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Firmenporträt

Wurzeln in der Heilpraktikerpraxis

10.01.2012
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Von Maria Pues / Homöopathie hat in Deutschland Tradition. Dass sie sich mit moderner Produktionsstechnik verträgt, demonstrieren Hersteller wie das Homöopathische Laboratorium A. Pflüger im westfälischen Rheda-Wiedenbrück.

Das hätte sich Heilpraktiker Georg Pflüger 1929 wohl nicht träumen lassen: Was in seiner Praxis in Rheda-Wiedenbrück seine Wurzeln hat, entwickelte sich in den vergangenen gut 80 Jahren zu einem mittelständischen Unternehmen, in dem auf einer Gesamtfläche von 30 000 Quadratmetern 120 Mitarbeiter 500 verschiedene homöopathische Arzneimittel herstellen.

Und umgekehrt: Man muss beim Anblick der modernen Produktionsanlangen auch seine Fantasie bemühen, um sich vorzustellen, dass diese Herstellung ihre Anfänge in einer kleinen Landpraxis genommen hat. Damals begann der Großvater des heutigen Firmeninhabers, eigene homöopathische Arzneimittel für seine Patienten zu entwickeln und herzustellen.

 

Ein Apotheker leitet das Unternehmen

 

Sie machen auch heute noch rund 60 Prozent der Produktpalette der Firma Pflüger aus. Zu ihnen gehören rund 150 homöopathische Komplexmittel für akute Krankheiten von Magen und Darm, Erkältungen oder Kopfschmerzen, aber auch zur Anwendung bei chronischen Krankheiten von Herz und Kreislauf oder rheumatischen Beschwerden. Den Schritt in die industrielle Fertigung wagte der Vater des heutigen Firmeninhabers, Alexander Pflüger. Er gründete am 1. Januar 1949 das Homöopathische Laboratorium A. Pflüger. Inzwischen hat sein Sohn, Apotheker Horst Pflüger, die Geschäftsleitung übernommen. Die pflanzlichen Ausgangsstoffe zur Herstellung der Arzneimittel stammen aus kontrolliert ökologischem Anbau und werden auf Rückstände von Pestiziden, Insektiziden, Schwermetallen und Aflatoxinen geprüft. Die Frischpflanzen werden zur Herstellung einer Urtinktur zerkleinert, mit Alkohol versetzt und mindestens zehn Tage stehen gelassen.

 

Um die Ansätze zu durchmischen, werden die ganzen Fässer in einen Fasswender eingespannt und täglich mindestens zehnmal gedreht. Nach der vorgeschriebenen Standzeit werden die Ansätze mit einer Tinkturenpresse abgepresst, geprüft und für die Herstellung der einzelnen Potenzen weiterverwendet. Die Herstellung erfolgt jeweils nach den Vorschriften des Homöopathischen Arzneibuchs, auch im Industriemaßstab nach den Grundsätzen der guten Herstellungspraxis GMP (Good Manufacturing Practice). Trotzdem ist die traditionelle Handverschüttelung noch nicht obsolet.

 

Schüßler-Salze sind das zweite Standbein

 

Zweites Standbein ist die Herstellung von Schüßler-Salzen. Mit der Homöopathie Hahnemannscher Prägung verbindet diese das Prinzip der Potenzierung. Beeinflusst wurde der Oldenburger Arzt und Homöopath Wilhelm Heinrich Schüßler vor allem auch durch die Erkenntnisse Rudolf Virchows, der nach Veraschen von Geweben verschiedene Mineralsalze identifizierte.

Krankheiten haben in einer Fehlfunktion von Zellen ihre Ursache, so seine These. Ein Ungleichgewicht führe zu Funktionseinbußen von Geweben und zu Krankheit, so seine Theorie. Schüßler ging davon aus, dass bestimmte Mineralsalze für den Stoffwechsel der Zellen besonders wichtig sind. Er fand zwölf solcher Salze und nannte sie wegen ihrer großen Bedeutung für die Zellfunktion biochemische Funktionsmittel.

 

Im beginnenden 20. Jahrhundert kamen weitere 15 sogenannte Ergänzungsmittel hinzu. Die große Nachfrage nach Schüßlersalz-Präparaten machte 2004 eine Erweiterung dieses Herstellungsbereichs sowie des Rohstofflagers notwendig. Die Herstellung selbst erfolgt heute in geschlossenen Systemen in speziellen Schüttelmaschinen, was reproduzierbare Ergebnisse garantiert und die Gefahr von Verunreinigungen minimiert. So erfolgt der Transport der zur Tablettenherstellung benötigten Lactose unter Vakuum.

 

350 Tonnen Milchzucker waren es im Jahr 2010, die zur Herstellung von 1,4 Milliarden Tabletten verwendet wurden. Dabei kamen Hochleistungstablettenpressen zum Einsatz, die eine Kapazität von 800 000 Tabletten pro Stunde erreichen können. Die Energie für Herstellung und Vertrieb stammt unter anderem aus einer geothermischen Anlage und einer Photovoltaik-Anlage. Für den Patienten sichtbare Verbesserungen gab es in Details: So findet sich heute auf allen Tabletten eine Prägung mit der jeweiligen Nummer des biochemischen Präparates.

 

Glutenfreie Tabletten und lactosefreie Tropfen

 

Neuerdings gilt dies auch für die Kunststoffdeckel der 400er-, 1000er- und 4000er-Packung. Sämtliche 27 Schüßler-Salze gibt es außerdem nicht nur als – glutenfreie – Tabletten, sondern auch als – lactosefreie – Tropfen. Ergänzend stehen topische Zubereitungen sowie Pulver zur Verfügung. /

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