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ARZNEISTOFFE

Tafamidis|Vyndaqel®|66|2011

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STOFFGRUPPE
66 Neuropathiepräparate und andere neurotrope Mittel
WIRKSTOFF
Tafamidis
FERTIGARZNEIMITTEL
Vyndaqel®
HERSTELLER

Pfizer

MARKTEINFÜHRUNG (D)
12/2011
DARREICHUNGSFORM

20 mg Weichkapseln entsprechend 12,2 mg Tafamidis-Base

Indikationen

Mit Vyndaqel ist erstmalig ein Arzneimittel zur Behandlung der seltenen Erkrankung familiäre Amyloid-Polyneuropathie vom Transthyretin-Typ (TTR-FAP, siehe auch Hintergrundinformationen) auf den Markt gekommen. Indiziert ist das Orphan Drug bei erkrankten Erwachsenen mit symptomatischer Polyneuropathie im Stadium 1.

Wirkmechanismus

Vyndaqel ist das erste Arzneimittel, das ein Fortschreiten peripherer neurologischer Störungen bei Patienten mit TTR-FAP verzögern kann. Es wirkt als spezifischer Transthyretin-Stabilisator und verhindert dadurch, dass instabiles TTR gebildet wird. TTR ist aus vier identischen Untereinheiten aufgebaut. Seine Aufgabe besteht unter anderem darin, das Schilddrüsenhormon Thyroxin durch die Blutbahn zu transportieren. In seiner tetrameren Form kann es nicht verklumpen. Erst wenn das Tetramer in die vier einzelnen Monomere dissoziiert und diese partiell denaturieren, sind sie anfällig für die Bildung von Aggregaten. Tafamidis bindet nicht-kooperativ an die beiden Thyroxin-Bindungsstellen der nativen tetrameren Form von TTR und verhindert so die Aufspaltung in die Monomere.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von Vyndaqel beträgt einmal täglich 20 mg. Die Einnahme kann mit oder ohne Nahrung erfolgen. Wichtig ist, dass die Weichkapsel als Ganzes geschluckt und nicht zerdrückt oder durchgeschnitten wird.

Wichtige Wechselwirkungen

Tafamidis interagiert nicht oder kaum mit den Enzymen des Cytochrom-P-450-Systems. Allerdings könnte es über manche Transportsysteme zu Wechselwirkungen kommen. So hemmte Tafamidis in In-vitro-Untersuchungen den Efflux-Transporter BCRP (Breat-Cancer-Resistant-Protein) und könnte die Wirkung von dessen von Substraten (zum Beispiel Methotrexat, Rosuvastatin oder Imatinib) beeinflussen. Es hemmte außerdem die Anionen-Transporter OAT1 und OAT3. Dies könnte die Wirkung unter anderem von nicht steroidalen Antirheumatika, Furosemid oder Oseltamivir verändern.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen in Studien zu Vyndaqel waren im Allgemeinen leicht bis mittelschwer ausgeprägt. Sehr häufig wurden bei den Infektionen und parasitären Erkrankungen Harnwegsinfekte und Vaginalinfekte berichtet sowie bei den Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes Diarrhö und Oberbauchschmerzen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Vyndaqel beruht auf den Ergebnissen der Studien Fx-005 und Fx-006. Fx-005 war eine 18-monatige, randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie mit 128 TTR-FAP-Patienten, die sich überwiegend im Stadium 1 befanden. Sie erhielten einmal täglich 20 mg Tafamidis. Als primärer Endpunkt wurde zum einen der sogenannte Neuropathy Impairment Score-Lower Limbs (NIS-LL) herangezogen. Dabei handelt es sich um eine vom Arzt vorgenommene Beurteilung anhand einer neurologischen Untersuchung der unteren Gliedmaßen. Zum anderen sollten die Patienten selbst ihre Gesamtlebensqualität gemäß Norfolk QOL-DN (Norfolk Quality of Life – Diabetic Neuropathy) beurteilen. Sekundäre Endpunkte umfassten kombinierte Scores der Funktion der großen Nervenfasern (Maß für die Muskelkraft) und der kleinen (Maß für die Sinnesempfindung) sowie Beurteilungen des Ernährungszustands gemäß modifiziertem Body-Mass-Index. Nach 18-monatiger Behandlung waren in der Tafamidis-Gruppe mehr NIS-LL-Responder, das heißt Patienten, bei denen anhand des NIS-LL eine geringere Verschlechterung der neurologischen Funktion festgestellt wurde, als in der Placebogruppe. Bezüglich der sekundären Endpunkte zeigte sich, dass verglichen mit Placebo die Patienten in der Tafamidis-Gruppe eine geringere Verschlechterung der neurologischen Funktion und einen verbesserten Ernährungszustand aufwiesen. Die Stabilisierung von Transthyretin wurde bei 98 Prozent der Patienten unter Einnahme von Tafamidis und bei keinem Patienten unter Einnahme von Placebo nach 18 Monaten beobachtet (gezeigt durch In-vitro-Nachweis). 86 der 91 Patienten, die die 18-monatige Behandlungsphase absolvierten, traten anschließend in eine unverblindete 12-monatige Verlängerungsstudie ein (Fx-006), mit der die Langzeitsicherheit und -wirksamkeit beurteilt werden sollte. Alle Probanden erhielten einmal täglich 20 mg Tafamidis. Die Auswertung erfolgte unter Berücksichtigung der Behandlungssequenz, die die Studienteilnehmer vorab in Fx-005 bekommen hatten (Tafamidis-Tafamidis oder Placebo-Tafamidis). Es fand sich eine vergleichbare Veränderung des NIS-LL wie bei den Patienten, die in der vorangegangenen doppelblinden 18-monatigen Studie randomisiert der Behandlung mit Tafamidis zugewiesen worden waren. Neue Sicherheitsaspekte ergaben sich nicht.

Hintergrundinfos

Die familiäre Amyloid-Polyneuropathie vom Transthyretin-Typ (TTR-FAP) ist eine progrediente und tödlich verlaufende neurodegenerative Erkrankung. Weltweit sind etwa rund 8000 Menschen betroffen; in Schweden und Portugal finden sich Häufungen. Die Erkrankung entsteht durch Mutationen im Transthyretin (TTR)-Gen, wobei hier die häufigste Mutation die Punktmutation V30M ist. Als Folge wird instabiles TTR gebildet, das sich zu Amyloidfibrillen ansammelt, die sich in unterschiedlichen Organen ablagert. So zum Beispiel in den Nerven, Nieren oder im Herzen. Die Lebensqualität von den Betroffenen ist aufgrund der auftretenden Symptome deutlich eingeschränkt. So leiden sie unter Sensibilitätsstörungen, Schmerzen und Schwäche in den unteren Gliedmaßen, Erektionsstörungen, abwechselnden Episoden von Diarrhö und Obstipation, unbeabsichtigter Gewichtsreduktion, orthostatischer Hypotonie, Harninkontinenz, Harnverhalt und verzögerter Magenentleerung. Häufig verlieren die Betroffenen bei Fortschreiten der Erkrankung ihre Gehfähigkeit und sind auf den Rollstuhl angewiesen, werden letztendlich bettlägerig und können sich nicht mehr selbst versorgen. Üblicherweise tritt TTR-FAP im Alter zwischen 30 und 40 Jahren auf. Anschließend schreitet die Erkrankung langsam fort. Das Endstadium ist nach durchschnittlich etwa zehn Jahren erreicht.

Besonderheiten

Vyndaqel ist bei Temperaturen nicht über 25 °C zu lagern.
Vyndaqel ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Tafamidis

Tafamidis

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Tafamidis.wrl

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Dauer der Therapie mit Vyndaqel sowie einen Monat nach deren Beendigung eine Schwangerschaft zuverlässig verhüten. Tierexperimentelle Untersuchungen zeigten eine Reproduktionstoxizität; sie zeigten außerdem, dass der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht. In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Tafamidis daher nicht angewendet werden.

Letzte Aktualisierung: 21.02.2017