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Umfrage in Großbritannien

Apotheker überlastet, Angst vor Fehlern steigt

Eine aktuelle Umfrage der Royal Pharmaceutical Society (RPS) und dem Wohltätigkeitsverein Pharmacist Support belegt: 80 Prozent der britischen Pharmazeuten sind durch ihr hohes Arbeitspensum überlastet und befürchten ein Burn-out.
Jennifer Evans
11.12.2019
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Rund die Hälfte der knapp 1.400 befragten Apotheker hat aufgrund der hohen Arbeitsbelastung Angst, Fehler zu machen oder den Patienten einen schlechten Service zu bieten. Das belegen die Ergebnisse einer Umfrage, die das Fachmagazin »The Pharmaceutical Journal« nun in Teilen veröffentlicht hat. Vier von fünf Befragten halten demnach ihr eigenes Burn-out-Risiko für »hoch« beziehungsweise »sehr hoch«. Mehr als die Hälfte gab zudem an, wegen des großen Arbeitspensums zu wenig Zeit für Familie und Freunde zu haben.

Als Gründe für die Überlastung nannte einer von fünf Teilnehmern mangelnde pharmazeutische Unterstützung durch zusätzliche Kollegen. Für ebenso viele Befragte spielen die überzogenen Erwartungen des Chefs eine entscheidende Rolle. Die Situation für den Berufsstand sei derzeit hart, so RPS-Präsidentin Sandra Gidley. »Die Anforderungen steigen und die Ressourcen sind knapp«. Das gelte für Apotheker in allen Arbeitsbereichen. »Traurigerweise sind wir von der Erhebung mit Blick auf Burn-out und Stress nicht überrascht«, bekräftigt auch Danielle Hunt, Vorstandsvorsitzende von Pharmacist Support. Täglich werde sie damit konfrontiert, wie stark Apotheker mit dem Arbeitsdruck zu kämpfen hätten. Leider suchten die meisten von ihnen erst zu spät Hilfe auf, bedauert sie.

Schieflage beseitigen

Mit der Umfrage, die zwischen dem 10. Oktober und dem 8. November 2019 stattgefunden hat, wollen die Institutionen ihre Forderungen gegenüber der Regierung untermauern, damit künftig alle Pharmazeuten vom sogenannten Wellbeing Support Service aus dem Fonds des britischen Gesundheitsdiensts National Health Service (NHS) profitieren können. Diese Unterstützung erhalten derzeit nämlich nur jene Apotheker, die direkt beim NHS angestellt sind. Alle anderen, die etwa in Gemeinden, Pflegeheimen oder in Arztpraxen arbeiten, hingegen nicht. Diese Schieflage zu beseitigen, sei »eine dringliche Angelegenheit«, betont Gidley.

Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage sollen im Frühjahr 2020 veröffentlicht werden. Geplant ist, dass sich dann auch alle Akteure zu einer Gesprächsrunde treffen.

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