| Johanna Hauser |
| 24.02.2026 16:20 Uhr |
Hier bietet sich eine Chance für die Apotheke. Im Zuge des Beratungsgesprächs kann gefragt werden, ob ein Abstrich gemacht wurde, erläutert Finke. Ebenso kann der Patient ermuntert werden, den Arzt nach zwei, drei Tagen über den Stand der Therapie zu informieren. Insbesondere dann, wenn es ihm nicht besser geht. Dann schlägt das Antibiotikum nicht an und eine weitere Einnahme fördert die Resistenzbildung.
Finke schildert aus eigener Erfahrung, dass die Ärzte in seiner Umgebung anfangs nicht begeistert waren angesichts der zusätzlichen Anrufe. Nachdem aber geduldig die Beweggründe geschildert wurden, wollten die Praxen diese Anrufe inzwischen nicht mehr missen.
Finke empfiehlt, mit den Ärzten in der Umgebung zu sprechen, ob die Apotheke hier eine entsprechende Unterstützung bieten kann oder soll. In dem Zuge kann die Praxis auch dafür sensibilisiert werden, bei Antibiotika keine »Dj«-Rezepte auszustellen, da eine gezielte Beratung in der Apotheke so nicht möglich ist.
Vorsicht ist bei Rabattverträgen im Antibiotika-Bereich geboten. Häufig stimmt die verordnete Menge nicht mit der des Rabattpartners überein. So kann beispielsweise eine ärztliche Verordnung über zehn Tabletten N1 vorliegen, rabattiert sind 14 Tabletten N1. Finke plädierte dafür, nur die tatsächlich verordnete Menge abzugeben. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Patienten beim nächsten Infekt übrige Tabletten unreflektiert einnehmen. Bei Abweichungen der verordneten Menge aufgrund von Rabattverträgen empfiehlt Finke, mit Sonderkennzeichen zu arbeiten.
Einen wichtigen Teil des Beratungsgesprächs stellen Tipps zur korrekten Einnahme dar. So bedeutet »nüchtern« circa 30 bis 60 Minuten vor oder 90 bis 120 Minuten nach dem Essen, während »nach dem Essen« mitnichten eine Einnahme direkt nach der Mahlzeit meint. Hier soll das Medikament 60 bis 120 Minuten nach der Mahlzeit eingenommen werden. Bei einer dreimal täglichen Einnahme ist unbedingt darauf zu achten, dass Zeitabstände (alle acht Stunden) möglichst genau eingehalten werden. So werde aus dem klassischen »morgens, mittags, abends« ein »frühmorgens, mittags, spätabends«.