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Ein gutes neues Jahr

02.01.2006
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Ein gutes neues Jahr

Das Jahr 2006 wird ein spannendes Jahr für das Gesundheitswesen in Deutschland. Die Entscheidung über die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung steht an. Wird es eine Bürgerversicherung, eine Gesundheitsprämie oder - was im Moment am wahrscheinlichsten erscheint - eine Mischform der beiden Konzepte geben? Welche Auswirkungen das neue Finanzierungssystem auf die Apotheken haben wird, können auch Experten heute noch nicht abschätzen.

 

Angesichts der großen Umwägbarkeiten ist es offen, ob sich die gesundheitspolitische Diskussion und die öffentliche Aufmerksamkeit endlich von der Ausgaben- auf die Einnahmenseite verschieben wird. Dies wäre jedoch dringend notwendig, denn schon lange ist bekannt, dass die Gesetzliche Krankenversicherung kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmeproblem hat. Das vom Bundesgesundheitsministerium noch zum Ende des abgelaufenen Jahres vorgelegte Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftslichkeitsgesetz (AVWG) folgt noch der alten Strategie, dass sich die Krankenkassen ausschließlich über Einsparungen bei Arzneimitteln sanieren. Eine nachhaltige Sicherung der Versorgungssysteme bedarf eben auch der Neustrukturierung der Einnahmenseite. Immerhin ist in den vergangenen Tagen ein wenig Bewegung in die Diskussion gekommen. SPD und Union scheinen registriert zu haben, dass sie ihre Konzepte nicht gegen den Widerstand des Koalitionspartners durchsetzen können.

 

Aus meiner Sicht ist die Zeit reif, endlich ein für beide Seiten tragfähiges Konzept zu entwickeln, und die GKV-Finanzierung auf solide Beine zu stellen. Die politische Konstellation - große Koalition, Regierungsmehrheit im Bundesrat, die nächste Bundestagswahl in weiter Ferne - sollte die notwendige Sachlichkeit für eine zielführende Diskussion und eine sinnvolle Lösung bieten. Dass diese Lösung nicht populär sein kann, ist sicher. Schon heute steht fest, dass jeder Einzelne mehr Verantwortung für seine Gesundheit übernehmen muss. Bleibt zu hoffen, dass die Regierung ihre Verantwortung wahrnimmt und den Menschen in Deutschland ein neues Finanzierungssystem als einzigen Weg aus dem Debakel der Gesetzlichen Krankenversicherung erklärt. Auch dafür ist meines Erachtens die augenblickliche politische Konstellation eine gute Voraussetzung. Die Umstellung der GKV-Finanzierung wird nur gelingen, wenn sie von den Versicherten akzeptiert wird und sie wird nur dann akzeptiert, wenn die Regierung dieses neue Konzept als richtig und alternativlos darstellt. Der Versuchung, die Sorgen der Bevölkerung zur eigenen Profilierung auf Kosten des Koalitionspartners zu nutzen, müssen die Politiker unbedingt widerstehen.

 

Selbst wenn es tatsächlich zu einer Reform der GKV-Finanzierung kommt, wird natürlich auch die Ausgabenseite wieder auf den Prüfstand kommen. Beide Regierungsparteien wollen den Wettbewerb im Gesundheitswesen weiter forcieren. Ich hoffe, sie tun dies mit Augenmaß und einem frühzeitigen Blick auf die Konsequenzen. Wir werden sehen, welche Bilanz wir am Ende des Jahres 2006 ziehen können. Nach dem Motto, die Hoffnung stirbt zuletzt, bleiben wir optimistisch, dass die Reformen dieses Jahres selbstständigen Apothekerinnen und Apothekern sowie ihren Mitarbeitern mehr Ruhe und Planungssicherheit geben.

 

Ihnen wünscht die Redaktion der Pharmazeutischen Zeitung ein erfolgreiches Jahr, in der Hoffnung, dass Sie uns als treue und kritische Leser verbunden bleiben.

 

Professor Dr. Hartmut Morck

Chefredakteur

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