| Brigitte M. Gensthaler |
| 05.05.2026 07:00 Uhr |
Wirksamkeit und Sicherheit von Depemokimab bei Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma mit einer Typ-2-Entzündung wurden in den beiden Studien SWIFT-1 und -2 geprüft. Aufgenommen wurden 792 Patienten ab zwölf Jahren; die vollständige Analyse umfasste 762 Teilnehmer. Davon erhielten 502 Depemokimab und 260 Placebo, jeweils als Add-on-Therapie über 52 Wochen, also insgesamt zwei Dosen.
Die jährliche Rate an Asthma-Exazerbationen war unter Depemokimab signifikant niedriger als unter Placebo: 0,46 versus 1,11 in SWIFT-1 und 0,56 versus 1,08 in SWIFT-2. Unter Verum mussten deutlich weniger Patienten wegen einer Exazerbation ins Krankenhaus oder in eine Notaufnahme (1 versus 4 Prozent). Der Anteil der Patienten mit unerwünschten Ereignissen war in beiden Studien in beiden Gruppen ähnlich.
Patienten, die eine der Studien abgeschlossen hatten, konnten an der offenen Verlängerungsstudie AGILE teilnehmen, in der sie über weitere 52 Wochen bis zu zwei Dosen Depemokimab erhielten. Laut Fachinformation ergab sich eine jährliche Exazerbationsrate von 0,56.
Der Hauptnachweis für die Wirksamkeit bei schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen basiert auf den Phase-III-Studien ANCHOR-1 und -2 mit 528 Patienten. Unter Depemokimab erreichten die Patienten bei beiden primären Endpunkten, dem Gesamt-Nasenpolypen-Score sowie auf der Bewertungsskala für die nasale Obstruktion, statistisch signifikante Verbesserungen gegenüber Placebo. Die unerwünschten Ereignisse waren in beiden Studien in beiden Armen ähnlich.
Da das Verum die Größe und Obstruktion von Nasenpolypen deutlich reduzierte, sank auch die Zahl der Patienten, die eine Nasenoperation oder eine andere Erhaltungstherapie mit Wirkung auf eine Typ-2-Inflammation benötigten (29 Prozent Risikoreduktion).
Die häufigsten Nebenwirkungen von Depemokimab sind lokale Reaktionen an der Injektionsstelle (2 Prozent), zum Beispiel Schmerzen, Erythem, Schwellungen oder Juckreiz.
Aus Sicherheitsgründen sollte Depemokimab in der Schwangerschaft nicht gegeben werden. Da IgG-Antikörper in den ersten Tagen nach der Geburt in die Muttermilch übergehen; kann in dieser Zeit ein Risiko für den gestillten Säugling nicht ausgeschlossen werden. Falls erforderlich, kann Depemokimab anschließend in der Stillzeit angewendet werden.
Das Präparat Exdensur ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern, darf nicht gefroren und geschüttelt werden. Fertigpen und Fertigspritze können im ungeöffneten Umkarton bis zu sieben Tage lang bei Raumtemperatur (bis zu 30 °C) und vor Licht geschützt aufbewahrt werden. Nach Öffnen des Umkartons muss Exdensur innerhalb von acht Stunden verabreicht werden.
Für die Typ-2-Inflammation spielt Interleukin-5 (IL-5) eine wichtige Rolle. Bei schwerem Asthma sowie bei chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (Chronic Rhinosinusitis with Nasal Polyposis, CRSwNP) ist dieser Entzündungstyp oft nachweisbar.
Gegen IL-5 oder den IL-5-Rezeptor gerichtete Therapeutika wie Mepolizumab, Reslizumab und Benralizumab sind bereits seit Längerem verfügbar. Das Target von Depemokimab ist damit alles andere als innovativ. Auch hinsichtlich des Anwendungsgebietes bringt der Neuling keinen Fortschritt. Der ebenfalls aus dem Hause GSK stammende Antikörper Mepolizumab darf bei schwerem eosinophilem Asthma beispielsweise schon ab einem Alter von sechs Jahren zum Einsatz kommen – Depemokimab erst ab zwölf Jahren. Zudem ist Mepolizumab bei weiteren Erkrankungen zugelassen, unter anderem auch bei COPD.
Dennoch kann Depemokimab vorläufig als Schrittinnovation eingestuft werden. Der Antikörper ist so konzipiert, dass er eine besonders hohe Affinität zum neonatalen Fc-Rezeptor (FcRn) aufweist. Dieser intrazelluläre Rezeptor ist an einem Recyclingprozess beteiligt. Bindet Depemokimab an den FcRn, wird es vor dem lysosomalen Abbau geschützt, was die Halbwertszeit deutlich verlängert. Das neue Biologikum hat somit eine ultralange Wirkung und muss nur zweimal pro Jahr appliziert werden. Das dürften viele Patienten schätzen und als Vorteil gegenüber anderen Biologika sehen.
Sven Siebenand, Chefredakteur