| Melanie Höhn |
| 28.10.2026 15:31 Uhr |
Im Frühjahr und Sommer 2020 gerieten einige »Mohren-Apotheken« in Deutschland im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste und der Rassismusdebatte in die Kritik. Mehrere Offizinen, darunter die Apotheke von Itschert-Warth, wurden Ziel von Vandalismus. Unbekannte verhängten den Buchstaben »M« im Schriftzug ihrer Apotheke mit Ketten.
Die öffentliche Diskussion im Jahr 2020 um den Namen »Mohren-Apotheke« während der Corona-Pandemie sei für Itschert-Warth zu einem ungünstigen Zeitpunkt gekommen, weil sie damals ohnehin viel zu bewältigen gehabt habe.
»Wir hatten immer eine positive Einstellung zu unserem Mohr. Das war immer Wertschätzung«, kommentierte die Apothekerin die Kritik. Sie selbst habe den Namen stets positiv verstanden. Eine Umbenennung hatte sie deshalb abgelehnt. Rückhalt habe ihr die Stadt Ulm gegeben, die an der Bezeichnung Mohrengasse festhielt. Das habe sie als Unterstützung empfunden.
Für viele Stammkundinnen und Stammkunden ist der Abschied schwer. Auch für Itschert-Warth ist der letzte Öffnungstag ein emotionaler Moment. Im Laufe des Tages hat sie sich bereits von zahlreichen Menschen verabschiedet, die sie über viele Jahre in der Apotheke begleitet haben. Diese müssen künftig auf andere Apotheken in der Innenstadt ausweichen, die nächstgelegene sei etwa 500 Meter entfernt.
Dass sich die Tradition nicht fortsetzen lässt, bedauert die Apothekerin. Doch die personelle Situation habe ihr letztlich keine andere Wahl gelassen. Damit endet für die Mohren-Apotheke eine Geschichte, die 457 Jahre lang Teil der Ulmer Stadtgeschichte war. Für ihre langjährige Inhaberin beginnt mit dem Ruhestand nun ein neuer Lebensabschnitt.