Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Haarwuchsstörungen
-
Alopezie hat viele Auslöser

Verstärkter Haarausfall und Haarlosigkeit belasten viele Patienten. Den vielfältigen Ursachen von Androgen-Imbalance, Autoimmunität und Entzündung bis hin zum metabolischen Stress stehen nur wenige zugelassene Behandlungen gegenüber. Für unzählige propagierte Naturprodukte fehlen Studien und Evidenz.
AutorKontaktEva Gottfried
Datum 19.04.2025  07:00 Uhr

Haarverlust durch Arzneistoffe

Der Wachstumszyklus der Haare wird auch durch eine Reihe von Arzneimitteln beeinflusst (1, 6). Zytostatika beispielsweise schädigen die Haarfollikel und führen häufig zum anagenen Effluvium oder Abbrechen der Haare. Neben den Kopfhaaren können auch Wimpern, Augenbrauen und Körperbehaarung betroffen sein. Nach dem Absetzen kommt es in der Regel zur Wachstumssynchronisierung und einem dichten Nachwachsen der Haare, teils mit Strukturveränderungen wie Lockenwachstum (1, 6).

Auch hormonelle Kontrazeptiva, Geburtsstress und Hormonumstellung der Mutter können zu einer Synchronisierung des Wachstumszyklus mit vorübergehendem starken Effluvium führen (1).

Laut einer Auswertung von mehr als 50 Studien sind verschiedene Biologika wie monoklonale Antikörper sowie Immunmodulatoren und Zytostatika mit Alopecia areata assoziiert (6). Die Wirkmechanismen sind im Einzelnen noch nicht abschließend geklärt. Da die Erkrankung auf Autoimmuneffekten basiert, ist der Einfluss auf Immunregulation und Entzündung als Mechanismus naheliegend (6).

Unter den auslösenden Substanzen fanden die Autoren des systematischen Reviews am häufigsten TNF-α-Inhibitoren wie Adalimumab, Infliximab, Etanercept und Golimumab sowie Dupilumab. Vereinzelt wurden auch Alemtuzumab, die Hepatitis-C-Therapie mit Ribavirin und Interferon-α, Ciclosporin, Belimumab, Cladribin, Haloperidol, Pembrolizumab, Rifampicin und orale Retinoide mit Haarausfall in Verbindung gebracht. Dieser setzte im Mittel nach ein- bis 1,5-jähriger Therapie ein. Mehr als 70 Prozent der Betroffenen hatten kreisrunde haarlose Flecken (6).

Effluvium: Unterbrechung des Wachstumszyklus

Der Wachstumszyklus des Haares kann in verschiedenen Phasen gestört werden, was zum Haarausfall führen kann. So kommt es bei Unterbrechungen in der Anagenphase zum anagenen Effluvium mit diffusem Haarausfall. Das telogene Effluvium dagegen ist ein reaktiver Prozess auf metabolischen Stress mit plötzlich einsetzendem, diffusem Ausfall von mehr als 100 Haaren täglich. Tritt es aufgrund von chronischem Stress auf, wird es auch als Stress-Alopezie bezeichnet (4).

Zur Therapie reicht häufig ein Vermeiden des Triggers. In schweren Fällen kann auch eine topische Therapie mit dem Antihypertonikum Minoxidil erwogen werden (4).

Zur Diagnose von Wachstumsstörungen werden Kopfhaut und Haare auf Entzündung, Schuppen, Erhabenheiten und kahle Stellen untersucht. Ein Zupftest zeigt, wie schnell sich die Haare ausreißen lassen. Mittels Trichogramm kann der Anteil von aktiv wachsenden Haaren bestimmt werden. Beim Gesunden sind mehr als 80 Prozent der Haare in der anagenen Phase und weniger als 20 Prozent in der telogenen Phase. Auch eine Laboruntersuchung auf Eisenmangel, Schilddrüsenfehlfunktion und verschiedene Blutmarker kann mögliche Ursachen aufdecken (Abbildung 2) (1).

Mehr von Avoxa