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AvP-Insolvenz

Apothekerin beschwert sich bei Söder und Spahn

Die AvP-Insolvenz bedroht die Existenz vieler Apotheken. Weil die Politik nichts dagegen unternimmt, hat Beatrice Guttenberger nun einen wütenden Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geschrieben und dabei gleich die Kündigung ihrer CSU-Mitgliedschaft angehängt.
Jennifer Evans
24.09.2020  17:30 Uhr

Seit ihrem 16. Lebensjahr sei sie Mitglied in der Jungen Union und später Frauenunion und CSU, schreibt die Apothekerin Beatrice Guttenberger aus Ochsenfurt an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Zwar habe ihr zuletzt bereits die »Klientelpolitik für zwei oder drei ausländische Versandapotheken« nicht gefallen, aber was »von Ihrer Seite im AvP-Skandal unternommen wird, nämlich nichts, ist für mich schlicht unerträglich«, wettert sie. Selbst arbeitet Guttenberger zwar nicht mit dem Apotheken-Rechenzentrum AvP zusammen, aber ihr Bruder und andere Kollegen, mit denen sie mitfühle, wie sie der PZ sagte.

Seit zwölf Jahren leitet Guttenberger eine Kleinstadt-Apotheke im unterfränkischen Ochsenfurt. »Bei mir sind ausschließlich Frauen beschäftigt, alle haben Kinder, alle haben Teilzeit«, berichtet sie. Ihr Team versorge die Kunden »weit über das wirtschaftlich sinnvolle Maß« hinaus. Neben Beratung, Rezeptur und Botendiensten seien sie für Senioren auch außerhalb der Geschäftszeiten da, wenn diese mit ihren Rabattverträgen überfordert seien. »Unsere Ärzte bekommen auch drei Mal am Tag Dringendes in die Praxis geliefert. Während Corona haben wir im Schichtdienst mit unmöglichen Arbeitszeiten, trotz geschlossener Schulen und Kindergärten, die extremsten Situationen gemanagt«, beschreibt sie den beiden Politikern die Situation der vergangenen Monate. Und weiter: »Wir haben Alkohol bestellt, den wir nicht mehr brauchten, als er endlich geliefert wurde. Wir haben Masken für abstruse Preise eingekauft und mit bis zu 50 Prozent Abschlag weiterverkauft, nur um überhaupt irgendetwas für unsere Risikopatienten tun zu können.«

Auch Kosten für eine neue Software von 10.000 Euro müsse sie mit Blick auf die Einführung des E-Rezepts stemmen. »Ich spreche nicht vom HBA, der SMBC und dem Konnektor, sondern von meiner Software, die mir niemand bezuschusst. Und das wissend, dass schon jetzt von den Versendern jedes nur erdenklich kleine Schlupfloch gesucht wird, das Zuweisungsverbot zu unterwandern«, schimpft sie.

Wenn sie ihre Apotheke schließen müsste, stünden fünf Frauen ohne Job da. »Wer hat dann gewonnen? Bringt das auch nur einer einzigen Krankenkasse einen einzigen Euro?«, fragt sie die Politiker. Und weist Spahn und Söder darauf hin, dass es bei den betroffenen Apotheken nicht um einen Verzicht auf ein oder zwei Monatseinkommen ginge, sondern um »Geld, das wir nie eingenommen haben, das wir mit dem vollen Risiko einer Retax Kassenpatienten durchgereicht haben«. 

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