Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

WIdO-Analyse
-
Arzneimittelausgaben steigen 2027 um bis zu 2,8 Prozent

Die Arzneimittelausgaben dürften laut dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) im kommenden Jahr um 2,2 bis 2,8 Prozent steigen. Im Vergleich zu den Vorjahren wäre das ein schwacher Anstieg, der laut dem WIdO aber nur eintritt, wenn das GKV-Spargesetz konsequent umgesetzt wird.
AutorKontaktPZ
Datum 04.11.2026  14:30 Uhr

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) erwartet für 2027 einen Anstieg der Arzneimittel-Nettokosten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) um 2,2 bis 2,8 Prozent. Das geht aus einer Pressemitteilung des AOK-Bundesverbands hervor. Verglichen mit den vergangenen Jahren dürfte sich das Ausgabenwachstum unter dem Einfluss des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (GKV-BStabG) deutlich abschwächen. Insbesondere der zusätzliche Herstellerabschlag soll die Krankenkassen demnach um knapp 2,5 Milliarden Euro entlasten.

Unabhängig davon bleiben die strukturellen Ursachen stark steigender Arzneimittelausgaben laut der AOK bestehen. Das WIdO sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Preisbildung neuer Arzneimittel – auch unter dem wachsenden internationalen Druck durch die US-Arzneimittelpolitik. »Die absehbare kurzfristige Drosselung der Ausgabendynamik im kommenden Jahr ist noch keine dauerhafte Lösung. Sie verschafft uns nur etwas Zeit. Diesen Spielraum müssen wir jetzt für eine Reform der Arzneimittelpreisbildung nutzen«, so WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder.

Spargesetz bremst Kostenanstieg

Die vom WIdO prognostizierte Ausgabensteigerung von 2,2 bis 2,8 Prozent tritt nur ein, wenn die kurzfristigen Kostendämpfungsmaßnahmen des GKV-BStabG vollständig wirksam werden. So kommt ab Januar 2027 für große Teile des Patentmarktes zum allgemeinen Herstellerabschlag von sieben Prozent ein zusätzlicher Abschlag von 8,5 Prozent hinzu. Für die davon betroffenen Arzneimittel ergibt sich damit ein Gesamtabschlag von 15,5 Prozent, der die Arzneimittelkosten der GKV um insgesamt etwa 2,5 Milliarden Euro entlasten würde.

WIdO-Chef Schröder erklärt: »Dieser Abschlag kann den Ausgabenanstieg temporär zwar einbremsen, eine dauerhaft geringere Wachstumsrate gewährleistet er jedoch nicht. Ohne strukturelle Anpassungen werden neue hochpreisige Therapien, zusätzliche Anwendungsgebiete und größere behandelte Patientengruppen die Kosten wie in den letzten Jahrzehnten weiterhin nach oben treiben.«

Zusätzliche Unsicherheit über das Einsparpotenzial ist laut der AOK durch die Diskussion um die sogenannte Standortklausel entstanden. Vorgesehen ist, dass sich Hersteller für den Standortrabatt qualifizieren können, wenn sie einen bestimmten Anteil der klinischen Prüfungen in Deutschland durchführen. Darüber hinaus sollen Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsaktivitäten berücksichtigt werden und Unternehmen eine teilweise oder vollständige Freistellung von zusätzlichen Herstellerrabatten ermöglichen. Je weiter diese Ausnahmen reichen, desto geringer fällt die Entlastung für die GKV aus.

Die AOK beklagt außerdem, dass die Finanzierung der Standortklausel noch ungeklärt sei. »Wer Unternehmen aus industriepolitischen Gründen vom Abschlag befreit, muss auch die Finanzierung klären. Standortförderung als staatliche Aufgabe sollte nicht auf einer offenen Rechnung für die Beitragszahlenden, Arbeitgeber und Rentenversicherung beruhen«, betont Helmut Schröder.

Mehr von Avoxa