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Krankheitsdefinitionen

Aus ICD-10 wird ICD-11

Ende Mai wird die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf ihrer Jahresversammlung eine neue Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD) beschließen. Der Katalog enthält einige neue Positionen, die teilweise umstritten sind.
PZ/dpa
16.05.2019
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Die ICD ist ein international gebräuchliches Verzeichnis von Krankheiten, Symptomen und Verletzungsursachen, das rund 55.000 Positionen enthält und nun erstmals seit 30 Jahren neu gefasst wurde. Die Codes des ICD dienen Ärzten für die Registrierung ihrer Diagnosen. Die neue Version (ICD-11) werden die Mitglieder der WHO auf ihrer Jahresversammlung in Genf vom 20. bis 28 Mai formell verabschieden.

Damit können präzisere Statistiken erstellt und Gesundheitstrends besser dokumentiert werden, wie Robert Jakob, Gruppenleiter Klassifikationen (ICD) bei der WHO, im Vorfeld sagte. »So können Antibiotika-Resistenzen erfasst werden«, sagt Jakob. Ärzte könnten künftig bei der Diagnose »Lungenentzündung« präzisieren, dass bei einem Patient antibiotikaresistente Keime entdeckt wurden. »So lässt sich feststellen, wo die Entwicklung neuer Antibiotika besonders dringend ist«, sagt Jakob. Nach Angaben des deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation werden nach dem für Deutschland leicht modifizierten Katalog auch Behandlungen abgerechnet und Statistiken zu Todesursachen geführt.

Neu können Ärzte bei einer Blutung im Gehirn auch präzisieren, dass der Patient versehentlich ein Medikament überdosiert hatte. »Wenn sich herausstellt, dass bestimmte Mittel oft falsch eingenommen werden, kann man untersuchen, wie man dem vorbeugen kann«, sagt Jakob. Krankheiten sollen von den WHO-Mitgliedern ab Anfang 2022 nach dem neuen Katalog erfasst werden.

Neu werden auch die Codenummern 6C51 beziehungsweise 6C72 sein für krankhaftes Video- oder Online-Spielen beziehungsweise zwanghaftes Sexualverhalten. Die Aufnahme dieser Positionen in die ICD ist jedoch umstritten, weil die Diagnosen schwierig sind. Was genau darunter zu verstehen ist, wird in einem Zusatzhandbuch erklärt. Unter zwanghaftem Sexualverhalten könne unter anderem übermäßiger Pornokonsum oder Telefonsex zählen, sagte Jakob. Die Diagnose ist nach Definition von Fachleuten dann angebracht, wenn Betroffene intensive, wiederkehrende Sexualimpulse über längere Zeiträume nicht kontrollieren können und dies ihr Familien- oder Arbeitsleben oder das Sozialverhalten beeinflusst.

Gegen die Aufnahme von Video- und Onlinespielsucht hatte vor allem die Gaming-Industrie protestiert. Sie fürchtet, dass Menschen, die viel spielen, plötzlich als therapiebedürftig eingestuft werden. Die Problematik beginnt für die WHO, wenn ein Mensch über mehr als zwölf Monate alle anderen Aspekte des Lebens dem Spielen unterordnet oder wenn er seine Freunde verliert oder seine Körperhygiene vernachlässigt. Fachlich sei die Diagnose klar definiert, sagt Jakob. »Es gibt keinen Grund, solches pathologisches Spielen aus dem Katalog zu nehmen. Andererseits darf auch niemand, der einfach viel auf dem Computer oder Handy spielt, als krank bezeichnet werden.«

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