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Apothekertag

Approbationsordnung muss endlich novelliert werden

Die letzte Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker trat vor 20 Jahren in Kraft. Es gibt zwar seit Langem Gespräche, wie das Pharmaziestudium der Zukunft aussehen soll, doch bislang hat sich nichts getan. Die Delegierten des Deutschen Apothekertags fordern jetzt den Gesetzgeber auf, die Approbationsordnung in der kommenden Legislaturperiode endlich zu aktualisieren.
Daniela Hüttemann
Brigitte M. Gensthaler
23.09.2021  09:00 Uhr

Die derzeit gültige Approbationsordnung trat zum Wintersemester 2001 in Kraft. Seitdem hat sich einiges in der Pharmazie als Wissenschaft und im Berufsalltag getan. Damit gilt das derzeitige Studium-Curriculum als nicht mehr zeitgemäß.

Nur mit einer modernen Ausbildungsordnung könnten Apothekerinnen und Apotheker sich nachhaltig an den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt anpassen und den aktuellen wie künftigen Anforderungen an diesen Heilberuf gerecht werden, machte Thomas Benkert, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), klar. »Die Novellierung ist dringend nötig. Die Studierenden müssen aber in Zukunft mindestens so intensiv betreut werden wie bisher. Wir brauchen zukünftig auch mehr Absolventen des Pharmaziestudiums, denn der Apothekerberuf gehört seit Jahren zu den sogenannten Mangelberufen

Die pharmazeutische Beratung der Patienten nehme einen immer größeren Stellenwert ein; gleichzeitig werde diese durch die zunehmende Komplexität der Arzneimitteltherapie immer anspruchsvoller. Wichtiges Ziel sei es, die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) weiter zu erhöhen. Aber auch bei anderen pharmazeutischen Aufgaben hätten sich die Anforderungen an die Apotheker so deutlich geändert, dass sich dies in der Ausbildung widerspiegeln müsse.

Wie die Apothekerausbildung aussehen soll, definieren Bundesapothekerkammer, die verschiedenen Berufsverbände der Apotheker, die Hochschulprofessoren und der Bundesverband der Pharmaziestudierenden (BPhD). Dazu gibt es bereits seit Längerem einen runden Tisch. Erst letzte Woche hat es laut ABDA eine konstruktive Sitzung dazu gegeben. Letztlich wird die Approbationsordnung jedoch vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit Zustimmung des Bundesrats auf Basis der Bundes-Apothekerordnung erlassen. 

»Unser Ziel ist, dem BMG einen gemeinsamen Vorschlag aus den eigenen Reihen für die Novellierung der Ausbildung vorzulegen, der Grundlage für die entsprechende Verordnung sein soll«, so Benkert. Die derzeitige Struktur der Ausbildung, also ein Universitätsstudium mit zwei Staatsexamina plus einjähriger praktischer Ausbildung mit drittem Staatsexamen, solle unbedingt erhalten bleiben. 

Damit spielte er auf einen Referentenentwurf aus dem BMG vom Dezember 2020 an. Dieser sieht vor, die Regelstudienzeit von vier Jahren auf fünf Jahre und drei Monate einschließlich der Prüfungszeiten zu verlängern. Somit soll künftig auch das Praktische Jahr (PJ) Teil des universitären Studiums sein. BAK und BPhD hatten sich bereits dagegen ausgesprochen. Eine Überführung in das Bachelor-/Master-System lehnen die Apotheker ebenfalls ab. Absolventen mit dem Abschluss als Bachelor hätten keine Arbeitsmöglichkeiten in der Apotheke.

Der ABDA-Vorstand und die Landesapothekerkammer Hessen hatten bei der Hauptversammlung der Apothekerschaft Anträge gestellt, dass die Approbationsordnung »schnellstmöglich« novelliert wird. Sie wurden zusammengefasst als Leitantrag mit einer deutlichen Mehrheit angenommen. Benkert rechnet allerdings damit, dass die neue Regierung sich nicht vor dem zweiten Quartal des kommenden Jahres damit beschäftigen wird.

Mehr Studienplätze, mehr interprofessionelle Ausbildung

Die Landesapothekerkammer Sachsen forderte zudem, dass die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für mehr Plätze im Studiengang Pharmazie geschaffen werden. Konkret geht es darum, die Zahl der Studienplätze im gesamten Bundesgebiet in den nächsten fünf Jahren um mindestens 30 Prozent zu erhöhen.  Dies sei notwendig, um der Weiterentwicklung der pharmazeutischen Aufgabenfelder und der demografischen Entwicklung gerecht zu werden, erklärten die Antragsteller. 

Das Pharmaziestudium sei zwar aufwendig und teuer, gesamtgesellschaftlich und fiskalpolitisch aber eine lohnenswerte Investition mit einem hohen »Return on Investment« für die gesamte Gesellschaft. Diesen Argumenten schlossen sich die Delegierten mit sehr großer Mehrheit an.

Die Apothekerkammer Nordrhein schlug eine stärkere Verzahnung der apothekerlichen und ärztlichen Hochschulausbildung vor. Nachdrücklich werden mehr gemeinsame Lehrveranstaltungen für Medizin- und Pharmaziestudierende gefordert, um die heilberufliche Zusammenarbeit und damit die Patientenversorgung zu verbessern.

Die Universitäten sollten die ihnen gegebenen Möglichkeiten für die Implementierung von gemeinsamen Lehrveranstaltungen nutzen, heißt es in dem mit großer Mehrheit angenommenen Änderungsantrag. ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening sprach von »einem neuen, frischen Signal«, dass eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Professionen dringend notwendig sei.  

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