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Die Haut als Spiegel der Seele

07.01.2015  10:02 Uhr

PZ / Fast jeder dritte Hautpatient leidet auch unter psychischen Problemen, wie eine europäische Studie zeigt. Da­rauf weist die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin (DGPM) in einer Pressemitteilung hin und fordert, bei der Behandlung von Hautkrankheiten gleichzeitig auftretende seelische Erkrankungen stärker als bisher zu berücksichtigen.

 

Meistens sind Hautleiden genetisch veranlagt. Doch darüber, ob und wann sie ausbrechen, entscheiden viele Faktoren mit – vor allem auch die psychische Verfassung. Dies belegt auch eine neue europäische Studie, in der Wissenschaftler um Florence Dalgard von der Universität Oslo, Norwegen, in dreizehn Staaten insgesamt rund 3600 Menschen mit Hautkrankheiten befragt und untersucht haben. 29 Prozent der Patienten litten gleichzeitig auch an einer psychischen Erkrankung, berichten die Forscher im »Journal of Investigative Dermatology« (DOI: 10.1038/jid.2014.530).

 

Zum Vergleich: In der Kontrollgruppe, die aus 1400 Menschen ohne Hautkrankheiten bestand, lag dieser Anteil bei nur 16 Prozent. Die Forscher stellten außerdem fest, dass der Anteil von Menschen mit Depressionen unter den Hautpatienten mehr als doppelt so hoch war, und Angsterkrankungen oder Suizidgedanken 1,5-mal so häufig vorkamen wie in der Kontrollgruppe.

 

»In solch großem Umfang wurde der Zusammenhang von Haut- und psychischen Krankheiten bisher nicht nachgewiesen«, sagt Professor Dr. Uwe Gieler von der Universitäts-Hautklinik in Gießen, der an der Studie beteiligt war. »Wenn eine Hauterkrankung auf psychische Probleme zurückgeht, ist die Behandlung nur adäquat, wenn die psychischen Probleme erkannt und mitbehandelt werden«, betont Gieler in der Pressemitteilung. Vor allem bei allergischen Hauterkrankungen gebe es zunehmend Hinweise auf seelische Ursachen. »Neurodermitis kann sich durch belastenden Stress verschlimmern, unterdrückte Wut sich in Nesselsucht äußern«, erläutert der DGPM-Experte. Ursache sind höchstwahrscheinlich Neuropeptide, Botenstoffe, die der Körper in Stress-Situationen ausschüttet. Diese könnten durch die Nervenbahnen bis zu den Organen gelangen und dort Entzündungen verstärken.

 

»Gerade die Haut reagiert häufig als Überdruckventil der Seele«, so Gieler. In der deutschen Leitlinie Allergieprävention, an der Gieler mitarbeitete, findet sich erstmals der Bezug zu psychischen Leiden: Schwerwiegende Lebensereignisse, wie die Trennung der Eltern oder der Tod eines Elternteils, in der Schwangerschaft oder in der frühen Kindheit, erhöhen das Risiko für spätere allergische Erkrankungen der Kinder. Im Fall frühkindlicher Traumata könnte gegebenenfalls eine frühzeitige psychische Behandlung die Manifestation einer Allergie oder Hauterkrankung verhindern. /

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