| Brigitte M. Gensthaler |
| 05.05.2026 07:00 Uhr |
Für Patienten mit schwerem unkontrollierten Asthma gibt es mit Depemokimab einen neuen Antikörper als Add-on-Therapeutikum. / © Adobe Stock/RFBSIP
Depemokimab (Exdensur® 100 mg Injektionslösung im Fertigpen oder in einer Fertigspritze, Glaxo-Smith-Kline) ist ein rekombinanter humanisierter monoklonaler IgG1-Antikörper. Er ist indiziert als zusätzliche Erhaltungstherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren mit schwerem Asthma mit Typ-2-Inflammation, das trotz Gabe von hoch dosierten inhalativen Corticosteroiden (ICS) plus einem weiteren Arzneimittel zur Asthma-Erhaltungstherapie unzureichend kontrolliert ist. Zudem wird der neue Antikörper eingesetzt als Zusatztherapie zu ICS zur Behandlung von Erwachsenen mit schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP), die mit systemischen Corticosteroiden und/oder einem chirurgischen Eingriff nicht ausreichend kontrolliert werden kann.
In beiden Indikationen wird eine Dosis von 100 mg Depemokimab empfohlen, die per Fertigpen oder Fertigspritze subkutan alle sechs Monate gespritzt wird, vorzugsweise in Bauch-, Oberschenkel oder Oberarm. Ungeeignet sind Hautareale, die verletzt, empfindlich, gerötet oder hart sind. Die Applikation kann der Patient oder eine betreuende Person nach einer Schulung selbst vornehmen.
Nach der Gabe von Depemokimab sind Überempfindlichkeitsreaktionen wie Anaphylaxie und Angioödem möglich, die symptomatisch behandelt werden. Diese Reaktionen können innerhalb von Stunden, aber auch verzögert nach Tagen auftreten. Die nächste Dosis soll unter Überwachung gespritzt werden. Bei schweren oder wiederkehrenden Reaktionen ist ein Abbruch der Behandlung zu erwägen.
Depemokimab bindet an humanes Interleukin-5 (IL-5) und blockiert dadurch dessen Bindung an den auf der Zelloberfläche exprimierten Rezeptor IL-5Rα. IL-5 gilt als wichtiges Zytokin bei der Typ-2-Inflammation, die mit einer erhöhten Eosinophilenzahl im Blut einhergeht. Diese Art der Entzündung ist bei der Mehrzahl der Patienten mit schwer behandelbarem Asthma und bei bis zu 80 Prozent der Menschen mit chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen nachweisbar.
Die Gabe des IL-5-Antikörpers Depemokimab reduziert die Eosinophilenzahl schnell und anhaltend. Dies lindert Entzündungen und bessert die Symptome. Nachgewiesen wurden eine verbesserte Integrität des Epithels, eine verringerte Schleimpfropfbildung und ein reduzierter Gewebeumbau.
Bei Depemokimab ist die Aminosäuresequenz in der kristallisierbaren Fragmentregion (Fc) dreifach modifiziert, was die Bindung an den neonatalen Fc-Rezeptor (FcRn) erhöht. Dieser intrazelluläre Rezeptor ist an einem für IgG-Antikörper spezifischen Recyclingprozess beteiligt. Bindet Depemokimab an den FcRn, wird es vor dem lysosomalen Abbau geschützt, was die Halbwertszeit im Vergleich zum IgG1-Wildtypmolekül deutlich verlängert und die halbjährliche Applikation ermöglicht.
Wirksamkeit und Sicherheit von Depemokimab bei Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma mit einer Typ-2-Entzündung wurden in den beiden Studien SWIFT-1 und -2 geprüft. Aufgenommen wurden 792 Patienten ab zwölf Jahren; die vollständige Analyse umfasste 762 Teilnehmer. Davon erhielten 502 Depemokimab und 260 Placebo, jeweils als Add-on-Therapie über 52 Wochen, also insgesamt zwei Dosen.
Die jährliche Rate an Asthma-Exazerbationen war unter Depemokimab signifikant niedriger als unter Placebo: 0,46 versus 1,11 in SWIFT-1 und 0,56 versus 1,08 in SWIFT-2. Unter Verum mussten deutlich weniger Patienten wegen einer Exazerbation ins Krankenhaus oder in eine Notaufnahme (1 versus 4 Prozent). Der Anteil der Patienten mit unerwünschten Ereignissen war in beiden Studien in beiden Gruppen ähnlich.
Patienten, die eine der Studien abgeschlossen hatten, konnten an der offenen Verlängerungsstudie AGILE teilnehmen, in der sie über weitere 52 Wochen bis zu zwei Dosen Depemokimab erhielten. Laut Fachinformation ergab sich eine jährliche Exazerbationsrate von 0,56.
Der Hauptnachweis für die Wirksamkeit bei schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen basiert auf den Phase-III-Studien ANCHOR-1 und -2 mit 528 Patienten. Unter Depemokimab erreichten die Patienten bei beiden primären Endpunkten, dem Gesamt-Nasenpolypen-Score sowie auf der Bewertungsskala für die nasale Obstruktion, statistisch signifikante Verbesserungen gegenüber Placebo. Die unerwünschten Ereignisse waren in beiden Studien in beiden Armen ähnlich.
Da das Verum die Größe und Obstruktion von Nasenpolypen deutlich reduzierte, sank auch die Zahl der Patienten, die eine Nasenoperation oder eine andere Erhaltungstherapie mit Wirkung auf eine Typ-2-Inflammation benötigten (29 Prozent Risikoreduktion).
Die häufigsten Nebenwirkungen von Depemokimab sind lokale Reaktionen an der Injektionsstelle (2 Prozent), zum Beispiel Schmerzen, Erythem, Schwellungen oder Juckreiz.
Aus Sicherheitsgründen sollte Depemokimab in der Schwangerschaft nicht gegeben werden. Da IgG-Antikörper in den ersten Tagen nach der Geburt in die Muttermilch übergehen; kann in dieser Zeit ein Risiko für den gestillten Säugling nicht ausgeschlossen werden. Falls erforderlich, kann Depemokimab anschließend in der Stillzeit angewendet werden.
Das Präparat Exdensur ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern, darf nicht gefroren und geschüttelt werden. Fertigpen und Fertigspritze können im ungeöffneten Umkarton bis zu sieben Tage lang bei Raumtemperatur (bis zu 30 °C) und vor Licht geschützt aufbewahrt werden. Nach Öffnen des Umkartons muss Exdensur innerhalb von acht Stunden verabreicht werden.
Für die Typ-2-Inflammation spielt Interleukin-5 (IL-5) eine wichtige Rolle. Bei schwerem Asthma sowie bei chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (Chronic Rhinosinusitis with Nasal Polyposis, CRSwNP) ist dieser Entzündungstyp oft nachweisbar.
Gegen IL-5 oder den IL-5-Rezeptor gerichtete Therapeutika wie Mepolizumab, Reslizumab und Benralizumab sind bereits seit Längerem verfügbar. Das Target von Depemokimab ist damit alles andere als innovativ. Auch hinsichtlich des Anwendungsgebietes bringt der Neuling keinen Fortschritt. Der ebenfalls aus dem Hause GSK stammende Antikörper Mepolizumab darf bei schwerem eosinophilem Asthma beispielsweise schon ab einem Alter von sechs Jahren zum Einsatz kommen – Depemokimab erst ab zwölf Jahren. Zudem ist Mepolizumab bei weiteren Erkrankungen zugelassen, unter anderem auch bei COPD.
Dennoch kann Depemokimab vorläufig als Schrittinnovation eingestuft werden. Der Antikörper ist so konzipiert, dass er eine besonders hohe Affinität zum neonatalen Fc-Rezeptor (FcRn) aufweist. Dieser intrazelluläre Rezeptor ist an einem Recyclingprozess beteiligt. Bindet Depemokimab an den FcRn, wird es vor dem lysosomalen Abbau geschützt, was die Halbwertszeit deutlich verlängert. Das neue Biologikum hat somit eine ultralange Wirkung und muss nur zweimal pro Jahr appliziert werden. Das dürften viele Patienten schätzen und als Vorteil gegenüber anderen Biologika sehen.
Sven Siebenand, Chefredakteur