erdnussprodukte zu sich nehmen.

 

In Deutschland ist die Prävalenz von Erdnussallergien deutlich niedriger als in den USA. Ob die US-amerikanischen Empfehlungen für Kinder mit Neurodermitis auch in anderen Ländern mit niedriger Prävalenz übernommen werden sollten, werde zurzeit intensiv diskutiert, so Professor Dr. Kirsten Beyer von der Berliner Charité in einem Interview mit dem » Deutschen Ärzteblatt«. Präventionsempfehlungen auf der Basis einer einzigen Studie zu ändern, berge immer ein Risiko, insbesondere wenn die kulturellen Essgewohnheiten unterschiedlich sind. Weitere Untersuchungen, unter anderem in Deutschland, seien daher empfehlenswert, so Beyer. In der LEAP-Studie konnte durch den regelmäßigen Verzehr von Erdnuss­produkten die Allergie-Inzidenz um 86 Prozent im Vergleich zu einer Kon­trollgruppe gesenkt werden. /

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