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Intervallfasten

Auch Dünne profitieren

Jeden zweiten Tag überhaupt nichts zu essen, wirkt Alterungsprozessen entgegen. Das zeigt jetzt eine Studie mit normalgewichtigen Teilnehmern. Unklar bleibt jedoch, ob das sogenannte Intervallfasten in dieser Hinsicht mehr bewirkt als eine Kalorienrestriktion ohne feste Fastentage.
Annette Mende
28.08.2019  17:00 Uhr

Intervallfasten ist momentan ein großer Diättrend. Das Prinzip ist einfach: Es gibt Zeiten, in denen der Fastende komplett oder weitgehend auf die Aufnahme von fester und flüssiger Nahrung verzichtet, und Zeiten, in denen er alles essen und trinken darf, was er möchte. Länge und Häufigkeit der jeweiligen Intervalle können dabei unterschiedlich sein. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung ist die häufigste Form die 5:2-Diät, bei der es zwei feste Fastentage pro Woche gibt und fünf Tage, an denen alles erlaubt ist.

Noch radikaler ist das alternierende Fasten (Alternate Day Fasting, ADF), bei dem alle zwei Tage möglichst gar keine Kalorien aufgenommen werden sollen. Diese Diätform untersuchte nun ein Forscherteam um Dr. Slaven Stekovic von der Universität Graz hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf verschiedene physiologische und molekulare Marker des Alterns. Ihre Ergebnisse präsentieren die Autoren im Fachjournal »Cell Metabolism«.

Die Intervention war zweigeteilt: Eine Gruppe von 30 Freiwilligen machte sechs Monate lang ADF und wurde mit 60 gesunden Kontrollpersonen verglichen. Im Anschluss daran wurden Letztere randomisiert 1:1 in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen die eine vier Wochen lang ADF machte und die andere sich weiter wie üblich ernährte. Eine Teilnahmevoraussetzung war, dass die Probanden nicht adipös waren. Sie hatten im Durchschnitt einen normalen Body-Mass-Index (BMI) von 25.

Obwohl die Teilnehmer in der ADF-Gruppe ja nur jeden zweiten Tag fasteten, glichen sie das an den Essenstagen offenbar nicht vollständig aus: Nach vier Wochen stand bei ihnen unter dem Strich ein Rückgang der aufgenommenen Kalorien um 37 Prozent und eine Gewichtsabnahme um durchschnittlich 3,5 kg (4,5 Prozent). Dabei reduzierte sich in der Hauptsache das als kardiovaskulärer Risikofaktor anerkannte Bauchfett und auch andere Herz-Kreislauf-Parameter wie Blutdruck und Puls wurden positiv beeinflusst. In der Vergleichsgruppe hatten die Teilnehmer ihre Energieaufnahme zwar auch um 8 Prozent reduziert, was jedoch nicht zu einer nennenswerten Gewichtsabnahme führte.

Auch über ein halbes Jahr hatte das Intervallfasten keine Nebenwirkungen. So blieb etwa ein negativer Effekt auf die Knochendichte aus und die Spiegel des Alters-assoziierten Entzündungsmarkers sICAM-1 sanken ebenso wie die des LDL-Cholesterols und des Schilddrüsenhormons Triiodthyronin. Dies könnte die Erklärung für die positiven Effekte des Intervallfastens sein, mutmaßen die Autoren. Frühere Studien hätten Hinweise darauf geliefert, dass hinter der verbesserten Herzgesundheit und der lebensverlängernden Wirkung durch die zeitweise Nahrungskarenz eine Herunterregulierung des Stoffwechsels durch die Schilddrüse stecken könnte.

Dies gilt jedoch auch für herkömmliche Diäten, bei denen die Reduktion der Kalorienmenge nicht durch bestimmte Fastenintervalle erreicht wird, sondern auf anderem Wege. Ein Manko der Studie ist, dass sie keine Vergleichsgruppe mit Personen auf einer solchen herkömmlichen Diät hatte. Um festzustellen, welche der beobachteten Effekte tatsächlich auf das Intervallfasten zurückgehen und welche schlicht auf die Kalorienreduktion, fordern die Autoren daher weitere Untersuchungen.

Für die Praxis lassen sich dennoch zwei wichtige Botschaften ableiten: Intervallfasten ist auch über einen Zeitraum von sechs Monaten sicher und führt zu Gewichtsreduktion und Verbesserung kardiovaskulärer Parameter. Wegen möglicher Auswirkungen auf die Schilddrüse sollte es jedoch nicht ohne ärztliche Kontrolle erfolgen.

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