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Klonforscher überführt

03.01.2006
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Klonforscher überführt

von Sven Siebenand, Eschborn

 

Der einst gefeierte südkoreanische Klonforscher Professor Dr. Woo Suk Hwang hat nie embryonale Stammzellen durch Klonen aus den Körperzellen schwerkranker Patienten hergestellt. Die gesamte, im Mai 2005 im Fachjournal »Science« veröffentlichte Arbeit des Tiermediziners Hwang ist vermutlich gefälscht.

 

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchungskommission der Nationaluniversität Seoul, an der Hwang beschäftigt ist. Die Kommission hat alle elf in der Publikation aufgeführten Stammzelllinien, die angeblich von geklonten menschlichen Embyonen stammen sollen, als Fälschung entlarvt. Das hat eine genetische Analyse der Stammzellkulturen ergeben. Hwang bestreitet die Vorwürfe und sieht sich als Opfer eines lang geplanten Komplotts - die Proben in seinem Labor seien absichtlich vertauscht worden.

 

Kritiker werfen dem Magazin »Science« vor, die Ergebnisse nicht ausreichend geprüft zu haben. Nicht einmal zwei Monate seien die Resultate von Experten begutachtet worden. Üblich seien aber vier Monate. Die Sprecherin des Ombudsgremiums der Deutschen Forschungs-Gemeinschaft für Fragen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, Professor Dr. Ulrike Beisiegel, forderte, dass bei bedeutenden Arbeiten die Experimente von einem unabhängigen Labor wiederholt werden solten, bevor sie an die Öffentlichkeit gelangen. Der Skandal stellt die Machbarkeit des so genannten »therapeutischen Klonens«, die Herstellung von gesunden Ersatzzellen mithilfe von klonierten embryonalen Stammzellen, wieder infrage.

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