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Hitzeaktionstag
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Apotheken als »Hitzeschutzinseln«

Der Sommer naht und die Tage werden heißer. Zum heutigen Hitzeaktionstag positionieren sich Apotheker- und Ärzteschaft sowie mehr als 150 weitere Gesundheitsorganisationen für mehr Gesundheitsschutz durch Hitzeschutz. Insbesondere Risikogruppen sollten sich frühzeitig auf Hitzewellen vorbereiten.
AutorKontaktPaulina Kamm
Datum 11.06.2026  14:00 Uhr

Ziel des Hitzeaktionstages, an dem mehr als 150 Organisationen aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft beteiligt sind, sei es, darauf aufmerksam zu machen, dass Deutschland auf Extremhitze als Krisenlage nicht ausreichend vorbereitet sei, melden die Landesapotheker- sowie die Landesärztekammer Thüringen in einer gemeinsamen Presseeklärung. Der Präsident der Landesapothekerkammer (LAKT), Roland Schreiber, weist hier ärztlichem und Apothekenpersonal eine tragende Rolle zu: »Salopp formuliert könnte man sagen: Ist Hitze im Anmarsch, dann fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker«, so Schreiber.

Ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen, Säuglinge, Kinder, Schwangere sowie Obdachlose und Menschen, die im Freien arbeiten, seien besonders betroffen. Diese sollten sich mittags im Schatten aufhalten, ausreichend trinken und Möglichkeiten der Abkühlung aufsuchen. »Entsprechende Schutzkonzepte in Kommunen und Kindergärten sollten pragmatisch umgesetzt werden«, so der Präsident der Thüringer Landesärztekammer, Hans-Jörg Bittrich.

Die Thüringer Kammern fordern zusätzlich einen klaren gesetzlichen Rahmen für gesundheitlichen Hitzeschutz auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene. »Über das Gesundheitsrecht hinaus muss der Hitzeschutz zugleich in relevanten Gesetzen und Rechtsverordnungen berücksichtigt werden, insbesondere auch im Bau- und Arbeitsrecht«, heißt es in der Pressemitteilung. Um die Beratung in den Apotheken qualitativ hochwertig zu gestalten, biete die Landesapothekerkammer die Fortbildung »Hitzefrei für Diuretika« für ihre Mitglieder an.

Ministerin Drese für Hitzeschutz

Die Ministerin für Soziales, Gesundheit und Sport des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Stefanie Drese (SPD), weist auf die Lage im Bundesland hin. »Längere Hitzeperioden, zunehmende Extremwetterereignisse und neue Infektionskrankheiten wirken sich immer stärker auch auf die Gesundheit der Menschen hier im Land aus.« Dehydrierung durch das verringerte Durstgefühl älterer Menschen und die veränderte körperliche Wärmeregulierung chronisch Kranker machen ihre besonders Sorgen. 

Der Hitzeschutzansatz in dem Bundesland beruhe daher auf Prävention, Vernetzung, konkreten Hilfsangebote und Best Practices. »Wir wollen das Thema außerdem stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken, Akteure miteinander vernetzen und vor allem die Lebens- und Lernumfelder vulnerabler Gruppen hitzeresilienter machen«, betonte die Ministerin.

Vor einem Jahr sei der »Gesundheitsbezogene Hitzeschutzplan Mecklenburg-Vorpommern« implementiert worden. Durch eine Anpassung des Landeskrankenhausgesetzes können Kliniken Investitionsmittel nun auch gezielt für Hitzeschutzmaßnahmen einsetzen. Für Pflegeeinrichtungen seien Schutzkonzepte inzwischen verpflichtend.

»Bieten Sie älteren Nachbarn an, an besonders heißen Tagen die Erledigungen zu übernehmen. Rufen Sie bei pflegebedürftigen Personen einmal mehr an und erkundigen Sie sich, ob alles in Ordnung ist. Und helfen Sie vielleicht schon im Vorfeld dabei zu klären, ob verordnete Medikamente bei Hitze anders dosiert werden müssen«, wendet sich die Ministerin an die Bevölkerung. 

Apotheken als Hitzeschutzexperten

Wenn es um die fachgerechte Lagerung von Medikamenten, potenzielle Risiken bei hohen Temperaturen und optimale Schutzmaßnahmen im Alltag geht, sind die Apotheken vor Ort laut einer Pressemitteilung der Apothekerkammer Berlin die richtigen Ansprechpartner. »Hitze kann die Wirkung und Verträglichkeit von Arzneimitteln beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, dass Patientinnen und Patienten sich rechtzeitig in ihrer Apotheke vor Ort beraten lassen«, sagt die Präsidentin der Apothekerkammer Berlin, Ina Lucas.

In besagter Beratung erfahren die Betroffenen Hinweise, etwa, Arzneimittel nicht im Auto liegen zu lassen oder in direkter Sonne zu lagern. Die Apothekerkammer Berlin gibt weitere Tipps: an heißen Tagen ausreichend Flüssigkeit zu trinken und besonders auf den eigenen Körper zu hören. Zu den Warnsignalen gehören Schwindel oder Kreislaufbeschwerden, so die Kammer. 

Initiative »Apotheken als Hitzeschutzinseln«

Wer einen Ort zur Abkühlung sucht, ist laut der Apothekerkammer Nordrhein in den Apotheken vor Ort genau richtig. Gemeinsam mit Pharmacists for Future macht die Kammer mit der Initiative »Apotheken als Hitzeschutzinseln« auf das Potenzial wohnortnaher, gut erreichbarer, meist klimatisierter Apotheken aufmerksam: »Apotheken sind Orte, an die sich Menschen begeben, wenn es um ihre Gesundheit geht. Auch an heißen Tagen können sie dort unkompliziert Unterstützung finden«, erklärt Morten Lehmann, Apotheker und Hitzebeauftragter der Apothekerkammer Nordrhein.

Doch Apotheken bieten nicht nur Schatten, sondern auch die Möglichkeit für fundierte Gesundheitstipps: »Als Hitzeschutzinseln verbinden Apotheken einen geschützten Raum mit professioneller Beratung und tragen so aktiv zum Schutz der Bevölkerung bei«, so Lehmann. Denn Gesundheitsfolgen von Hitze seien vielfältig und würden häufig unterschätzt. Da manche Menschen regelmäßig in die Apotheke kommen, erkenne das Apothekenpersonal schnell, wer gezielt Hilfe benötigt. 

»Hitzeschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Apotheken sind ein wichtiger Teil davon«, sagt Patrick Neumann von Pharmacists for Future. Um die Apotheken als Hitzeschutzorte vorzubereiten, habe die Initiative Checklisten auf den Internetseiten der Kammer und Pharmacists for Future zur Verfügung gestellt. 

Hitze-Tipps seitens der Ärzteschaft und dem Bündnis Hitzeaktionstag

Da Brandenburg zu den heißesten Regionen in Deutschland gehöre, wurde das »Netzwerk Hitzeaktionsplan« eingerichtet, so die Landesärztekammer Brandenburg (LÄKB). Demnach sollen konkrete Schutzmaßnahmen und kommunale wie institutionelle Hitzeaktionspläne implementiert werden. »Hitze kostet Gesundheit und sie kostet Menschenleben. Hitzeschutz muss als fester Bestandteil der Krisenvorsorge etabliert werden – im Gesundheitswesen, in den Kommunen und in der gesamten Gesellschaft«, sagt LÄKB-Präsident Steffen König.

Langanhaltende Hochdrucklagen und extreme Hitzeperioden ohne die Option nächtlicher Abkühlung seien eine große Belastung für Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen und die kritische Infrastruktur. Die LÄKB plädiere für klare Zuständigkeiten und die Integration von Hitze in den Katastrophenschutz. Auch die Forderung nach effektiven sozialen Schutzstrukturen für Risikogruppen und Finanzierung von resilienten Prozessen, Belegschaften, Einrichtungen, Quartieren und Infrastrukturen wurde gestellt. 

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