| Melanie Höhn |
| 10.07.2026 13:30 Uhr |
Arzneimittel- und Medizinprodukte werden in einem gemeinsamen Eckpunktepapier von BKK, ABDA und anderen als ein zentraler Ansatzpunkt für mehr Nachhaltigkeit gesehen. / © Imago Images/imagebroker
Nachhaltigkeit ist kein Nebenthema, sondern ein strategischer Rahmen für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens und müsse »gerade jetzt« für die anstehenden Strukturreformen mitgedacht und »fest verankert« werden, sagte Martin König, Stabsstellenleiter Nachhaltigkeit beim BKK-Dachverband, der heute ein Eckpunkte- und Strategiepapier zu diesem Thema vorgestellt hat. »Die aktuelle Hitzewelle hat gezeigt, dass das Thema relevant ist.«
Die Kernpunkte des Eckpunktepapiers »Nachhaltigkeit im deutschen Gesundheitssystem – Eckpunkte für eine Strategie« des BKK-Dachverbands und des Centre for Planetary Health Policy umfassen die Frage, wie Versorgung, Prävention, Ressourcennutzung, Finanzierung, Datengrundlagen und Governance so zusammengedacht werden können, dass das Gesundheitswesen langfristig leistungsfähig, bezahlbar und resilient bleibt.
Zentral beteiligte Organisationen an dem Papier sind zudem der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und die Bundesärztekammer (BÄK). Zu den weiteren Unterstützern zählen unter anderem die ABDA, der Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP), der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Techniker Krankenkasse (TK).
Gemeinsames Ziel sei es, die Eckpunkte unter Federführung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zu einer verbindlichen Nachhaltigkeitsstrategie weiterzuentwickeln. Das Papier soll in Kürze dem BMG und den Mitgliedern des Deutschen Bundestages übergeben werden.
Die Eckpunkte benennen Handlungsbedarfe in neun zentralen Bereichen: Governance, Prävention und Versorgungsplanung, ambulante, pflegerische und stationäre Versorgung, Arzneimittel, Medizinprodukte, Abfallreduktion, Transport und Digitalisierung.
Der Arzneimittel- und Medizinproduktebereich wird im Eckpunktepapier als ein wichtiger Hebel für mehr Nachhaltigkeit gesehen. König führte aus, dass Arzneimittel, Medizinprodukte und Hilfsmittel entlang ihres gesamten Lebenszyklus ressourcenschonender, emissionsärmer und umweltverträglicher gestaltet werden müssten. Dafür brauche es verlässliche Daten, vergleichbare Standards und mehr Transparenz zu Klima- und Umweltauswirkungen, um nachhaltige Innovationen, Beschaffung und Verordnungsentscheidungen zu unterstützen. Dabei müssten Umweltziele stets mit Versorgungssicherheit, therapeutischem Nutzen, Qualität und Patientensicherheit in Einklang gebracht werden. König wies aber auch darauf hin, dass der medizinische Nutzen und die ökologischen Ziele nicht immer vollständig übereinstimmen.
Ein Schwerpunkt ist aus seiner Sicht auch die Abkehr von linearen Produktkreisläufen und der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft: »Wir haben einen sehr linearen Produktzyklus aus Produzieren, Nutzen und Wegschmeißen. Das muss durchbrochen werden«, forderte er. Eine nachhaltigere Nutzung von Ressourcen könne zudem helfen, Abhängigkeiten zu reduzieren. »Man macht sich dadurch auch unabhängiger von Lieferketten, weil man die Rohstoffe wieder zurückführt beziehungsweise das Produkt wieder einsatzfähig macht.«
Für Arzneimittel und Medizinprodukte sieht König außerdem Potenzial bei klimafreundlicheren Alternativen. Er verweist dabei auf ein eigenes Netzwerk zu umwelt- und klimafreundlichen Produkten. Diese Ansätze sollten aus seiner Sicht auch auf weitere Bereiche wie etwa Medizinprodukte übertragen werden.