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Apotheker erwarten »größte Impfaktion des Landes«

Zu einem Ende der Coronavirus-Krise und der damit verbundenen Schutzmaßnahmen wird es nur kommen, wenn es Impfstoffe gibt. Die Forschung läuft bereits auf Hochtouren. Österreichs Apothekerkammer schmiedet bereits Pläne zur »größten Impfaktion« des Landes. Apotheker könnten die Impfungen übernehmen, so die Kammer.
Benjamin Rohrer
07.08.2020  11:30 Uhr

Dem Pharmaverband vfa zufolge gibt es derzeit 172 aktive Projekte zur Erforschung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2. Forscher, Pharmaunternehmen und Institute auf der ganzen Welt sind in die Entwicklung der Impfstoffe eingebunden. Knapp 30 Projekte befinden sich weltweit bereits in klinischen Prüfungen, nur einige wenige sind in den Phase-III-Studien und somit in der Endphase der klinischen Erprobung angekommen. Bis es die ersten wirksamen und sicheren Impfstoffe gibt, könnten noch Monate vergehen.

In den einzelnen Ländern bereitet man sich unterschiedlich auf die Impfphase vor. In der Schweiz hat der Bundesrat kürzlich ein Gesetz geschaffen, mit dem das Parlament Massenimpfungen festlegen könnte. In Deutschland stand eine Impfpflicht bislang nicht nur Diskussion. Allerdings hat sich die Bundesregierung in einer »Allianz« mit anderen europäischen Staaten zusammengeschlossen, um die Impfstoffe leichter zu beschaffen, wenn sie auf dem Markt sind. Eine Impfpflicht soll es hierzulande nicht geben. In Österreich gibt es bislang auch keine Bemühungen der Politik, eine Zwangsimpfung einzuführen. Trotzdem hat dessen Apothekerkammer nun eine Pressemitteilung veröffentlicht, die aufhorchen lässt. Dort ist die Rede davon, dass die »größte Impfaktion des Landes« bevorsteht.

Konkret sei Folgendes geplant: »Ziel wird die Impfung der gesamten österreichischen Bevölkerung sein, über acht Millionen Menschen, die möglicherweise zweimal im Abstand von sechs Monaten geimpft werden müssen. Damit steht die größte Impfaktion des Landes bevor. Allein die Risikogruppe der über 65-Jährigen und chronisch Kranken sowie die Gruppe der Angehörigen von Gesundheitsberufen machen zusammen rund zwei Millionen Menschen aus. Sie sollen in einer ersten Tranche geimpft werden, weil das für sie selbst und zur Eindämmung der Verbreitung des Virus besonders wichtig ist.«

Apotheker wollen selbst impfen

Die Apotheker bieten sich mit Blick auf diese »Impfaktion« nun an – sie wollen die Coronavirus-Impfungen übernehmen. Gerhard Kobinger, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer, erklärte dazu: »Eine der 1400 Apotheken in ganz Österreich ist immer in der Nähe, auf dem Arbeitsweg, beim Einkaufen oder in der Freizeit. Die Apothekerinnen und Apotheker könnten mit ihren langen Öffnungszeiten und dem niederschwelligen Zugang dazu beitragen, viele Menschen rasch zu impfen.«

Susanne Ergott-Badawi, ebenfalls Präsidiumsmitglied, ergänzt: »Gerade in dieser Zeit wären zusätzliche Impfstellen für die österreichische Bevölkerung ein Gewinn. Die Zeit läuft. Es müssen die Weichen gestellt werden, damit wir für die größte Impfaktion des Landes gerüstet sind. Eine Voraussetzung dafür ist die Ausweitung der Impferlaubnis auf Apothekerinnen und Apotheker.« Es wäre sogar die erste Impfung überhaupt, die die österreichischen Apotheker selbst verabreichen dürfen, denn bislang wird dort noch nicht in den Apotheken geimpft.

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