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Beziehungspflege

Wie Apotheker gute Netzwerker werden

10.01.2012
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Von Mirja Krönung-Scheible / Ein Netzwerk aus sozialen Beziehungen kann man sich nicht kaufen. Netzwerk-Arbeit ist immer persönlich und lässt sich nicht delegieren. Wie können Apotheker Nutzen aus der Pflege ihrer Kontakte ziehen?

Gutes Netzwerken kann der Apotheker vom Fischer lernen. »Der Networker wirft wie ein Fischer seine Netze aus. Durch Zufall oder Fleiß fängt er große und kleine Fische, manchmal in trüben, manchmal in klaren Gewässern. Diese Tätigkeit bringt Gewinn. Er liebt das Abenteuer seines Berufes. Mancher Fisch entgeht ihm auch, wenn sein Netz zerrissen ist. Daher muss er es immer wieder sorgfältig knüpfen und erneuern.« Management-Trainer und Autor Professor Dr. Uwe Scheler zieht in seinem Buch »Erfolgsfaktor Networking« diese anschauliche Parallele zwischen dem Netzwerken und der täglichen Arbeit eines Fischers. Er geht sogar so weit, Netzwerken als einen Lebensstil zu bezeichnen.

Aber was macht ein lebendiges Netzwerk aus? Netzwerken meint das aktive In-Kontakt-Treten mit anderen Menschen. Ein Netzwerk ist immer individuell, ein gewachsenes Konstrukt – und daher nicht selten eine langwierige Geschichte. Wir können uns weder ein Netzwerk aus sozialen Beziehungen kaufen noch es durch andere Menschen »konstruieren« und pflegen lassen. Netzwerk-Arbeit ist immer persönlich, sie lässt sich nicht delegieren. Und Beziehungen sind ausschließlich das Ergebnis gelebter Kontakte.

 

Soziale Interaktion in stabilen Beziehungen

 

Netzwerken ist demnach Chefsache und in einer Zeit zunehmender Komplexität und steigender Anforderungen an die Individualapotheke unabdingbar für jeden Inhaber. Doch wo anfangen? Und wie?

 

»Networking folgt dem grundlegenden menschlichen Bedürfnis nach sozialer Interaktion in stabilen Beziehungen«, sagt Mike Raven, Networking-Experte und Inhaber der m2 agentur für kommunikation in Hanau. »Professionelles Networking lädt dieses Bedürfnis inhaltlich auf und macht so das Netzwerk wertvoll und nützlich für das Erreichen der eigenen beruflichen oder unternehmerischen Ziele.«

 

Raven hält es für ganz zentral, »sich vor Augen zu halten, was man sich vom Networking verspricht, was man finanziell und zeitlich – in Bezug auf die Kontaktpflege – bewältigen kann. Nichts ist schlimmer als ein fulminanter Start mit hohem Kraftaufwand – ohne entsprechende Nachhaltigkeit. Nur wenn es Spaß macht, bleibt man dabei. Ansonsten kann Networking schnell zur lästigen Pflichtübung werden.«

Da ein Netzwerk nur durch den Einsatz der eigenen Arbeitszeit mit Leben gefüllt werden kann, sind dies grundlegende Entscheidungen, die vor jeder Art von Networking getroffen sein wollen.

 

Wer dauerhaft in und mit Netzwerken erfolgreich sein möchte, kommt an einer Mitgliedschaft in relevanten Vereinen und Verbänden nicht vorbei. Vor einem Beitritt sollte man sich die zuvor definierten Ziele und die gegenwärtige berufliche und private Situation vor Augen halten. Gegenüber der berufsgruppenspezifischen, verpflichtenden Mitgliedschaft in Kammern ist ein Engagement in institutionellen Netzwerken – wie Verbänden, Gewerkschaften oder anderen Interessenvertretungen – freiwillig. Persönliche Kontakte und den fachlichen Informationsaustausch haben alle Netzwerke gemeinsam. Moderne Netzwerke bekennen sich zudem offen zur Förderung und Hilfe untereinander.

 

Erst geben, dann nehmen, das sollte die Reihenfolge sein. Denn nur Eigenleistung in Verbindung mit Networking bringt langfristig den gewünschten Erfolg.

 

Hilfreich ist es, sich gleich zu Beginn neben personenbezogenen Daten vor allem persönliche Notizen zu Gesprächspartnern zu machen. Das können Vorlieben, publizierte Beiträge, bisherige Gesprächsthemen oder Ort und Anlass der letzten Begegnung mitei­nander sein.

 

Gute Zuhörer bleiben im Gedächtnis

 

Wichtig ist, sich immer wieder mit den Menschen im eigenen Netzwerk auseinanderzusetzen. Jeder Apotheker sollte seinen individuellen Netzwerk-Stil finden, den er authentisch vertreten kann und der zu seinem Charakter, zu seiner Apotheke passt.

 

Ein kleines, funktionierendes Netzwerk kann dann ebenso leistungs- und tragfähig sein wie ein großes. Brachliegende Kontakte helfen nicht weiter. Gute Zuhörer und interessante Gesprächspartner bleiben im Gedächtnis. Ausschlaggebend sind emotionale Intelligenz und die Fähigkeit zur Empathie. Missverständnisse gilt es zu vermeiden oder rasch aufzuklären.

 

Netzwerke sind keine Seilschaften. Es kann durchaus sinnvoll sein, das Gespräch über das Gespräch zu suchen und den Gesprächsverlauf auf der sogenannten Metaebene zu analysieren. Respekt vor der Individualität anderer Mitglieder ist die Basis eines jeden Netzwerks.

 

Die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Netzwerks kann unterschiedliche Aufhänger und Ziele haben – und damit ganz verschiedener Gestalt sein. Wer seine unternehmerischen Ziele kennt, kann leichter Prioritäten innerhalb seines Netzwerks setzen und Chancen für gemeinsame Projekte ausloten.

 

In der Erschließung wertvoller Kontakte ist der Apotheken-Standort ein wichtiges Kriterium:

 

Wo gibt es in meiner Stadt/Region bereits bestehende Netzwerke/Interessengemeinschaften zum Thema Gesundheit/Prävention, denen ich mich anschließen könnte?

Wie kann ich mit meiner Expertise diesem Netzwerk helfen; worin könnte mich das Netzwerk weiterbringen?

Gibt es regionale Gesundheitsmessen, -veranstaltungen, in deren Rahmen meine Apotheke als Gesundheitspartner/-experte vertreten sein könnte? Wie könnte ich mich/unseren Service/unsere Beratungskompetenz dort präsentieren?

Wer sind in meiner Stadt/Region die wichtigsten Experten zum Thema Gesundheit? Wie hoch ist ihr jeweiliger Bekanntheitsgrad? Wer könnte für mich/für meine Apotheke relevant sein oder werden; wen sollte ich gezielt ansprechen?

 

In vielen Städten beispielsweise arbeiten Apotheken bereits mit Selbsthilfe- und Patientenorganisationen zusammen. Gemeinsam werden Kampagnen ins Leben gerufen oder Aufklärungsmaterialien erarbeitet. Apothekenkunden erhalten Informationen über innovative Therapiemethoden und Hilfsangebote. Der Deutsche Apothekerverband und seine Landesverbände haben sogenannte Landesbeauftragte benannt, die bei Interesse an einer solchen Zusammenarbeit gerne entsprechende Kontakte vermitteln.

Ebenso spielt der Grad an Eigeninitiative eine erhebliche Rolle für das Wachstum eines Netzwerks. Warum nicht einen eigenen regionalen Gesundheitstag initiieren, mit den Bürgern, Kunden oder Netzwerk-Partnern eine Aktion ins Leben rufen oder regelmäßig regionale Gesundheitsexperten, zum Beispiel Ärzte aus umliegenden Praxen oder medizinischen Versorgungszentren, zu kleinen Impulsvorträgen in die Apotheke einladen?

 

Apotheker können ihren Mitarbeitern spezielle Themen anvertrauen, mit denen sich die Apotheke aktuell beschäftigt. Die Mitarbeiter werden als Gesundheits- oder Themenscouts ausgesandt und recherchieren gezielt zum jeweiligen Thema.

 

Über den Tellerrand hinauszuschauen, lohnt sich! Was spricht gegen gemeinsame Aufklärungsveranstaltungen zusammen mit regional etablierten Sportlern und Ökotrophologen – in Kindergärten oder Schulen, wenn sich die Apotheke mit einer Kompetenz rund um Familien- beziehungsweise Kindergesundheit ausweisen kann? Apotheker können Kunst in die Offizin bringen, wenn sie selbst kunstinteressiert sind, ihrem Netzwerk (Hobby-)Künstler angehören und gegebenenfalls in der Stadt eine Kunstakademie oder die örtliche Kunst- und Musikschule für Furore sorgen.

 

Für Gesprächsstoff sorgen

 

Vielleicht entwickelt sich daraus eine Wanderausstellung, die auch bei anderen Mitgliedern des Netzwerks Station macht. Wichtig ist, immer wieder für Gesprächsstoff zu sorgen und selbst Raum für den Austausch mit anderen zu bieten. Oder den Raum von Netzwerkpartnern zu nutzen. Dann kann der Apotheker sich als Gesundheitsexperte ausweisen, seine Apotheke als Ansprechpartner in Gesundheitsfragen positionieren und zum wertvollen Partner werden. Gleichzeitig bietet er anderen Raum und Gelegenheit, sich und die eigenen Leistungen zu präsentieren, gibt dem Wissen und Können seiner Netzwerkpartner eine Plattform, und alle stärken sich gegenseitig – sei es durch Wissensaustausch oder Aktionen zur Kundenbindung. Vor allem aber trägt ein lebendiges Netzwerk zur persönlichen Weiterentwicklung bei. /

Die Autorin

Mirja Krönung-Scheible studierte Kommunikationswissenschaft und Germanistik an der Universität Duisburg-Essen. Seit nunmehr zehn Jahren gilt ihre Leidenschaft der Gesundheitswirtschaft. Nach ihrer Tätigkeit als Beraterin und Teamleiterin in PR-Units verschiedener Agenturen im Rhein-Main-Gebiet gründete Scheible 2008 die Agentur MKS Kommunikation & Training. Neben ihrer Arbeit unterrichtet sie als Praxis-Dozentin an den Instituten für Kommunikationswissenschaft und Optionale Studien der Universität Duisburg-Essen.

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