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ARZNEISTOFFE

Netupitant|Akynzeo®|14|2015

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STOFFGRUPPE
14 Antiemetika/Antivertiginosa
WIRKSTOFF
Netupitant
FERTIGARZNEIMITTEL
Akynzeo®
HERSTELLER

Riemser

MARKTEINFÜHRUNG (D)
08/2015
DARREICHUNGSFORM

300 mg Netupitant/0,5 mg Hartkapseln Palonosetron

Indikationen

Akynzeo ist zur Prävention von akuter und verzögert auftretender Übelkeit und Erbrechen aufgrund stark oder mäßig emetogener Chemotherapie zugelassen. Die Behandlung von Übelkeit und Erbrechen nach einer Chemotherapie stellt dagegen kein Anwendungsgebiet dar.

Wirkmechanismus

Akynzeo enthält zum einen den bekannten 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten Palonosetron (0,5 mg). Kombiniert ist er in den Kapseln mit dem neuen Wirkstoff Netupitant (300 mg). Dies erlaubt, sowohl die frühe als auch die verzögerte Phase von Übelkeit und Erbrechen nach einer Chemo­therapie zu kontrollieren. Setrone blockieren Rezeptoren, die für die frühe Phase verantwortlich sind. Netupitant ist dagegen ein selektiver Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonist. Verzögert auftretende Emesis wird mit der Aktivierung dieser Rezeptoren durch Substanz P in Zusammenhang gebracht.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosierung beträgt eine Kapsel Akynzeo etwa eine Stunde vor Beginn jedes Chemotherapie-Zyklus. Sie ist im Ganzen zu schlucken. Patienten können sie zu einer Mahlzeit oder unabhängig davon einnehmen. Die empfohlene orale Dexamethason-Dosis ist bei gleichzeitiger Anwendung von Akynzeo laut Fachinformation auf etwa die Hälfte zu reduzieren.

Wichtige Wechselwirkungen

Akynzeo sollte nur mit Vorsicht angewendet werden, wenn gleichzeitig Substanzen oral eingenommen werden, die durch CYP3A4 metabolisiert werden und eine geringe therapeutische Breite haben, etwa Ciclosporin, Tacrolimus, Sirolimus, Everolimus, Alfentanil, Diergot­amin, Ergotamin, Fentanyl und Chinidin. Netupitant ist ein mäßiger CYP3A4-Inhibitor. Er kann daher auch die Exposition gegenüber Chemotherapeutika erhöhen, die CYP3A4-Substrate sind, zum Beispiel Docetaxel. Daher sollten die Patienten daraufhin überwacht werden, ob es unter Chemotherapeu­tika, die CYP3A4-Substrate sind, vermehrt zu toxischen Wirkungen kommt. Zudem kann Netupitant die Wirksamkeit von Chemotherapeutika beeinträchtigen, zu deren Aktivierung eine Metabolisierung durch CYP3A4 erforderlich ist. Zur Vorsicht wird geraten, wenn Netupitant zusammen mit einem oralen Substrat des Enzyms UGT2B7, etwa Zidovudin, Morphin oder Valproinsäure, zum Einsatz kommt. Ebenso ist es, wenn Netupitant zusammen mit Digoxin oder anderen P-GP-Substraten wie Dabigatran oder Colchicin kombiniert wird.

 

Da Akynzeo ein Setron enthält, ist auch bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern, Vorsicht geboten.

 

Netupitant selbst wird in erster Linie durch CYP3A4 metabolisiert. Daher kann die gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln, die die CYP3A4-Aktivität hemmen oder induzieren, die Plasmakonzentrationen von Netupitant beeinflussen. Bei gleichzeitiger Anwendung starker CYP3A4-Inhibitoren ist daher Vorsicht geboten, und die gleichzeitige Anwendung starker CYP3A4-Induktoren ist zu vermeiden.

Nebenwirkungen

Häufig traten in den Studien unter Akynzeo Kopfschmerzen (3,6 Prozent), Obstipation (3,0 Prozent) und Ermüdung (1,2 Prozent) auf.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Während der Schwangerschaft ist Akynzeo kontraindiziert. Die Anwendung von Akynzeo wird nicht empfohlen bei hämodialysepflichtigen Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz. Vorsicht geboten ist auch bei eingeschränkter Leberfunktion und bei Über-75-Jährigen. Da Akynzeo ein Setron enthält, ist auch bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern, beziehungsweise bei Patienten, bei denen das QT-Intervall verlängert ist oder die zur Entwicklung einer Verlängerung des QT-Intervalls neigen, Vorsicht geboten. Zudem muss wie bei anderen serotonergen Arzneimitteln auch bei Akynzeo die Möglichkeit eines Serotonin-Syndroms in Betracht gezogen werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In einer randomisierten Doppelblindstudie wurden Wirksamkeit und Sicherheit von Einmalgaben von oral angewendetem Netupitant in Kombination mit oral angewendetem Palonosetron bei Krebspatienten, die eine Chemotherapie unter Einschluss von Cisplatin erhielten, mit einer oralen Einmalgabe von Palonosetron verglichen. 135 Patienten erhielten Akynzeo, 136 Patienten wurden allein mit 0,5 mg Palonosetron behandelt. Primärer Wirksamkeitsendpunkt war die Rate des kompletten Ansprechens, definiert als keine Emesis-Episoden und keine Notfallmedikation, innerhalb von 120 Stunden nach Beginn dieser stark emetogenen Chemotherapie. Dieser wurde in der Akynzeo-Gruppe von 90 Prozent der Patienten erreicht, unter Palono­setron allein in 77 Prozent der Fälle.

 

Eine zweite randomisierte Doppelblindstudie untersuchte Wirksamkeit und Sicherheit von Akynzeo versus Palonosetron alleine bei mehr als 1400 Patienten, die sich einer mäßig emetogenen Chemotherapie unterzogen. Zusätzlich wurden diese Patienten mit Dexamethason behandelt. Primärer Endpunkt war hier das komplette Ansprechen in der verzögerten Phase, das heißt 25 bis 120 Stunden nach Beginn der Chemotherapie. Dies erreichten 77 Prozent der Patienten unter Akynzeo und 70 Prozent der Patienten unter Palonosetron allein. 

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Akynzeo sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.

Akynzeo ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Netupitant

Netupitant

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Netupitant.wrl

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter dürfen unter der Behandlung mit Akynzeo nicht schwanger werden. Bei allen prämenopausalen Frauen ist vor Behandlungsbeginn ein Schwangerschaftstest durchzuführen, und Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis zu einem Monat nach Behandlung mit Akynzeo eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.

 

Die Anwendung von Akynzeo ist während der Schwangerschaft kontraindiziert. In der Stillzeit sollte es nicht eingenommen werden. Es wird empfohlen, das Stillen während der Behandlung mit dem Präparat und für einen Monat nach der letzten Dosis zu unterbrechen. 

Packshot

Letzte Aktualisierung: 29.04.2016