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Epilepsie bei Kindern

Zulassung von Zonisamid erweitert

07.01.2014
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Von Maria Pues, Kehl-Kork / Epilepsie ist häufig. Neben Senioren erkranken vor allem Kinder und Jugendliche neu daran. Seit Kurzem ist auch das Antikonvulsivum Zonisamid bei Kindern zugelassen.

Das Zonisamid-haltige Mittel Zonegran® darf nun auch zur Zusatztherapie der Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen ab sechs Jahren mit fokalen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung zum Einsatz kommen. Darüber und über die Besonderheiten von Epilepsien bei Kindern und Jugendlichen informierten Professor Dr. Bernhard Steinhoff und Psychologe Dr. Hans Mayer, beide Epilepsiezentrum Kork, im Rahmen eines Fachpresseworkshops der Firma Eisai. Die zugrunde liegende Studie wurde im Fachjournal »Epilepsia« veröffentlicht (doi: 10.1111/epi.12233).

 

In der allgemeinen Bevölkerung beträgt die Prävalenz der Epilepsie etwa 0,5 bis 1 Prozent. Allerdings tritt sie nicht in allen Altersgruppen mit derselben Häufigkeit auf: Häufigkeitsgipfel finden sich bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Senioren. Unter dem Sammelbegriff Epilepsie finden sich Anfallsleiden mit unterschiedlicher Ausprägung und verschiedenen Pathomechanismen. Mit einem der bereits verfügbaren Antiepileptika (AED) lasse sich bei rund 70 Prozent der Patienten eine Verminderung der Anfälle oder eine völlige Anfallsfreiheit erreichen, informierte Steinhoff. Anders gesagt: Bei knapp einem Drittel der Patienten gelingt dies nicht, und es müssen andere und/oder weitere Arzneimittel versucht werden. Die Chance auf Anfallsfreiheit sinkt dabei.

 

Welche Pathomechanismen individuell die Anfallsneigung erhöhen, lässt sich meist nicht identifizieren. Infrage kommen neben einer genetischen Disposition, die zu Veränderungen an Ionenkanälen oder Transmittersystemen führt, auch verschiedene Stoffwechseldefekte sowie Hirnschäden, zum Beispiel nach Traumen. Zu einem Anfall kommt es bei synchronisierten Entladungen von Synapsen.

 

Die häufigste Anfallsart bei Kindern stellen fokale Anfälle dar (siehe Kasten). Je nach betroffenem Areal komme es durch die Epilepsie – aber auch durch manche Therapien – bei Kindern und Jugendlichen auch zu Veränderungen zum Beispiel des Lernvermögens oder Verhaltens, erläuterte Mayer. So beobachtete man in Studien eine Wiederzunahme des Intelligenzquotienten nach Absetzen von Valproat; Topiramat könne die Sprachproduktion vermindern. Als Folge der Epilepsie könnten Veränderungen des Verhaltens oder Lernvermögens auch nach Absetzen einer Therapie weiterbestehen. Mayer: »Ein Epilepsie-Kind bleibt ein Risikokind.«

 

Gefahr von Überhitzung und Austrocknung

 

Der Wirkmechanismus von Zonisamid ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Er beruht vermutlich auf einer Beeinflussung spannungsabhängiger Natrium- und Calciumkanäle, wodurch synchronisierte Entladungen unterbrochen und die Ausbreitung von Anfällen unterbunden werden. Bei der Eindosierung von Zonisamid gilt es, nicht zu schnell voranzuschreiten, da aufgrund der langen terminalen Halbwertszeit der Substanz von etwa 60 Stunden andernfalls mit additiven Effekten gerechnet werden muss. Patienten erscheinen dann meist ungewohnt ruhig bis schläfrig. Vor allem bei der Anwendung bei Kindern und Jugendlichen weist die Fachinformation zudem auf die Gefahr von Überhitzung und Austrocknung durch verminderte Schweißbildung hin. Eltern sollten da­rauf achten, dass es dem Kind nicht zu warm wird. Bei Hitze sollte es körperliche Anstrengungen meiden. Es sollte viel kaltes Wasser trinken. Eine Kombination mit Carboanhydrasehemmern oder Anticholinergika sollte vermieden werden. Zu Letzteren gehört auch Diphenhydramin, das es gegen (Reise-)Übelkeit und Erbrechen auch in Dosierungen für Kinder gibt. /

Epileptische Anfälle

Fokale epileptische Anfälle haben ihren Anfangsherd in einer begrenzten Hirnregion, sie können sich aber in der Folge über die gesamte Hirnrinde ausbreiten. Im Gegensatz hierzu sind bei generalisierten Anfällen keine Hinweise auf einen begrenzten Ursprungsort zu finden. Generalisierte Anfälle lassen sich in zwei Arten unterscheiden: die »kleineren« Petit-mal-Anfälle wie Absencen oder tonische Anfälle und der große generalisierte Anfall, der typische Grand-mal-Anfall. Bei diesem kommt es zu Bewusstseinsverlust, Stürzen, Verkrampfungen und rhythmischen Zuckungen der Glieder.

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