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Virologin Ciesek beim PZ-Livetalk
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»Am Ende zählt nicht, wer impft«

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek plädiert für Apotheken als niedrigschwellige Zugangsorte für das Impfen. Im Prinzip zähle dabei nur der vergleichbare Standard, so Ciesek beim PZ-Livetalk »Alex’ Doppelte Dosis«. Sie verriet zudem, warum sie Medizinerin geworden und nicht beim Bundesnachrichtendienst gelandet ist.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 14.04.2026  13:00 Uhr

Gemeinsames Ziel: Impfraten steigern

Das Stichwort Aufklärung gab Moderator Alexander Müller Gelegenheit, nach der Rolle der Apotheken zu fragen. Sie habe durch den Podcast die Erfahrung gemacht, so Ciesek, dass die Menschen »einem wahnsinnig vertrauen«. Nicht anders sei dies bei den Apotheken. Man vertraue dem Personal in der Offizin. »Das kann man nutzen«, so Ciesek, etwa indem man Hintergründe erkläre oder Falschinformationen korrigiere, in einem 1:1-Gespräch auf die Menschen direkt eingehe. »Ich denke, dass Apotheken da eine große Funktion erfüllen können.«

Und so begrüßt Ciesek auch den Plan der Bundesregierung, dass die Impfmöglichkeiten in Apotheken auf alle Totimpfstoffe ausgeweitet werden sollen. Sie sehe da kein Problem. Das gemeinsame Ziel sei, die Impfquoten zu steigern. »Da sind die Apotheken perfekt ausgestattet.« Ciesek: »Am Ende zählt nicht, wer impft, sondern dass der Standard gleich ist.«

Skeptisch sei sie allerdings bei Lebendimpfstoffen, etwa weil dort mehr Kontraindikationen zu beachten seien. Alter, Vorerkrankungen, andere Therapien – sie habe selbst einmal die Erfahrung gemacht, dass ein Reisewilliger seine Chemotherapie bewusst verschwiegen habe, um an eine Gelbfieberimpfung zu kommen. Nur eine Rückfrage beim Arzt habe am Ende verhindert, dass die Impfung tatsächlich verabreicht wurde. Bei Lebendimpfsfstoffen sei oftmals eine solche Recherche geboten. Ob dafür die Kapazitäten in Apotheken ausreichen, könne sie nicht einschätzen.

Genetik-Klausur doppelt korrigiert

Der PZ-Livetalk »Alex’ Doppelte Dosis« fragt auch nach Persönlichem – bei der Premiere in Berlin hatte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) im Januar verraten, dass sie Nirvana mag und gern Sportjournalistin geworden wäre. Ciesek verriet in Frankfurt, dass sie als Schülerin – Bio- und Latein-Leistungskurs – gerne mal die korrigierten Genetik-Klausuren ihrerseits in einer anderen Farbe zurückkorrigierte. »Ich glaube, die Lehrer haben mich gehasst.«

Ob sie schon früh wusste, dass sie Virologin werden will? »Nein.« Die Eltern plädierten für eine Banklehre – »etwas Anständiges«. Ein Berufsberatungstest habe ausgespuckt, dass sie Beipackzettel für Medikamente verfassen sollte. Oder auch: Beamtin im Höheren Dienst beim Bundesnachrichtendienst. Am Ende sei es aber Medizin geworden. Wenn sie heute noch einmal entscheiden könnte, würde sie Architektin oder Innenarchitektin werden – wobei dies laut ihrer Tochter keine sichere Bank sei, wegen der KI.

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