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Werke von Armin Mehling
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»... auf diesem Papier geschehen Wunder«

Ein Konvolut hochwertiger Arbeiten des Apothekers und Künstlers Armin Mehling (1924 bis 2008) konnte mit Unterstützung des Fördervereins Deutsches Apotheken­Museum e.V. für den Museumsbestand erworben werden. Die Sammlung umfasst etwa 60 kleine und großformatige Zeichnungen, Aquarelle und Collagen aus den Jahren 1967 bis 2002.
AutorKontaktClaudia Sachße
Datum 28.12.2021  09:00 Uhr

Lyrisch-abstrakt und sympathisch

Mehlings lyrisch-abstrakte Kunst steht in der Tradition der »Art Informel«, lässt sich jedoch in ihrer Individualität keiner klaren Schule zuordnen. Beckmann (1979), Richter (1968), Welling (1974) und weitere Kritiker attestierten ihm eine Nähe oder vielmehr Seelenverwandtschaft zu Künstlern wie Paul Klee (1879 bis 1940), Wassily Kandinsky (1866 bis 1944), Wols (Wolfgang Schulze, 1913 bis 1951) oder Julius Bissier (1893 bis 1965) – mit einem ebenso revolutionären Beitrag zur Modernen Kunst.

Mehlings Leben als Soldat, Musiker, Kunsthistoriker, Philosoph und Pharmazeut spiegelt sich in seiner Kunst. Die musikalische Erziehung prägte sein Empfinden für Klänge und Töne, kreative Dissonanzen und Harmonien. Als Apotheker beschäftigte er sich mit Aspekten der Naturwissenschaften, insbesondere mit deren Methoden und übersetzte sie in »Bilder«. Nicht zuletzt seine Kriegserlebnisse als sehr junger Mann arbeitete Mehling über die Jahrzehnte in kreativen Schüben auf. Seine Bilder strahlen kraftvolle Dynamik, aber auch Fragilität und spürbare Melancholie aus.

Er selbst bezeichnete seine Arbeiten als »Psychogramme«. Es sind keine schnellen Bilder, sondern lange Gedankenprozesse, die Arbeiten in Mischtechnik dauerten teils über Wochen und Monate. Die Hinwendung zur Kunst war eine existenzielle Überlebens- und Überwindungsstrategie – wenn auch unterbrochen von teils langen Phasen, in denen ihm das Malen physisch und psychisch unmöglich war. Aufgeladen mit Erfahrungen, Emotionen und Ereignissen war er ein Besessener, getrieben von innerer Notwendigkeit, dies alles zu Papier zu bringen – und »auf diesem Papier geschehen Wunder« (Redeker 1966).

Jenseits aller theoretischen Einbindung seiner Arbeit in die postmodernen Kunstströmungen: Betrachtet man die Miniaturen, ist man unmittelbar eingenommen. Die zurückhaltende bis explosive Ästhetik, die Farben und die vielfältig eingesetzten Techniken gefallen und berühren; seine Kunst ist »unendlich sympathisch« (Welling 1966). Der Quell immer anderer Bilder sprudelte über die Jahrzehnte: »Der deutsche Meister des kleinen Formats« (Galerie Haudenschild + Laubscher, Bern 1968) hat mehrere Tausend dieser kleinen Wunder geschaffen.

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