Pharmazeutische Zeitung online
Pharmazeutisch-technische Assistenten

In der Apotheke unentbehrlich

08.01.2013
Datenschutz bei der PZ

Von Berit Eyrich / Im Jahr 1968 wurde der Beruf des pharma­zeutisch-technischen Assistenten (PTA) ins Leben gerufen. Heute sind PTA aus der Apotheke nicht mehr wegzudenken, und die Zahl der Beschäftigten steigt derzeit noch stetig. Doch schon bald könnte beruflicher Nachwuchs fehlen.

Für die Schaffung des PTA-Berufes gab es seinerzeit gute Gründe: Zum einen stieg in den 1960er-Jahren der Bedarf an Apothekern so stark an, dass er aufgrund der beschränkten Zahl an Studienplätzen durch den Nachwuchs nicht mehr abgedeckt werden konnte. Zum anderen zeichnete sich eine Reform der Apothekerausbildung ab. Die zweijährige Praktikantenzeit vor Aufnahme des Pharmaziestudiums sollte zugunsten eines zwölfmonatigen Praktikums im Anschluss an die universitäre Ausbildung aufgegeben werden. Damit entfiel die Möglichkeit der Entlastung des Apothekers in dieser Form durch einen Praktikanten.

 

Arbeiten technischer Natur

 

Nach der amtlichen Begründung zum PTA-Gesetz wurde daher der Beruf des PTA geschaffen, »um dem Apotheker eine fachlich gut ausgebildete Kraft zur Seite zu stellen, die ihn bei Arbeiten vorwiegend technischer Natur entlasten und ihm die Möglichkeit geben soll, sich den Aufgaben zu widmen, die seiner wissenschaftlichen Ausbildung angemessen sind«.

Die PTA-Ausbildung gliedert sich in die zweijährige schulische Ausbildung an einer staatlich anerkannten PTA-Lehranstalt, ein vierwöchiges Praktikum, einen Erste-Hilfe-Kurs sowie die daran anschließende sechsmonatige praktische Ausbildung in einer Apotheke. Die Ausbildung schließt mit der staatlichen Prüfung ab, die in zwei Abschnitten – nach Ende des zweijährigen Lehrganges und im Anschluss an die praktische Ausbildung in der Apotheke – abzulegen ist.

 

Jedes Jahr beginnen etwa 4500 Schüler an den PTA-Schulen die Ausbildung – davon sind mehr als 91 Prozent weiblich. Die Schülerzahl ist seit Jahren bundesweit relativ konstant. Etwa 93 Prozent der Schulplätze sind derzeit besetzt. Im Schnitt kommen auf einen Platz etwa 1,6 Bewerber – an staatlichen Lehranstalten sind es 2,1 und an privaten Schulen 1,4 Bewerber. Von den 4500 PTA-Schülern im ersten Schuljahr beenden etwa 3500 die Ausbildung und erhalten am Ende die Erlaubnis, als PTA arbeiten zu dürfen. In öffentlichen Apotheken und Krankenhausapotheken arbeitet danach aber nur etwas mehr als die Hälfte – im Schnitt 1800 PTA. Die übrigen PTA schließen vermutlich an die Ausbildung das Pharmaziestudium an, gehen in Familienpause oder sind in anderen Tätigkeitsbereichen beschäftigt.

 

Etwa ein Drittel der bundesweit über 90 PTA-Lehranstalten ist in staatlicher und zwei Drittel in privater Trägerschaft. An den privaten Schulen wird ein monatliches Schulgeld erhoben, wobei die Höhe stark variiert. Einige Lehranstalten sowohl in staatlicher als auch privater Hand stehen wegen einer ungewissen Finanzierung vor existenziellen Nöten.

 

Im Jahr 1971 wurden die ersten PTA mit Berufserlaubnis in das Arbeitsleben entlassen. Das Rentenalter haben die damaligen Absolventen, die in der Regel um die 20 Jahre alt waren, bis auf Einzelfälle noch nicht erreicht. Erst ab dem Jahr 2016 ist damit zu rechnen, dass das altersbedingte Ausscheiden aus dem Beruf den seit vielen Jahren konstanten Zuwachs an berufstätigen PTA in der Apotheke bremsen wird.

 

Weniger Schulabsolventen

 

Im Jahr 2011 waren knapp 56 700 PTA in Apotheken beschäftigt. Bis zum Jahr 2016 werden es fast 66 000 PTA sein, wenn man von einem weiterhin jährlich konstanten Anstieg um etwa 1800 PTA ausgeht. Bei dem häufig konstatierten Mangel an Berufsnachwuchs ist das zumindest auf den ersten Blick keine ungünstige Situation. Allerdings hat die demografische Entwicklung den Beruf schon erreicht, und es müssen auch die potenziellen Schulabgängerzahlen beleuchtet werden.

 

Nach einer Prognose der Kultusministerkonferenz wird ausgehend vom Jahr 2005 bis zum Jahr 2020 die Zahl der Absolventen allgemeinbildender Schulen um durchschnittlich 19 Prozent zurückgehen (siehe Tabelle). Die Zahl der Hauptschulabsolventen wird um fast ein Drittel, die der Realschulabsolventen um ein Viertel sinken. Für die PTA-Ausbildung, für die mindestens ein Realschulabschluss benötigt wird, dürfte dies einen starken Einschnitt bedeuten. Schließlich haben fast zwei Drittel der PTA-Schüler diesen Schulabschluss, der Rest einen höheren, etwa die Allgemeine Hochschulreife.

Absolventen allgemeinbildender Schulen bis 2020

Schulabschluss 2005 2013 2020
Gesamt 959 055 929 050 780 750
Ohne Abschluss 78 379 63 100 56 270
Hauptschulabschluss 237 876 184 500 160 600
Realschulabschluss 399 449 338 200 299 300
Fachhochschulreife 12 243 15 370 12 600
Abitur 231 108 327 880 251 980

Eine gewisse Kompensation ist zwar möglicherweise durch Abiturienten zu erwarten, denn bis zum Jahr 2020 wird immerhin ein Absolventenzuwachs um 9 Prozent prognostiziert. Allerdings dürfte dies nicht ausreichen, um die zu erwartende rückläufige Zahl an Realschülern, die eine PTA-Ausbildung aufnehmen, zu kompensieren.

 

Bereits heute geben drei Viertel der befragten PTA-Schulen an, dass die Zahl der Bewerber für die Ausbildung sinkt. Bislang gibt es mit im Schnitt 1,6 Bewerbern pro Schulplatz zwar immer noch mehr Bewerber als Plätze, aber immer häufiger sind nach Aussagen von PTA-Schullehrern Bewerber nicht ausreichend geeignet und werden deshalb abgelehnt. Geeignete Bewerber hingegen halten sich häufig verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten offen und entscheiden sich teilweise doch für einen anderen Beruf.

 

Wettbewerb nimmt zu

 

Letztendlich wird der Wettbewerb mit anderen Branchen um den Berufsnachwuchs stark zunehmen. Geeignete Bewerber werden immer bessere Chancen haben, aus verschiedenen Angeboten ihren Wunschberuf zu wählen. Umso wichtiger wird es sein, den PTA-Beruf weiterhin attraktiv zu gestalten, um auch künftig genügend Berufsnachwuchs in der Apotheke zu haben.

 

Das Berufsbild der PTA ist eng mit den Vorgaben der Apothekenbetriebsordnung verbunden. Ihre Novellierung im Frühjahr dieses Jahres war für die Bundesapothekerkammer Anlass, sich auch mit der Aktualisierung der Ausbildung der PTA zu beschäftigen. Neben inhaltlichen Aspekten müssen dabei auch die Rahmenbedingungen diskutiert werden. Und bei jeder potenziellen Änderung der Ausbildungsstruktur müssen auch die Konsequenzen beachtet werden, die diese auf die bundesweite Ausbildung haben könnte.

 

Ein Punkt, der dabei schon seit Langem immer wieder diskutiert wird, ist die Verlängerung der Ausbildung auf drei Jahre. Da die Finanzierung der PTA-Schulen sehr unterschiedlich geregelt ist, ergibt sich allein bei dieser Frage ein heterogenes Meinungsbild. Denn jede Verlängerung der schulischen Ausbildung wäre mit einer Erhöhung der Kosten für PTA-Schulen und die Schüler verbunden. Und was für die eine PTA-Schule eine Steigerung der Attraktivität bedeuten würde, könnte die andere vor Existenzschwierigkeiten stellen.

 

Breiten Diskussionsstoff bieten das Berufsbild der PTA und dessen attraktive Ausgestaltung. Dabei geht es nicht nur um eine gute Qualifikation. Kom­petenzen, Aufstiegschancen, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, aber auch das Gehalt und die soziale Komponente wie Familienfreundlichkeit spielen ebenfalls eine große Rolle. Vieles davon hängt vom Apothekenleiter ab.

 

Die Diskussion über die Ausbildung und das Berufsbild der PTA hat gerade begonnen. Ziel muss es sein, diesen Beruf so attraktiv zu gestalten, dass sich auch zukünftig ausreichend Schulabgänger für diesen nicht nur entscheiden, sondern auch in dem Beruf bleiben. Denn eines ist unstrittig: PTA sind in der Apotheke unentbehrlich. /

Mehr von Avoxa