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Alterserkrankungen

Anti-Aging-Mittel für das Darmmikrobiom gesucht

Im Alter verändert sich das Mikrobiom des Darms in seiner Zusammensetzung und Funktion. Das hat Auswirkungen auf seinen Wirt. Ist die Mikrobiota ein Ansatzpunkt für Therapien gegen typische Alterserkrankungen? Metformin scheint hier ein heißer Kandidat zu sein.
Christina Hohmann-Jeddi
01.09.2020  14:32 Uhr

Schon seit Längerem ist bekannt, dass die Gemeinschaft der Mikroben im Darm wie ein Teil des Organismus mit seinem Wirt mit altert. Wie sich die Veränderungen auswirken, untersucht Professor Dr. Christoph Kaleta vom Institut für Experimentelle Medizin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit seiner Arbeitsgruppe.

»Wir haben festgestellt, dass sich das Mikrobiom im alternden Körper opportunistisch verhält. Das bedeutet im Detail, dass es die Produktion von für seinen Wirt vorteilhaften Metaboliten reduziert und gleichzeitig seinen eigenen Verbrauch von Nährstoffen erhöht«, sagt Kaleta in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). »Diese verminderte Kapazität der Mikrobiota in unserem Darm spielt eine zentrale Rolle für das Altern. Erkennbar wird das beispielsweise bei der Zellproliferation und Reparatur von DNA-Schäden.« Für Kaleta steht fest, dass therapeutische Interventionen, die auf das Mikrobiom ausgerichtet sind, das Altern aktiv verlangsamen können. Hierfür haben er und sein Team erste Untersuchungen mit einigen Arzneistoffen durchgeführt.

So spielt der Einfluss des Typ-2-Diabetes-Medikaments Metformin auf die Darmmikrobiota eine Rolle für dessen Wirkmechanismus. »Metformin ist in der Lage, die Lebensspanne in einer Vielzahl von Organismen und möglicherweise auch im Menschen zu verlängern«, so der Forscher. Der Wirkstoff wird schon seit Längerem als Anti-Aging-Ansatz erforscht.  Experimente mit Fadenwürmern und Studien mit hochbetagten Patienten haben gezeigt, dass nach der Einnahme des Medikamentes die Mikrobiota aktiver ist.

Die Experimente mit Metformin seien nur ein erster Nachweis dafür, dass die Erforschung biologischer Mechanismen Alterserscheinungen verbessern oder gar reduzieren kann. »Das Mikrobiom, besonders im Darm, wird zunehmend als Modulator für die Gesundheit seines Wirts anerkannt, vor allem im Kontext des Alterns«, so Kaleta. »Wenn wir die mikrobiellen Gemeinschaften im menschlichen Körper verstehen, können wir auch die Pathomechanismen menschlicher Krankheiten besser verstehen – und das Mikrobiom nutzen, um sie zu behandeln.«

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