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Erste Bilanz 2020

Apothekensterben in England – 155 Betriebe zu

Mehr Geld statt lobende Worte

Die National Pharmacy Association ist empört darüber, dass die Regierung offenbar von »den Risiken unkontrollierter Schließungen« wusste, sagte ein Sprecher des Verbands gegenüber dem Fachblatt. Und das noch bevor zusätzlich der Kostendruck als Folge der Coronavirus-Pandemie auf die Offizinen zugekommen sei. Der »viel zu wenig wertgeschätzte Sektor« brauche dringend Geld statt lobender Worte, so die Forderung des Verbands an die Politik.

Anders bewerte die Angelegenheit PSNC-Vorstand Simon Dukes. Er weist die Vorwürfe zurück. Das Gutachten sei »nach der Vereinbarung zum Deal mit dem PSNC verfasst worden und hatte keinen Einfluss auf die Entscheidung des PSNC, dem Fünf-Jahres-Plan zuzustimmen«, sagte er dem PJ. Auch hätten die Komitee-Mitglieder im Vorfeld die Auswirkungen des Abkommens auf die öffentlichen Apotheken »sorgfältig abgewogen«. Man habe der Vereinbarung zugestimmt, um den Apothekern trotz der geplanten Einsparungen des NHS wenigstens die Basisfinanzierung für die kommenden Jahre zu sichern, betonte Dukes.

Damit spielt er unter anderem auf die Honorar-Kürzungen an, die den englischen Apotheken schon länger zu schaffen machen. Bis zum Jahr 2021 wollte die britische Regierung umgerechnet rund 28 Milliarden Euro im staatlichen Gesundheitswesen einsparen, allein beim Apothekenhonorar jährlich rund 3 Milliarden Euro. Die Einschnitte ab dem Jahr 2016 verliefen in Etappen. Auch das dürfte zum Apothekensterben beigetragen haben. Die Royal Pharmaceutical Society hatte diesen Schritt seinerzeit heftig kritisiert und sich Sorgen um die Qualität der pharmazeutischer Versorgung gemacht.

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