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Herz- und Nierenerkrankungen
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Apotheken in die Früherkennung einbinden

20 Apotheken in Schleswig-Holstein beteiligen sich derzeit an der APOSCREEN-1-Studie zur Früherkennung von Herz-, Stoffwechsel- und Nierenerkrankungen. 1000 Menschen sollen sich dort testen lassen. Die PZ sprach mit einer teilnehmenden Apotheke und der Studienleitung.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 21.08.2026  16:20 Uhr

Der Anstoß kam aus dem klinischen Alltag, denn Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen bleiben oft lange unerkannt. »Wir sehen die Patienten oft erst, wenn der Schaden schon da ist. Wir haben uns gefragt, wie wir das verhindern können«, so Dr. Friedrich von Samson-Himmelstjerna und Eric Amelunxen im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Die beiden sind Mediziner an der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel, arbeiten dort als Ärzte und Wissenschaftler in der AG Versorgungsforschung und leiten APOSCREEN-1, ein gemeinsames Präventionsprojekt von Apothekerverband Schleswig-Holstein und UKSH.

Bisherige Präventionsangebote im ärztlichen Umfeld würden bislang zu wenig wahrgenommen. »Vieles könnten die Apotheken niedrigschwellig anbieten«, glaubt von Samson-Himmelstjerna. Sie werden von einem großen Teil der Bevölkerung regelmäßig besucht und genießen hohes Vertrauen. In dem wissenschaftlich begleiteten Präventionsprojekt sollen nun der medizinische Nutzen, die Machbarkeit und die Akzeptanz bei Apotheken und ihrer Kundschaft untersucht werden. Das Studiendesign wurde in der Fachzeitschrift »BMC Nephrology« veröffentlicht.

Die Teilnahmebereitschaft der Apotheken sei groß gewesen, berichtet Hans-Günter Lund, Vorsitzender des Apothekerverbands, dessen Königlich privilegierte Apotheke in Leck selbst teilnimmt. Insgesamt 20 Apotheken von Küste zu Küste, auf dem Land wie in größeren Städten, sollen jeweils 50 Personen testen – insgesamt 1000 Menschen.

Wer kann teilnehmen?

Dabei handelt es sich um ein risikobasiertes Screening, das heißt, es werden Menschen angesprochen, die aufgrund ihres Alters oder bestimmter Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko haben könnten. Eingeschlossen werden Personen ab 40 Jahren, die in hausärztlicher Betreuung sind und mindestens einen kardiovaskulären oder metabolischen Risikofaktor haben. Hierzu zählen aktives Rauchen, Adipositas oder die Anwendung einer entsprechenden Medikation wie Antidiabetika, Blutdruck- oder Blutfettsenker.

Lund markierte anhand dieser Kriterien alle Stammkunden in seiner Software, die für das Projekt infrage kommen, und spricht diese bei Gelegenheit an. Außerdem weisen Poster und Flyer in der Apotheke auf die Möglichkeit hin, sich testen zu lassen – und es spricht sich natürlich herum.

In Leck haben Lund und sein Team bereits rund 20 Menschen auf Herz und Nieren geprüft, meist mit Termin, manchmal spontan. »Das macht richtig Spaß. Meine Mitarbeiterinnen haben da richtig Bock drauf.« In der Durchführung sei es alles andere als ein Hexenwerk, und der Aufwand sei überschaubar.

Welche Werte werden erfasst?

Die Geräte hat das UKSH bereitgestellt, die teilnehmenden Apothekenteams wurden vorher geschult. Das Screening umfasst ein kurzes Gespräch, eine Blutdruckmessung sowie eine Kapillarblutentnahme und Urintests. Bestimmt werden dabei der HbA1c, die Blutfettwerte und Albumin im Urin.

Stehen Kundentoiletten zur Verfügung, kann der Urintest direkt in der Apotheke durchgeführt werden, sonst bekommen die Teilnehmenden einen entsprechenden Stick mit nach Hause und sollen das Ergebnis fotografieren. Die Wahlmöglichkeit ist bewusst eingeplant. »Wir wollen ein Konzept erarbeiten, das in allen Apotheken umsetzbar wäre, auch ohne Kundentoilette«, sagt von Samson-Himmelstjerna. »Der Albumin-Wert im Urin ist ein starker Risikomarker, nicht nur für Nierenerkrankungen, sondern auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.« Auch die Blutdruckmessung führt ein Teil der Probanden zu Hause mit Leihgeräten der Apotheke durch.

Was passiert bei einem auffälligen Befund?

Finden alle Tests in der Apotheke statt, gibt es direkt im Anschluss ein kurzes Feedback für die Teilnehmenden. »Wird zu Hause gemessen, bitten wir die Teilnehmenden anschließend noch einmal in die Apotheke, besprechen die Ergebnisse kurz mit ihnen und pflegen die Daten ein«, erklärt Lund. Für die Teilnehmenden gibt es eine eigens entwickelte App, für die Apotheken ein Online-Portal. Alle Daten werden medizinisch am UKSH bewertet. Der oder die Teilnehmende bekommt seine Ergebnisse, bei einem auffälligen Befund gibt es auch einen Brief für den behandelnden Arzt.

Wenn das Screening ein Problem aufdeckt, werden die Betroffenen aufgefordert, auffällige Werte noch einmal überprüfen und gegebenenfalls weitere Tests durchführen zu lassen, entweder direkt am Studienzentrum am UKSH in Kiel oder in der Hausarztpraxis. Auch hier wurde bewusst eine Wahlmöglichkeit geschaffen, um den Patienten eine wohnortnahe Versorgung zu ermöglichen. Beim Bestätigungstest werden zusätzlich zu den Screeningparametern noch der Entzündungsmarker CRP und Lipoprotein(a) bestimmt sowie ein Test mit einem Urin-Stick durchgeführt.

Das Feedback der Kunden sei bislang durchweg positiv, freut sich Lund. »Viele finden es gut, dass wir das jetzt anbieten.« Das Projekt sei eine gute Gelegenheit, um zu beweisen, dass Apotheken viel mehr können – auch ein professionelles, wissenschaftlich validiertes Screening anbieten. Die umliegenden Arztpraxen wurden vorher informiert, was getestet wird, sodass sie vorbereitet sind, falls Patienten mit auffälligen Werten kommen. Lund betont, man wolle die Arztpraxen entlasten und ihnen nicht mehr Arbeit bescheren.

Wie häufig sind auffällige Werte?

Bislang musste er nur einige Probanden mit zu hohem Blutdruck und einen mit erhöhtem Albumin-Wert zur Kontrolle schicken. Amelunxen und von Samson-Himmelstjerna schätzen, dass insgesamt bislang etwa ein Drittel bis 40 Prozent einen auffälligen Befund hatten und nachgetestet wurden. Meist bestätigten sich dabei die in der Apotheke ermittelten Ergebnisse, selten waren am unteren Grenzbereich gemeldete Werte falsch positiv. Das deute bereits auf einen Nutzen hin, auch wenn die vollständige Datenerhebung und Auswertung voraussichtlich bis Ende 2027 dauern werden.

Am UKSH weiß man, dass einige niedergelassene Ärzte ein Screening in der Apotheke kritisch sehen. Von Samson-Himmelstjerna betont: »Wir wollen einen Weg optimieren, der für alle gut klappen kann, mit einem verlässlichen, brauchbaren Bericht für die hausärztliche Praxis, in dem genau steht, welche Werte nachgeprüft werden sollen. Was wir uns generell wünschen, ist, dass die erhobenen Daten sinnvoll genutzt werden können, auch über die elektronische Patientenakte.«

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