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Kammer Hamburg

Apotheker fordern Bewegung beim Honorar

Pharmazeutische Dienstleistungen schön und gut, aber das Packungshonorar muss endlich deutlich erhöht werden, sind sich die Hamburger Apotheker einig. Hier sei die Standesvertretung auf Bundesebene gefragt. Das betonten die Kammermitglieder bei der Versammlung der Apothekerkammer Hamburg am 20. Juni.
Daniela Hüttemann
22.06.2022  15:30 Uhr

Mit den pharmazeutischen Dienstleistungen können die Apotheken erstmals (neben dem Impfen) selbst eine honorierte Leistung auslösen – das begrüßte Kai-Peter Siemsen, Präsident der Apothekerkammer Hamburg, bei deren turnusgemäßer Vollversammlung am Montagabend. Die Proteste der Ärzteschaft dagegen nannte er ein »choreografisches Schauspiel«, bei dem er sich entspannt zurücklehne. Den ausgehandelten Verteilungsmodus für die jährlich verfügbaren 150 Millionen Euro bezeichnete der Kammerpräsident für eine beachtenswerte Idee, die allen Apotheken gleiche Chancen einräume.

Gleichwohl hält er die angesetzten Preise für nicht ausreichend, zumindest nicht, um die vielfältigen Leistungen der Apotheken quer zu finanzieren oder generell die wirtschaftliche Lage der Betriebe zu verbessern. Der kalkulierte Aufwand von 1,17 Euro netto pro Apothekerminute und 70 Cent netto für eine Minute Arbeitskraft einer PTA liege immer noch deutlich unter dem Arbeitslohn, den er heute in der Autowerkstatt bezahlen musste, kritisierte Siemsen. »Es bleibt bei einer massiven Unterfinanzierung der Apotheken und die Schließungswelle wird weitergehen, was ich sehr bedaure«, so der Inhaber der Neuen Eilbeker Apotheke.

Keine finanzielle Wertschätzung für Apotheken

Die Mehrumsätze aus der Corona-Pandemie seien mehr als schwer erarbeitet und den Apotheken nicht einfach zugeflogen. Dabei gab es nicht einmal ein Corona-Prämie, obwohl auch das Apothekenpersonal bis zur und über die Erschöpfungsgrenze hinaus gearbeitet habe. »Ich gönne es wirklich jeder Pflegekraft, aber die Politik scheint die Apotheker, PTA und PKA vollkommen aus dem Blick verloren zu haben«, so Siemsen.

Zwar übertönten sich Politiker jeder Couleur mit Wertschätzung in Worten, es brauche aber auch eine dauerhafte wirtschaftliche Honorierung. Doch das Gegenteil könnte sogar der Fall werden, schaue man auf die Sparpläne von Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach (SPD). »Die Luft wird immer dünner«, betonte Siemsen und forderte die Standesvertretung in Berlin auf, hier »endlich in die Puschen zu kommen«.

Überall explodieren die Kosten, die Inflation ist so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr – und seit fast zwei Jahrzehnten hätten die Apotheken beim Packungshonorar nicht einmal einen Inflationsausgleich erhalten. Es gab und gebe immer Gründe und Ausflüchte, warum es jetzt gerade mit der Erhöhung nicht passe, so Siemsen, aber das Thema könne wirklich nicht länger warten. Man höre immer, es brauche ein Gesamtkonzept für eine Neugestaltung der Apothekenvergütung, aber es passiere nichts, weil man es sowieso für aussichtslos halte, damit bei der Politik vorzusprechen. »Doch wer nichts fordert, wird auch nichts erhalten.«

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